Wahlschlappe für den Widderner Bürgermeister

Widdern  Jürgen Olma muss herbe Niederlage einstecken - Nur 46 Prozent der Wähler machen Kreuz beim Alleinkandidaten

Von Petra Müller-Kromer
Wahlschlappe für den Widderner Bürgermeister

Im Vorfeld hatte es einen Flyer gegeben mit dem Aufruf, jemand anderen als Jürgen Olma auf den Wahlzettel zu schreiben. Die Wahlhelfer waren dann tatsächlich mit mehr als zehn unterschiedlichen Namen konfrontiert.

Foto: Christiana Kunz

Paukenschlag in Widdern: Der amtierende Rathauschef Jürgen Olma hat es als Alleinkandidat nicht geschafft, die Bürgermeisterwahl im ersten Wahlgang zu gewinnen. Er holt nur 46,4 Prozent der Stimmen, hätte aber mindestens 50 Prozent und eine Stimme gebraucht. Die Wahlbeteiligung liegt bei 52,3 Prozent. Damit geht es in die Verlängerung. Am 2. Juni wird wieder gewählt. Gejohle ist aus den Reihen der rund 200 Widderner vor dem Rathaus zu hören, als der stellvertretende Bürgermeister Thomas Schäfer das Ergebnis verkündet.

Olma auf NPD-Plakaten abgebildet

Angegriffen, aber gefasst tritt Jürgen Olma vor die Bürger. "Sie sehen mich nicht ganz so verzweifelt", sagt er mit fester Stimme. "Aber so, wie das gelaufen ist, mit dem Buga-Karl oder den NPD-Plakaten, auf denen mein Foto drauf ist, das gehört sich einfach nicht. In Deutschland ist das schärfste Schwert das gesprochene Wort und keine Nacht- und Nebel-Aktionen." Es sei ein Gebot der Fairness, dass "die Gruppe" die Bevölkerung informiere, was ihre Ziele seien. Damit spielt er auf die verschiedenen Aktionen an, die in den vergangenen Tagen gelaufen waren.

Buga-Karl abmontiert

Angefangen hatte alles mit dem abmontierten Buga-Karl, den Unbekannte von der Brücke hängen ließen mit einer Diffamierung des Bürgermeisters beschmiert. "Ich finde das nicht gut, das ist Sachbeschädigung", sagt eine Widdernerin, die mit ihrer Familie im Rathaus aufs Wahlergebnis wartet und ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Zudem wurden im Vorfeld flächendeckend Flyer im Ort verteilt, auf denen Bernhard Branyi angeblich seine Kandidatur bekannt gab. Der wusste nichts von der Aktion und machte klar, dass er auch nicht zur Verfügung stehe, wenn er gewählt werde. Trotzdem erhielt er 24,5 Prozent der Stimmen.

Flyer aufgetaucht

Ein weiterer Flyer rief dazu auf, einen anderen Namen als den des Alleinkandidaten auf den Stimmzettel zu schreiben, was viele Widderner taten. Mehr als zehn Häufchen mussten die Wahlhelfer auf dem Tisch bilden, so viele unterschiedliche Namen wurden genannt. "Das habe ich in 27 Jahren noch nicht erlebt", sagt Kämmerer Mirko Weinbeer bei der Auszählung.

Auch die Puppen, die im Baum vor dem Café Reinert hingen und Olma als Marionette des Kämmerers zeigten, empfand mancher als Belustigung, wie ein Widderner erklärt. "Dabei ist ja nichts kaputt gemacht worden", meint er mit Blick auf den abmontierten Buga-Karl. Noch am Sonntag ist auf NPD-Plakaten am Ortseingang das Porträt des Bürgermeisters aufgeklebt. Vor dem Café Reinert steht abends ein Grüppchen zusammen. "Ich wundere mich, dass es keinen Gegenkandidaten gab", sagt Thomas Schiemer. Viele hätten den Schritt von vor acht Jahren bereut, als der amtierende Bürgermeister Michael Reinert gegen Olma verlor.


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