Warum es bei Barfüßer derzeit nicht weitergeht

Heilbronn/Weinsberg/Ulm  Brauhaus, Haxenkeller und QMuh sind momentan geschlossen. Zu den Hintergründen gibt es sehr unterschiedliche Darstellungen.

Von Bärbel Kistner
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Warum es bei Barfüßer derzeit nicht weitergeht

Ungewisse Zukunft für den Barfüßer an der Heilbronner Allee: Die früheren Betreiber aus Ulm und der neue Inhaber streiten sich mittlerweile vor Gericht. Die ehemaligen Mitarbeiter warten auf ihren Lohn.

Fotos: Mario Berger

Ehemalige Gäste sind ratlos: Was ist passiert, dass es weder im Barfüßer an der Allee noch in den beiden Weinsberger Lokalen Barfüßer Haxenkeller und QMuh weitergeht? Im August hatten die drei Kneipen der Ulmer Barfüßer-Gruppe geschlossen. Die Lokale wurden untervermietet und sollten ohne längere Pause unter dem neuen Betreiber Bashim Sadiku als Bronnbräu, Haxenkeller und Burgertreu wieder öffnen. Doch dazu ist es nicht gekommen.

Mittlerweile gab es mehrere Termine vor dem Heilbronner Arbeitsgericht. Zirka 60 Mitarbeiter waren bei Barfüßer, Haxenkeller und QMuh beschäftigt. Ein Teil der Angestellten klagt wie berichtet den ausstehenden Lohn ein. Im Januar soll vor dem Landgericht zudem die Frage geklärt werden, ob der neue Pächter die Lokale wieder herausgeben muss, oder ob seinerseits Schadenersatzansprüche bestehen.

Schuld hat jeweils die andere Seite

Zu den Hintergründen gibt es, je nachdem, wen man befragt, höchst unterschiedliche Darstellungen. Die einzige Gemeinsamkeit: Beide Seiten versuchen sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben, den jeweils anderen dafür verantwortlich zu machen, dass die Lokale zu bleiben und der Schaden in die Höhe getrieben wird.

Weiterlesen: Barfüßer wird zum Fall vor dem Arbeitsgericht

Bashim Sadiku, neun Jahre lang Barfüßer-Mitarbeiter, sieht sich von Barfüßer getäuscht im Blick auf die Lohnkosten und hat deshalb die Verträge angefochten. Die Lohnkosten seien um 200.000 Euro jährlich höher als gedacht. Sein Anwalt Michael Lohmayer betont, dass Barfüßer keine Zahlen zur Betriebsauswertung herausgeben wollte.

Falsche Vorstellungen von den Löhnen

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Nico Lederer war Koch im Weinsberger Haxenkeller und möchte weitermachen.

Sadiku habe Nettolöhne übermittelt bekommen, dies sei aus der E-Mail aber nicht ersichtlich gewesen. Üblich seien in solchen Fällen die relevanten Bruttobezüge inklusive Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen. Barfüßer-Inhaber Eberhard Riedmüller widerspricht: Unmittelbar vor der Unterzeichnung der Pachtverträge in Ulm habe man Herrn Sadiku die entsprechenden Zahlen genannt.

Dass ein ehemaliger Mitarbeiter die Lokale übernimmt, schien Riedmüller "eine sympathische Lösung". Bashim Sadiku hatte eigentlich nur den Heilbronner Barfüßer betreiben wollen. Mit Haxenkeller-Küchenchef Nico Lederer gab es einen ernsthaften Interessenten für die beiden Weinsberger Lokale. Lederer hat nach wie vor Interesse: "Die Läden sind richtig gut gelaufen."

Streit um Kosten im sechsstelliger Höhe

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Auch das QMuh in Weinsberg gehört zur Barfüßer-Gruppe und ist zu.

Nach Angaben von Anwalt Lohmayer spreche nichts gegen die Lösung mit einem Dritten: Voraussetzung aber sei eine finanzielle Einigung mit Barfüßer, die den Schaden für Sadiku kompensieren müsste: Kosten für Löhne, Bronnbräu-Firmengründung und erste Umbauarbeiten an der Allee. Ihm drohe nun ein Insolvenzverfahren.

Auf eine Zahlung will sich Gastronom Riedmüller jedoch nicht einlassen. Stattdessen habe man bei Gericht Sicherheiten in sechsstelliger Höhe hinterlegt. Trotzdem verweigere Sadiku die Herausgabe der Räumlichkeiten und verhindere, die Mitarbeiter wieder in Lohn und Brot zu bringen, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber der Heilbronner Stimme: "Eine Lösung für die Mitarbeiter zu finden, steht für uns an erster Stelle."

 

Hintergrund

Barfüßer Gastronomie und Barfüßer Allgäu mit Sitz in Ulm betreiben in Bayern und Baden-Württemberg insgesamt 18 Lokale unter verschiedenen Namen. Das Stammhaus der Barfüßer Hausbrauerei in Ulm öffnete 1990, der Heilbronner Barfüßer folgte vor 26 Jahren. Auch der Spazz in Heilbronn wurde von der Barfüßer-Gruppe betrieben. Vor einem Jahr hat die Enchilada-Gruppe die Räume übernommen, heute ist dort Wilma Wunder.


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