Wann der Unverpackt-Laden in Heilbronn öffnet

Region  Am 28. September geht es los: Dann eröffnen Linda Tiedemann und Patrick Wimmer den ersten Unverpackt-Laden in Heilbronn. Wir haben uns das Geschäft "Liva" an der Allee und einen weiteren plastikfreien Laden in der Region angeschaut.

Von Milva-Katharina Klöppel
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Unverpackt-Laden Heilbronn
Linda Tiedemann und Patrick Wimmer eröffnen den ersten Unverpackt-Laden in Heilbronn. Foto: Andreas Veigel

Sie heißen "Kernidee", "Stückgut" oder "Losgelöst" - am 28. September wird mit "Liva" in Heilbronn ein weiterer Unverpackt-Laden in Deutschland eröffnen. Mehr als 2500 Facebook-Fans in wenigen Wochen - und das ohne Werbung oder sonstige Aktionen, um auf sich aufmerksam zu machen: Linda Tiedemann und Patrick Wimmer treffen mit ihrer Neueröffnung den Nerv der Zeit. Der Geschäftsname Liva leitet sich übrigens aus dem Englischen "Live aware" ab, was so viel wie "Lebe bewusst" heißt. Er soll vermitteln, was das junge Paar mit dem Unverpackt-Konzept verbindet - "einen bewussten und nachhaltigen Lebensstil".

Im Heilbronner Unverpackt-Laden soll es regionale Produkte geben

"Bei uns wird es nicht ausschließlich Bio-Produkte geben", erklärt die 26-Jährige das geplante Sortiment. "Wir setzen auf hochwertige regionale und saisonale Lebensmittel." Die vor allem eines sein werden: unverpackt. Ein Pfund Reis ohne Plastikverpackung? Das Müsli auch in kleinen Mengen? Dazu noch ein paar Nüsse - portionsweise "abgezapft" im dafür eigens mitgebrachten Einmachglas? Im herkömmlichen Supermarkt ist das kaum möglich.

"Wir möchten mit unserem Laden die Hektik aus dem Einkauf nehmen", erklärt Patrick Wimmer. Wunsch des 31-Jährigen ist es, dass die Menschen bewusster einkaufen, sich Zeit nehmen und der Weg in den Supermarkt keine Last ist. "Unser Laden soll auch ein Ort zum Verweilen werden", so Wimmer.

Unverpackt-Laden Besigheim
Auch in Besigheim hat vor wenigen Wochen ein Unverpackt-Laden eröffnet. Foto: Andreas Veigel

Auch in Besigheim gibt es neuerdings einen Unverpackt-Laden

Das ist Nathalie Alméras und Angela Beyl bereits gelungen. Mit "AnNa Unverpackt" haben die Freundinnen vor achten Wochen einen Unverpackt-Laden in Besigheim eröffnet. Seither kommen Einheimische, aber auch Touristen in den Laden in der Hauptstraße 16. Täglich wird ein Mittagstisch angeboten und donnerstags ist bis 22 Uhr geöffnet. Der Name für das gemeinsame Baby war in der Konzeptionsphase, die im Sommer 2018 begann, schnell gefunden: Aus den jeweils ersten beiden Buchstaben von Angela und Nathalie leitet sich AnNa an.

Es sind vor allem Frauen, die die frühere Apotheke betreten und ihre mitgebrachten, leeren Marmeladengläser und Müslidosen abwiegen, bevor sie sie mit Getreide, Trockenobst, Reis und anderem aus den rund 90 Spendern und Schütten befüllen. "Wir wollen keine Messias sein und alle zum plastikfreien Leben bekehren", sagt Nathalie Alméras, die gelernte Floristin, Bürokauffrau und Mutter von vier Kindern ist. Und doch bieten die 46-Jährige und ihre sieben Jahre jüngere Partnerin Angela Beyl alles an, was man für den täglichen Bedarf benötigt. "Nur fürs Katzenfutter fahre ich noch zu Edeka", sagt Angela Beyl, die zwei Kinder hat und früher als Zahnarzthelferin arbeitete.

Unverpackt-Laden Heilbronn
Bald werden im Heilbronner Unverpackt-Laden regionale und saisonale Produkte verkauft. Foto: Andreas Veigel

Warum die Leute im Unverpackt-Laden einkaufen

Linda Tiedemann in Heilbronn findet die "Plastikberge in den Supermärkten" bedrückend: " Ich kann es mit meinem Gewissen gar nicht mehr vereinbaren, manche Produkte zu kaufen." Deswegen versucht die Dual-Studierende "so viel wie möglich frisch zu kochen". Die Argumente für den Einkauf in einem Unverpackt-Laden sind vielfältig und hängen auch vom Alter der Kunden ab: Während die ältere Generation in der Altersklasse von 40 bis 69 Jahren hauptsächlich Verpackungen vermeiden möchte, ist den jüngeren Konsumenten zwischen 18 und 29 Jahren ein besonderes Einkaufserlebnis sowie die individuelle Zusammenstellung von Lebensmittel-Mischungen wichtiger.

Das ergab eine im vergangenen Jahr von der Splendid Research GmbH veröffentlichte Studie. So wie in den meisten der mehr als 100 deutschen Unverpackt-Läden wird es auch bei "Liva" neben Lebensmitteln Non-Food-Produkte wie Zahnbürsten, Bienenwachstücher als Alternative zu Frischhaltefolie, flüssiges Shampoo zum Nachfüllen oder aber Haarseife geben.

"Wir haben uns vor einigen Monaten von unseren frischen Produkten getrennt", erklärt Ria Schäfli vom "Original Unverpackt" aus Berlin, einem der ersten Unverpackt-Läden in ganz Deutschland. Der Grund: Obst und Gemüse bekommen die Kunden auch problemlos plastikfrei auf dem Markt. Verkaufsschlager, so Schäfli, sind Süßigkeiten und Kosmetikprodukte.

In Heilbronn wird aktuell fleißig umgebaut

Rund 80 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen Tiedemann und Wimmer für ihr Projekt zur Verfügung. Bis Ende August möchte der gelernte Zimmermeister den Umbau des ehemaligen Sanitätshauses auf der Allee 73 gegenüber vom Theater abgeschlossen haben. Anders als in Besigheim, wo die Regale und Verkaufstheke der Apotheke übernommen werden konnten, muss in Heilbronn alles entkernt und renoviert werden. Wenn die neue Inneneinrichtung aus Massivholz Eiche steht, die rund 80 Spender an der Wand hängen und alles in frischem Grün erstrahlt, geht es los: "Dann bestellen wir die erste Ware", freut sich Linda Tiedemann. "Unverderbliches wie Seifen und Shampoo."


Crowdfunding gestartet

Anders als bei vielen anderen Unverpackt-Läden in Deutschland steht die Grundfinanzierung in Heilbronn. Linda Tiedemann und Patrick Wimmer haben für ihren Traum einen Kredit aufgenommen. „Wir möchten aber mehr Leute in unsere Idee involvieren und starten deshalb ein Crowdfunding“, erklärt Wimmer. Mit einer Spende für „Liva“ auf der Website Startnext möchten die Jungunternehmer eine Bewegung in Heilbronn anstoßen. „Gründungsmitglieder von Liva bekommen Rabatt, Einladungen zu Treffen und mehr“, verrät Tiedemann. Das zusätzliche Geld möchte das Paar unter anderem in die Ausstattung investieren. 

 


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