Viele Feuersalamander wurden von Autos überfahren

Möckmühl/Region  Im Hergstbachtal zwischen Ruchsen und Korb wurden viele Feuersalamander auf einer gesperrten Strecke überfahren. Dass sich Autofahrer nicht an Sperrungen halten, ist ein verbreitetes Problem. Für Möckmühl zeichnet sich eine Lösung ab.

Von Reto Bosch

Viele Feuersalamander zerquetscht unter Autoreifen

Dieter Nötzel ist bekümmert und verärgert. Bekümmert, weil auf dem schmalen Sträßchen von Möckmühl-Ruchsen nach Korb zwei Dutzend überfahrene Feuersalamander kleben - das Ergebnis einer Nacht.

Verärgert, weil dies Autofahrer zu verantworten haben, die die Straßensperrung ignorierten. "So geht es nicht weiter", schimpft Nötzel. Klar ist: Sobald sich Kröten, Frösche oder Salamander auf den Weg zu Laichgewässern machen, begeben sie sich oft in Lebensgefahr.

Gelbe Kreise markieren Fundorte toter Tiere

Im Landkreis Heilbronn versuchen rund 200 ehrenamtliche Helfer Amphibien vor dem Straßentod zu bewahren. Autos gefährden Tiere und zuweilen auch die Helfer. Tempokontrollen sollen den Anreiz erhöhen, Geschwindigkeitsvorgaben einzuhalten.

Viele Feuersalamander zerquetscht unter Autoreifen

Die Verbindungsstraße zwischen Ruchsen und Korb ist ab 19 Uhr gesperrt. Daran halten sich aber nicht alle Autofahrer.

Foto:Reto Bosch

Zu diesen Helfern zählen Dieter Nötzel und Anita Ludwig. Sie stehen im Hergstbachtal, dessen Idylle nicht zur Stimmung der beiden Möckmühler passt. Der Bach plätschert zu Tal, murmelt auf dem Weg friedlich vor sich hin.

Nötzel zeigt auf grellgelbe Kreise auf der Straße. In jedem dieser Kreis lässt sich das erahnen, was am Abend zuvor noch ein Feuersalamander war. Zerquetscht von Autoreifen. "25 habe ich gezählt", sagt der Naturfreund kopfschüttelnd. Und das, obwohl diese Ortsverbindungsstraße ab 19 Uhr gesperrt ist.

Feuersalamander leben in Laub- und Laubmischwäldern

Die Tiere starten im Wald, überqueren die Straße, um im Hergstbach dann ihre lebenden Larven abzusetzen. Das müssen sie tun, um sich fortzupflanzen. Das Bundesnaturschutzgesetz erklärt Feuersalamander zur "besonders geschützten Art". Vom Aussterben bedroht sind sie nicht. Angaben der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) zufolge leben die schwarz-gelben Tiere in vielen Laub- und Laubmischwäldern in Baden-Württemberg.

Probleme bereiteten den Salamandern unter anderem Straßen, die ihre Lebensräume durchschneiden, künstliche Eingriffe in Gewässer oder künstlicher Fischbesatz in den Bächen. In der Region Heilbronn sind Feuersalamander nicht selten, Gebiete, wo sie so gehäuft vorkommen wie im Hergstbachtal, dagegen schon. Kreisökologin Stefanie Kielhorn, die den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer koordiniert, fällt mit dem Beilsteiner Farnersberg nur ein weiteres Beispiel ein.

Die LUBW führt eine Reihe von Möglichkeiten an, wie den Salamandern zu helfen ist. Der Schutz der Wanderstrecken gehört dazu. Dieter Nötzel und Anita Ludwig sind mit der Beschilderung der Stadt Möckmühl im Grundsatz zufrieden. Tatsächlich sind die Sperrschilder (19 bis sieben Uhr) nicht zu übersehen. "Vollsperrungen werden aber leider oft missachtet", sagt Stefanie Kielhorn, die den gesamten Landkreis im Blick hat. In Cleebronn etwa seien in Richtung Kreisgrenze sogar schon die Baken in den Graben geworfen worden.

In Möckmühl könnte es eine Schranke geben

Wie geht es nun weiter? "In Möckmühl läuft alles auf eine Schranke hinaus", meint Stefanie Kielhorn auf Anfrage. Das sei rechtlich möglich. Schlüssel könnten der Bauhof und die ehrenamtlichen Streckenbetreuer bekommen.

Damit würde die Forderung von Anita Ludwig und Dieter Nötzel nach einem effektiven Schutz für die Feuersalamander erfüllt. Ludwig versteht aber nicht, dass dies überhaupt notwendig wurde, der Aufwand, sich an die Sperrung zu halten, sei nicht groß. Kommt tatsächlich die Schranke, vergrößert sich damit die Chance, dass die Zahl der grellgelben Kreise künftig drastisch abnimmt.

Die Tiere werden in der Regel 13,5 bis 17, maximal 23 Zentimeter lang. Die LUBW weist außerdem darauf hin, dass Feuersalamander durch ihre variable schwarz-gelbe Zeichnung unverkennbar seien. Die Tiere seien meist dämmerungs- und nachtaktiv, manchmal aber auch an Regentagen unterwegs. Die Larven entwickeln sich an ruhigen Abschnitten kleiner Bäche und Flüsse. Sie verstecken sich tagsüber und gehen nachts auf die Jagd nach Wasserinsekten. Die Entwicklung von der Larve zum jungen Salamander dauert 1,5 bis vier Monate.

 

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