"Von Stammkunden allein können wir nicht leben"

Interview  Am Wochenende findet der 250. Heilbronner Pferdemarkt statt. Die Heilbronner Imbissbetreiberin Hannelore Schröter-Wagner, die auch die Marktkaufleute vertritt, spricht über die Herausforderung, die Traditionsveranstaltung fürs Publikum interessant zu halten.

Von Bärbel Kistner
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Hannelore Schröter-Wagner. Foto: Privat

Hannelore Schröter-Wagner (70) ist seit gut 40 Jahren Imbiss-Betreiberin und weiß, wie sich das Marktgeschehen entwickelt hat. Seit 2014 ist die Heilbronnerin Präsidentin des Landesverband der Schausteller und Marktkaufleute Baden-Württemberg.

 

Was fehlt Ihnen heute beim Pferdemarkt?

Hanne Schröter-Wagner: Türkischer Honig vom Block. Den Geruch habe ich noch von früher in der Nase. Das darf man wegen der Hygienevorschriften nicht mehr verkaufen.

 

Sind Pferdemärkte noch zeitgemäß?

Schröter-Wagner: Unbedingt. Als Traditionsmarkt übt er nach wie vor eine große Anziehungkraft auf viele Menschen aus. Manche Städte wollen aus Kostengründen keine Märkte mehr veranstalten. Damit wird auch ein Stück Kulturgut geopfert.

 

Wie geht es den Schaustellern?

Schröter-Wagner: Man muss diesen Job lieben, um heute noch davon leben zu können. Schausteller müssen mit den Märkten Geld verdienen. Aber oft sind die Kosten zu hoch, und es rechnet sich für manche nicht mehr.

 

Stimmt beim Heilbronner Pferdemarkt die Mischung der Anbieter?

Schröter-Wagner: Wichtig ist, dass es nicht zu viele gleiche Artikel gibt, damit der Markt interessant bleibt. Kunden wollen etwas für ihr Geld. Markthändler, die erkannt haben, dass sie Qualität bieten müssen und dazu freundlich beraten, sind erfolgreich. Ein Ramsch-Image schadet allen. Die Heilbronn Marketing muss ein Augenmerk drauf haben.

 

Bei gutem Wetter am Wochenende werden in Heilbronn 150.000 Besucher erwartet. Kaufen die Menschen auch noch ein?

Schröter-Wagner: Auch Märkte haben das Problem, dass es überall alles zu kaufen gibt, ob im Internet oder beim Discounter. Da geht es dem Markthandel auch nicht anders als den Geschäften in der Innenstadt. Auch für uns stellt sich die Frage, wie sich die Märkte weiterentwickeln.

 

Müssen Marktkaufleute sich mehr Gedanken über ihr Angebot machen?

Schröter-Wagner: Wir haben das Problem der Überalterung. Vielen Beschickern fehlt der Nachwuchs. Wer jetzt einsteigt, muss sich genau überlegen, wie ein Stand langfristig interessant bleibt. Socken oder GesundheitsBalsam zu verkaufen reicht heute nicht mehr.

 

Gibt es nicht noch viele Stammkunden, die gerade bestimmte Produkte suchen?

Schröter-Wagner: Wir haben immer noch viele Besucher, die ganz gezielt ein Produkt und bestimmte Stände suchen, und die auch jedes Jahr wieder kommen. Von Stammkunden alleine können wir aber nicht leben. Wir brauchen auch die Spontankäufer.

 

Welche Note geben Sie dem Pferdemarkt?

Schröter-Wagner: Dass der Heilbronner Pferdemarkt so beliebt ist, liegt auch an der Lage mitten in der Stadt. Wenn alle Komponenten stimmen und vor allem, wenn das Wetter passt, ist der Pferdemarkt eine sehr gute Veranstaltung. Wir hatten aber auch schon einige Pferdemärkte mit Extremwetter. Da kamen keine Leute, es wurde nur wenig gekauft. Das gehört aber zum Risiko im Reisegewerbe. Es gibt Märkte, da hat ein Standbetreiber am Tag 150 Euro in der Kasse.

 


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