Volksbank im Unterland schlägt sich in schwierigem Umfeld gut

Brackenheim  Institut verzeichnet 2019 ein Plus im Kundengeschäft, muss aber erneut einen sinkenden Zinsüberschuss verkraften. Derzeit baut die VBU 25 Stellen sozialverträglich ab.

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Das neue Vorstandstrio der Volksbank im Unterland (von links): Vorstand Heiko Schneider (Marktfolge und Banksteuerung), Vorstandssprecher Jochen Hermann (Privatkunden) und Vorstand Jürgen Leiß (Firmenkunden).

Foto: VBU

Trotz ordentlichen Wachstums im Kundengeschäft bekommt die Volksbank im Unterland (VBU) die Folgen der Niedrigzinspolitik immer stärker zu spüren. Der Vorstand zeigt sich mit dem Geschäftsjahr 2019 dennoch zufrieden. Die Mitgliederversammlungen, die in diesen Tagen abgehalten werden sollten, hat die Bank wegen des Coronavirus abgesagt.

Starkes Geschäft mit Verbundpartnern

"Wir hatten ein schönes Wachstum und haben uns angesichts der schwierigen Bedingungen gut geschlagen", sagt Vorstandssprecher Jochen Hermann. Auf der Einlagenseite verbuchte die VBU ein Plus von 7,14 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro. Besonders gut lief die Vermittlung von Produkten der genossenschaftlichen Verbundpartner. Die VBU-Berater vermittelten im vergangenen Jahr Bausparverträge, Versicherungen und Wertpapiere im Wert von 93 Millionen Euro an Kunden, während die klassischen Bankeinlagen um 40 Millionen Euro zulegten. "Die Bereitschaft der Kunden, in alternative Anlageformen zu investieren, wächst", sagt Vorstandsmitglied Heiko Schneider. Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen legten immer mehr Sparer ihr Geld in Wertpapiere wie Aktien oder Fonds an. Ihren Kunden rät die VBU zu monatlichen Sparraten, um die Schwankungen an den Börsen auszugleichen.

Hohe Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten

Im Kreditgeschäft legte die Volksbank im Unterland um 6,6 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu. "Ein so hohes Wachstum hatten wir seit Jahren nicht mehr", freut sich Schneider. Treiber war hier einmal mehr die hohe Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten. Aber auch mit dem Firmenkundengeschäft zeigte sich der zuständige Vorstand Jürgen Leiß zufrieden. Stolz ist er darauf, dass die VBU von der genossenschaftlichen Zentralbank DZ-Bank zur besten Förderbank 2019 gekürt wurde. Das Institut hat besonders viele Förderkredite der L-Bank und der KfW an Kunden vermittelt.

Kostenreduzierung steht im Fokus

Volksbank im Unterland schlägt sich in schwierigem Umfeld gut

Auf der Ertragsseite der VBU gibt es Licht und Schatten. Das Zinsergebnis war erneut rückläufig und sank um 4,2 Prozent auf 24,7 Millionen Euro. Dagegen legte das Provisionsergebnis um 4,4 Prozent auf 10,8 Millionen Euro zu. Die Verwaltungskosten sind leicht auf knapp 22 Millionen Euro gestiegen. "Damit sind wir nicht zufrieden", betont Jürgen Leiß. Künftig werde man in der Bank jeden Stein umdrehen, um die Kosten zu senken. Das wird sich auch in der Belegschaft niederschlagen. "Wir werden Personal reduzieren, aber wir setzen auf natürliche Fluktuation und Altersteilzeit", kündigt Vorstandssprecher Hermann an. Ende 2021 werde die VBU 25 Mitarbeiter weniger haben als Ende 2018. Aktuell beschäftigt das Institut 230 Mitarbeiter.

Unterm Strich kann die VBU den Jahresüberschuss mit 3,12 Millionen Euro stabil halten. Auch die Dividende, die bei der Vertreterversammlung am 18. Mai beschlossen wird, soll mit vier Prozent auf Vorjahresniveau bleiben. Doch das will Hermann für die Zukunft nicht mehr garantieren. Er rechnet für 2020 mit einer niedrigeren Dividende und einer geringeren Rücklagenzuführung. Gleichwohl sieht der Vorstand die Bank dank einer guten Eigenkapitalausstattung gut aufgestellt. "Wir sind mit gutem Schwung ins Jahr gestartet", sagt Hermann, der weitere Zuwächse bei Einlagen und Krediten erwartet. Der Zinsüberschuss werde aber weiter sinken.

Drei Geldautomaten werden abgebaut

Wie der Vorstandssprecher mitteilt, werden die beiden wenig genutzten Geldautomaten am Marktplatz in Brackenheim und in Dürrenzimmern Mitte April stillgelegt. Auch der nach einem Sprengversuch zerstörte Automat in Stockheim werde nicht mehr ersetzt.

 
 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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