Verrückt nach Heldentaten

Heilbronn  Drei, fünf, sieben oder 25 Kilo auf den Schultern: Der erste Baumstammlauf in Böckingen hat nicht nur einen Gewinner. Hier verraten Läufer Tricks zur Vorbereitung auf den Wettkampf.

Von Christian Gleichauf
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Es ist diese kindliche Freude am Verrückten, die Mehmet Topyürek antreibt. "Natürlich will ich gewinnen", sagt der Erfinder und Organisator des ersten Baumstammlaufs. "Aber meine Freunde haben gesagt, dass ich dann keinen Preis bekomme. Dabei habe ich mir so viel Mühe gegeben mit den Medaillen und allem."

Persönliche Beziehung zu fast allen

Es ist eine familiäre Angelegenheit. Vater, Mutter, Bruder - alle helfen bei der Organisation des Events, das vor Topyürek Haustür in Böckingen stattfindet. Auch die meisten Teilnehmer kennen ihn entweder von einem der vielen Läufe, die er bereits mit Baumstamm auf dem Rücken absolviert hat, über Bekannte oder einfach aus der Nachbarschaft. Es gibt eine Whatsapp-Gruppe und gemeinsame Trainingsläufe am frühen Morgen. Die Idee hat das Zeug zum Trendsport. Noch ist es nicht so weit. "Irgendwann würde ich schon gerne in der Heilbronner Innenstadt starten", sagt Topyürek.

Die Teilnehmer haben sich ganz unterschiedlich vorbereitet. Heike Würtemberger aus Obersulm etwa hat sich einen Weinbergstickel präpariert. Eingepinselt mit der Garagentorfarbe, damit kein Spreißel am Hals landet, hat sie ihn noch mit Mosaiksteinen und Stoff verziert. Andere umwickeln die Hölzer vor dem Start mit Bläschenfolie.

Mit etwas Extra-Gewicht geht es noch besser

Der älteste Teilnehmer ist mit seinen 64 Jahren Manfred Kenner aus Bretzfeld-Dimbach. Auch ihn hat Topyürek unterwegs motiviert. "Beim Altenberg-Lauf in Sülzbach habe ich ihn getroffen." Ähnlich erging es Veronika Keppler, die die Fünf-Kilometer-Strecke als Frau eigentlich mit einem Drei-Kilo-Holz absolvieren will. "Mehmet hat mir aber den 5,1-Kilo-Ast hier gegeben. Er traut mir mehr zu", sagt die 27-Jährige. Topyürek behält recht. Die Forchtenbergerin gewinnt auch mit dem Extra-Gewicht.

Volker Bender (50) aus Öhringen kommt bei den Herren bereits nach gut 22 Minuten mit seinem Sieben-Kilo-Stock zurück. Als Marathonläufer hat er den Spaß als Trainingseinheit mitgenommen. Einen Tag später startet er in Aalen beim Stadtlauf.

"Noch so ein Verrückter"

Bei den "Superhelden" - 25 Kilo sind hier über zehn Kilometer zu tragen - tritt Michael Walz aus Heilbronn an. Beim City-Triathlon vor vier Wochen hat er nach dem Schwimmen seine Tasche nicht gefunden. Also radelte und rannte er einfach barfuß, und lief so auch Topyürek mit seinem Baumstamm über den Weg. "Der hat gerufen: ,Noch so ein Verrückter!"" Vorbereitet hat er sich unter anderem mit Polstern auf den Schultern. "So geht es vielleicht ohne Blutergüsse." Es geht. Walz gewinnt den Superhelden-Lauf. "Nur der Rücken tut weh."

Die Sanitäter sind weitgehend arbeitslos an diesem Sommer-Samstag. Nur ein Teilnehmer ist am Ziel so geschafft, dass er Hilfe benötigt. Nach Angaben des Deutschen Bundes-Hilfsdienstes brauchte sonst niemand Hilfe.

Der Ehrgeiz ist geweckt

Bei Thomas Rempel und Mykola Tokariev, die beim Herren-Lauf dabei sind, ist der Ehrgeiz geweckt. "Wir haben ein Jahr Zeit, um für das große Holz zu trainieren", sagt Rempel. "Dann gehen wir als erste durchs Ziel." Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass Mehmet Topyürek in der Königsklasse außer Konkurrenz nach 80 Minuten als erster durchs Ziel geht. Bevor er alle abklatscht ruft er verzweifelt: "Wo ist meine Medaille!"

Kasten: Kinderlauf

Es ist ein Spaßlauf auch für Kinder. Die dürfen am Samstagvormittag schon ran, in der Hand ein kleines Holz. Pierre Maier (9) aus Topyüreks Nachbarschaft hat sich fest vorgenommen zu gewinnen. Vierter wird er am Ende und hält stolz die Medaille in der Hand. Der zehnjährige Attila Tanacs geht gleich aufs Ganze. Er startet mit seinem kleineren Holz bei den Männern - und läuft die fünf Kilometer in unter 25 Minuten. 

 

 


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