Vor Bürgerentscheid: Info-Abend gegen B27-Anschluss

Neckarsulm  Die Neckarsulmer entscheiden im September bei einem Bürgerentscheid darüber, ob die Bundesstraße einen neuen Anschluss auf Höhe der Binswanger Straße erhält. Nun informierte die Bürgerinitiative, die gegen den Anschluss ist.

Von Simon Gajer

Vor dem Bürgerentscheid: Info-Veranstaltung gegen B27-Anschluss
So könnte die neue Anschlussstelle der B27 aussehen. Grafik: Stadt Neckarsulm

 

Die Resonanz ist groß. Gut 80 Interessiere kommen, und viele halten sich mit ihrer Kritik nicht zurück. Der Ausbau der Bundesstraße auf vier Spuren durch den Bund wird ebenso hinterfragt wie die Verkehrsprognosen.

Volker Raith, einer der Vertrauenspersonen der Bürgerinitiative (BI), kritisiert die Planungen für den Anschluss, denen viel weniger Verkehr zugrunde läge. Den Hochrechnungen glaubt er nicht, eine erst wenige Jahre alte Analyse sei jetzt schon überholt. Den aktuellen Zahlen zufolge nähme der Verkehr in Teilen der Innenstadt ab, da Pendler den neuen Anschluss Binswanger Straße nutzten.

Die Bundesstraße soll auf vier Spuren ausgebaut werden

Vor dem Bürgerentscheid: Info-Veranstaltung gegen B27-Anschluss
Volker Raith, einer der Vertrauenspersonen der Bürgerinitiative gegen den geplanten Ausbau der B27 in Neckarsulm. Foto: Simon Gajer

Die Kreuzung, sagt aber Raith, könne "gar nicht funktionieren": Der Bund will die Bundesstraße zwischen der Autobahn und den Tankstellen auf vier Spuren ausbauen, möglicherweise fallen deshalb die beiden Halbanschlüsse in Richtung Innenstadt und in Richtung Bad Friedrichshall weg. Um sie zu erhalten, müssen aus Sicht des für den Ausbau zuständigen Regierungspräsidiums mehrere Häuser abgerissen werden.

Die Anschlussstelle in Richtung Neuenstadt, der Amorbachknoten, wird aber nicht angetastet. Für Raith bedeutet das, dass sich der Verkehr aus Heilbronn weiterhin staut. "Dann fährt niemand auf die B 27", ist er überzeugt davon, dass Pendler weiterhin durch die Innenstadt führen. "Das kann niemals funktionieren, da können nur Staus sein."

Teilnehmer hinterfragen die zeitliche Abfolge

Werner Krepp, ebenfalls eine Vertrauensperson der BI ist, geht in seiner Kritik weiter. Er unterstellt den Verantwortlichen, dass der angedachte Anschluss die neue Hauptzufahrt nach Neckarsulm werden soll.

Vor dem Bürgerentscheid: Info-Veranstaltung gegen B27-Anschluss

Er hinterfragt zudem die Abfolge: Erst würde die neue Anschlussstelle errichtet, dann die Bundesstraße ausgebaut. Wie Anwesende, die sich in die Diskussion einbringen, fordert er eine Verkehrswende. "Wenn man Straßen baut, nehmen wir dem Öffentlichen Personennahverkehr jede Chance."

Raith regt an, dass Pendler mit Kleinbussen die großen Arbeitgeber ansteuern sollten. Das solle man wenigstens ausprobieren.

Ein Anwesender bedauert, dass die Lebensqualität in Neckarsulm unter dem Verkehr leide. Ihn belasten zudem die Kosten, da nicht nur die Anschlussstelle gebaut, sondern auch das Aquatoll saniert werden soll. "Irgendwann hat Neckarsulm kein Geld mehr, das zu bezahlen." Größenwahnsinnig sei man in der Stadt, sagt eine Frau, dass immer mehr Betriebe kämen. "Irgendwann muss Schluss sein."

 

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