WG Heilbronn macht das Spiel mit Billigwein nicht mit

Heilbronn  Die Genossenschaftskellerei Heilbronn will im globalen Konkurrenzkampf mit Größe, Qualität, neuen Produkten und Tourismus punkten. Den Rückenwind durch die Buga will man weiter nutzen.

WG Heilbronn macht Spiel mit Billigwein nicht mit

Aufschwung durch Buga (von links): Geschäftsführer Karl Seiter, sein Nachfolger Michael Eißler, Kellermeister Arne Maier, Vorstandschef Justin Kircher.

Foto: Kilian Krauth

Eigentlich sollte die Traubenlese erst Mitte September beginnen. Nun werden punktuell bereits früh reife rote Sorten gelesen: wegen der hitzebedingt schnelleren Reife und wegen der Kirschessigfliege.

Damit der Schädling in Waldnähe nicht zu sehr wüten kann, nimmt die Genossenschaftskellerei kurzfristig an diesem Donnerstag sowie Mitte nächster Woche Dornfelder, Acolon, Regent und Portugieser an, so Vorstandschef Justin Kircher.

Den ersten größeren Leseplan wolle man am Montag zusammenstellen. Karl Seiter geht davon aus, dass es am Weindorf-Montag, 16. September, "richtig losgeht".

Nachfolger von Karl Seiter ist schon da

Für Karl Seiter (67) ist es die letzte Lese als WG-Geschäftsführer. Am Mittwochabend legte er bei der Herbst- und Generalversammlung in der Erlenbacher Sulmtalhalle seine letzte Jahresbilanz vor. Ende 2019 tritt er nach 22 Jahren in den Ruhestand. Nachfolger Michael Eißler (49) kommt von der BAG Hohenlohe und wird bereits seit Juli "eingelernt".

Mit Blick auf den hart umkämpften Weinmarkt betonte Eißler, "wir sind gut aufgestellt und werden mit einem tollen Team auch in schwierigen Zeiten etwas reißen". In die Karten spielen dürfte ihm "in Menge und Güte der Traumjahrgang 2018". Die um 50 auf 1450 Hektar gewachsene größte Orts-WG Deutschlands habe mit 21 Millionen Kilogramm Trauben dabei ein historisches Rekordergebnis eingefahren. Es liege sage und schreibe 70 Prozent über der Ausbeute im Frostjahr 2017.

Kleine Ausbeute in 2017 drückt den Umsatz 2018

Wegen dieser Mini-Ernte verkaufte die WG 2018 mit 8,27 Millionen Liter 7,8 Prozent weniger Wein und Sekt als im Vorjahr. Gleichzeitig sank der Bruttoumsatz aber nur um 3,2 Prozent auf 29,69 Millionen Euro: weil man die Preise gegen den Trend leicht erhöhte und damit einen Durchschnittserlös von 3,59 Euro/Liter erzielte.

Hier kritisierte Karl Seiter, dass andere Betriebe "das Spiel mit Billigangeboten mitmachen" und so den Wengertern schaden, deren Traubengeld zuletzt vielerorts rückläufig war. In Heilbronn bekommen die Mitglieder (1331) derzeit pro Hektar 14.200 Euro ausbezahlt, 2000 Euro mehr als im Württemberger-Schnitt.

Rebflächenvision setzt verstärkt auf Riesling & Co

So toll die 2018er Weine auch schmecken: Der Sommer 2018 bremste den Weinkonsum, vor allem beim Roten (minus 8,5 Prozent) zusätzlich, erklärte Kellermeister Arne Maier. Man reagiere darauf mit zeitgemäßen Produkten wie alkoholfreiem Sekt oder aromatischen Weißweinsorten und Rosés, aber auch mit einer "Rebenflächenvision 2050": Hier setzt die WG verstärkt auf Riesling und andere Weißweinsorten, aber auch auf Lemberger und Spätburgunder.

Trollinger dürfte wohl weiter sinken, gleichzeitig bringe man im Herbst einen ambitionierten "Ursprung Trollinger" auf den Markt, dessen Geschmacksprofil aus einer ausgeklügelten Produktions- und Vermarktungsstrategie resultiere. Er könne wegweisend für die ganze Region sein.

Schwung der Buga für Tourismus nutzen

Trotz Marktdruck erkennt Kircher in Heilbronn eine allgemeine "Aufbruchstimmung", die der Buga zu verdanken sei, wo der Wein-Villa-Stand dreimal soviel Wein verkauft als gedacht. "Den Schwung müssen wir jetzt mitnehmen", auch im Weintourismus, der sich an der WG nicht zuletzt durch das Freiluftlokal "Weingarten", den neuen Verkaufsraum und viele Veranstaltungen prächtig entwickle.

 


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