Warum E10 und normales Super plötzlich gleich viel kosten

Region  Die Preise an den Tankstellen vieler Marken haben sich zu Jahresbeginn für beide Sorten angeglichen. Allerdings machen die Konzerne nur wenige Angaben zu den Gründen - jedenfalls offiziell.

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Tankstellen
Die beiden Tankstellen liegen sich direkt gegenüber. An beiden ist E10 genauso teuer wie normales Superbenzin. Fotos: Heiko Fritze

Einst sollte die umweltfreundlichere Spritsorte E10 vor allem über den Preis Kunden anlocken: Anfangs kostete sie im Schnitt vier Cent weniger als das herkömmliche Superbenzin. Schon seit einigen Jahren ist der Preisunterschied auf zwei Cent geschrumpft - und im neuen Jahr kosten beide Sorten an vielen Tankstellen plötzlich gleich viel. Eine Stichprobe ergab am Freitag, dass sowohl alle Tankstellen des Betreibers Jet als auch von Aral, Esso, Total und Agip keinen Preisunterschied mehr machen. Bei Shell gab es hingegen noch die altbekannte Differenz.

Ein bundesweites Phänomen

Dass es sich hierbei um ein bundesweites Phänomen handelt, bestätigen alle angefragten Sprecher von Mineralölkonzernen und Verbänden. Zu den Gründen halten sie sich jedoch bedeckt. "Zu unserer Preisgestaltung geben wir grundsätzlich keine Auskunft", heißt es stattdessen. Hinter vorgehaltener Hand wird aber erzählt, dass Aral vor wenigen Tagen mit der Angleichung vorgelegt habe.

Inzwischen haben, wie ein Ortstermin am Freitag ergab, selbst einige Betreiber freier Tankstellen nachgezogen. Die Kassiererin an einer Jet-Tankstelle im Raum Heilbronn erzählt, die Preise würden von der Zentrale vorgegeben, aber ihr sei mitgeteilt worden, dass ein besonders günstiger Einkauf bei der Sorte E5, also normales Superbenzin, Grund für dieses Phänomen sei.

Offiziell heißt es bei Jet in Hamburg: "Die Beschaffungs- und Einstandspreise geben die Grenzen vor. Ursache für die gegenwärtigen Verschiebungen in den Preisabständen ist aber auch der Wettbewerb zwischen den Anbietern im Markt sowie vor Ort."

Gesetzesänderung in Kraft

Beim Mineralölwirtschaftsverband Deutschland sagt Pressesprecher Alexander von Gersdorff, dass zum Jahreswechsel eine Gesetzesänderung in Kraft getreten ist: Die sogenannte Treibhausgasminderungsquote ist von vier auf sechs Prozent gestiegen. Sie besagt, dass die Mineralölkonzerne mindestens sechs Prozent Biokraftstoffe absetzen müssen. Dadurch sollen die Treibhausgasemissionen im Verkehr im Vergleich zum Jahr 2005 um zehn Prozent bis 2020 und um 30 Prozent bis zum Jahr 2030 sinken.

Das Ganze ist im Bundes-Immissionsschutzgesetz geregelt. Neben Biokraftstoffen und Biomethan kommen dabei strombasierte Kraftstoffe unter dem Schlagwort Power-to-Gas, Elektrofahrzeuge, biogenes Flüssiggas und bestimmte fossile Brennstoffe in Betracht. Außerdem ist ein Quotenhandel erlaubt.

E10 hat nur einen niedrigen Anteil am Verkauf

Die Folge für den Autofahrer ist nun, dass die bislang als günstiger beworbene Sorte E10, die ohnehin zuletzt nur auf etwa 13 Prozent Anteil bei Benzin kam, an vielen Tankstellen vorerst nicht mehr günstiger ist. Ein Brancheninsider berichtet, dass vor allem an der gestiegenen Quote liegt - die Erzeugung der Biokraftstoffe sei teurer als jene herkömmlicher Kraftstoffsorten, und wenn nun mehr beigemengt oder in Verkehr gebracht werden muss, habe dies Auswirkungen auf die Kalkulation.

Jedes Unternehmen ist dabei auf sich gestellt, ergänzt ein Sprecher des Bundeskartellamts. Und er erklärt auch: "Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, dass zwischen E10 und E5 ein preislicher Abstand eingehalten werden soll."


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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