Warum Muslime auf der Buga kaum vertreten sind

Heilbronn  Das Engagement der christlichen Glaubensgemeinschaften bei der Heilbronner Buga ist groß. Muslimische Verbände sind dagegen kaum vertreten. Woran liegt das?

Von Helmut Buchholz und Kilian Krauth
Email

Der Kirchengarten der christlichen Glaubensgemeinschaften.

Foto: Mugler

Die christlichen Kirchen sind auf der Buga stark vertreten: mit einem spirituellen Garten und mit einem prallen Veranstaltungsprogramm. Muslime machen sich eher rar. "Mit möglichen Animositäten hat das überhaupt nichts zu tun. Wir haben schon früh mit verschiedenen Gruppen gesprochen, sind damit aber auf kein großes Interesse gestoßen", erklärt Buga-Chef Hanspeter Faas.

Er bedauere das, weil in der Stadt viele Muslime leben und man während der 173 Tage "die Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt abbilden" möchte.

Faas habe die Frage vor Jahren in den städtischen Integrationsbeirat getragen. Dort habe man sich immerhin auf einen interkulturellen Garten verständigt, in dem Menschen mit Migrationshintergrund, auch Muslime, Gemüse und Kräuter anpflanzen und pflegen, "aber eben als Einzelpersonen".

Buga-Chef Faas: "Für beide Seiten ist das eine Win-win-Situation"

Das Engagement der christlichen Kirchen begrüßt Faas. Mit ihren informativen, unterhaltsamen und reflektierenden Beiträgen griffen sie Natur- und Umweltthemen "mit hoher Qualität" auf. Durch ihr Netzwerk lockten sie viele Zielgruppen an: "für beide Seiten eine Win-win-Situation." Man habe die Kirchen angesprochen, ob sie nicht auch Muslime mit ins Boot nehmen wollten.

Man habe sich - was gar nicht einfach sei - darauf konzentriert, die sechs Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), also unterschiedliche Glaubensgemeinschaften unter einen Hut zu bekommen, erklärt Peter Seitz, der das Kirchenprojekt auf der Buga zusammen mit Esther Sauer organisiert. Muslime hätten in keiner Phase der rund zweijährigen Vorbereitungsphase Interesse bekundet. Gleichwohl sei man im Rahmen eines regelmäßigen ökumenischen Abendgebetes offen für andere Religionsgemeinschaften.

Bei anderen großen Gartenschauen wie etwa in Hamburg und München hatte es interreligiöse Projekte wie "Gärten der Religionen" gegeben, wobei dort das Interesse nicht-christlicher Gruppen laut Faas und Seitz bescheiden gewesen sei. In Koblenz waren nur die beiden Volkskirchen im Boot.

Die Fatih-Moschee möchte Teil der Buga werden

In der Moschee-Gemeinde der Fatih-Moschee, dem größten muslimischen Gotteshaus in Heilbronn, ist inzwischen die Bereitschaft zur Beteiligung an der Buga durchaus vorhanden. "Ich bin letzte Woche indirekt angesprochen worden, habe dann zugesagt, über Inhalte zu sprechen, was wir bei der Buga machen könnten", berichtet Pressesprecher Serdar Eroglu. Die Fatih-Mosche wolle sehr gerne Teil der Buga werden, versichert er. Eine Stimme-Anfrage zur Buga-Beteiligung bei der Heilbronner Ditib-Moschee blieb bis dato unbeantwortet.

Muslime würden sehr wohl bei der Buga mitmachen, erklärt Roswitha Keicher. Die Leiterin der Stabsstelle Partizipation und Integration im Heilbronner Rathaus zählt auf: "Es wird Abendgebete geben, da können Muslime mitmachen. Im Küchenbereich wird es an bestimmten Tagen Angebote aus verschiedenen Kulturen geben."

Die Stabsstelle sei in Kontakt mit den muslimischen Vereinen für das Kulturprogramm, an dem sich aber nicht nur Muslime beteiligen. Roswitha Keicher ist generell der Meinung, dass "nicht immer ein Verband originär bei der Buga dabei sein muss". Man würde ja auch nicht fragen, warum ein Sportverein nicht dabei ist. Keicher: "Warum stellt man diese Frage bei Muslimen?"


Kirche präsentiert sich auf der Buga

Unter dem Motto "Leben schmecken" macht die Kirche während der Buga Appetit auf ihren 1000 Quadratmeter großen spirituellen Garten. Hier werden bei vielen Veranstaltungen die Themen Schöpfung und Ernährung aufgegriffen, damit Menschen "still oder lebendig, alleine oder in Gruppen Kraft und Impulse für ihr Leben finden", heißt es. Der Garten ist mit einem Vegetationsband umfangen, die Wege bilden ein Kreuz. Auch das Mobiliar hat Symbolkraft: die lange Holztafel zum gemeinsamen Essen oder Gespräch, eine Wasserschale als Ort der Meditation, eine Buga-Box für Gespräche, Glocke, Orgelpfeifen, Bänke und Hocker, Pflanztröge, ein Portal, eine Kerzenwand mit Farbgläsern sowie ein großer symbolischer Löffel. 

 


Top-Kommentare

Kommentar hinzufügen