Vielen geht ein Verbot der Silvesterböllerei zu weit

Heilbronn  Das von der Deutschen Umwelthilfe beantragte Verbot eines Silvester-Feuerwerks in einigen Großstädten löst erwartungsgemäß nicht allerorten Begeisterung aus. Selbst beim Asthmabund zeigt man sich skeptisch.

Von Joachim Friedl
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Silvester-Feuerwerk über der Heilbronner Innenstadt.

Foto: Mario Berger

Mit Sorge verfolgen die 20 Mitarbeiter bei der Zink-Feuerwerk GmbH mit Sitz in Cleebronn das von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) beantragte Verbot, in 31 bundesdeutschen Großstädten - unter ihnen Heilbronn - aufgrund der Feinstaubbelastung an Silvester keine Feuerwerke mehr zu zünden.

Gutachten soll Klarheit bringen

"Die Abschaffung von Großfeuerwerken ist eine existenzielle Bedrohung für die ganze Branche", sagt Oliver Vielhauer. Aus Sicht des Entwicklungsleiters bei Zink ist die Faktenlage der DUH zweifelhaft: "Die von der Umwelthilfe in Umlauf gebrachten 5000 Tonnen Feinstaub zu Silvester entbehren jeglicher Grundlage und sind übertrieben."

"Würde man der DUH glauben, müsste die gesamte pyrotechnische Branche rund 20 Millionen Tonnen Feuerwerk zu Silvester verkaufen. Das ist utopisch. Die Verkaufszahlen liegen bei etwa 40.000 Tonnen pro Jahr", erklärt Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbands der pyrotechnischen Industrie (VPI). Ein Gutachten soll Klarheit bringen.

Grillen erzeugt laut Asthmabund mehr Feinstaub

Für "überzogen" hält auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund die DUH-Forderung: "Das Silvesterfeuerwerk zu verbieten, geht zu weit." Grillen im Sommer produziere "viel mehr Feinstaub".

Aktuell gibt es nach Auskunft des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart keinen Feinstaubgrenzwert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, wie von der DUH genannt. Der rechtlich gültige Langzeitgrenzwert liege bei 40 Mikrogramm, der Tagesmittelwert bei 50 Mikrogramm. "In Heilbronn, Ludwigburg, Stuttgart und Esslingen, für die ein Verbot beantragt wurde, werden die Werte eingehalten", sagt RP-Pressereferentin Julia Roßkopf. Wie berichtet, bereitet Heilbronn derzeit eine Feuerwerk-Bannmeile in der Innenstadt ausschließlich für Silvester vor.

Auswirkungen für den Handel nicht einschätzbar

Nicht einschätzen kann Thomas Gauß, Vorsitzender der Stadtinitiative, die Auswirkungen des Böllerverbots auf den Heilbronner Einzelhandel. Seit einigen Jahren verkauft beispielsweise die Drogerie Plappert an der Allee keine Feuerwerke mehr. Die dm-Drogeriemärkte hatten noch nie Böller und Raketen im Sortiment, und bei Galeria Karstadt Kaufhof spielt der Verkauf nur eine geringe Rolle.

Aus den Pressestellen von Lidl und Kaufland heißt es: "Wir kennen die Thematik und beobachten die aktuellen Entwicklungen." Ein verantwortungsvoller Umgang mit Feuerwerkskörpern sei sowohl im Sinne der Umwelt, als auch für Mensch und Tiere angebracht.

Volksfest ohne Feuerwerk für Festwirt kaum vorstellbar

Am Feuerwerk auf dem Volksfest will Festwirt Karl Maier festhalten: "Der Feuerwerksabend ist einer der umsatzstärksten Abende." Auch wenn er sich der Feinstaub-Thematik nicht verschließt, sagt Maier: "Ein Volksfest ohne Feuerwerk wäre sehr schade." Als mögliche Alternative nennt der Festwirt Lasershows, die derzeit aber nicht finanzierbar seien.

Bereits seit Jahren wird beim Wengertfescht, das am 7. August beginnt, kein Feuerwerk mehr gezündet. Verzichtet wurde zunächst wegen einer möglichen Brandgefahr, seit dem letzten Jahr aus Gründen des Umweltschutzes: "Feuerwerke sind nicht mehr zeitgemäß", sagt Stephanie de Langueville-Drautz, Mitglied der Geschäftsleitung des mitveranstaltenden Weinguts Drautz-Able.

Wenn die Böllerei zum Ärgernis wird

Als Ärgernis empfindet sie, dass viele Leute den Feuerwerks-Müll liegen lassen: "Fast jedes Wochenende wird am Wartberg ein Feuerwerk gezündet, und wir Wengerter müssen anschließend den Dreck im Weinberg einsammeln."

 


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