Verpflichtendes Warnsignal für E-Autos gefordert

Heilbronn  Für blinde und sehbehinderte Menschen stellen E-Autos eine Gefahr dar. Betroffene erklären: Sobald Nebengeräusche wie etwa Wind oder Regen zu hören sind, sind die leisen E-Autos kaum wahrnehmbar.

Von Julia Engelhardt
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Verpflichtendes Warnsignal für E-Autos gefordert
Die Gefahr ist groß. Die meisten der Sehbehinderten bemerken das an ihnen vorbeifahrende Elektroauto nicht. Es hat kein Warnsignal. Foto: Julia Engelhardt

Seit Jahren geben Autohersteller ihr Bestes, Hybrid- und Elektrofahrzeuge so leise wie möglich zu machen. Jetzt wird genau das zum Problem. Nach der bundesweiten Protestaktion des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV) folgte nun die Aktion "Elektrisch fahren tut hörbar gut". Um zu demonstrieren, wie gefährlich Elektroautos ohne Warnsignal für blinde, aber auch ältere, jüngere oder einfach nur unaufmerksame Menschen sind, testet der Bezirksverband Heilbronn der Blinden und Sehbehinderten gemeinsam mit anderen Interessierten die Hörbarkeit von Elektroautos mit und ohne Warnsignal.

Das Avas (Acoustic Vehicle Alerting System) wird im Juli 2021 verpflichtend für alle erstmals zugelassenen Hybrid- und Elektrofahrzeuge. "Deswegen appellieren wir an die Käufer, den Ton schon jetzt mit zu kaufen", sagt Bezirksgruppenleiter Wolfgang Heiler.

Vorbeifahrende E-Autos sind kaum zu hören

Das geräuschlose Gemeinde-Auto von Ilsfeld fährt in einer Seitenstraße am Sonnenbrunnen an der Gruppe vorbei. Beim ersten Durchlauf mit Schrittgeschwindigkeit wird die Gefahr deutlich: Keiner hat mitbekommen, dass der Test schon angefangen hat. Das vorbeifahrende Auto war kaum zu hören.

Nach Versuchen mit einer höheren Geschwindigkeit verbessert sich das Ergebnis kaum. "Ich hab nur Blätter knacken gehört", meint Heiler. Eugen Seidenspinner sagt: "Sobald Nebengeräusche vorhanden sind, wird es kritisch. Selbst für Leute wie mich, die nur schlecht hören."

Wolfgang Heiler fragt sich, wie gut das Fahrzeug noch wahrnehmbar ist, wenn die Wetterbedingungen anders seien. Bei Wind und Regen stehe er manchmal bis zu 20 Minuten an einer Kreuzung, bis er sich traue, über die Straße zu gehen. Die Abrollgeräusche wären unter diesen Bedingungen nicht hörbar, hält er fest. Die beiden Autos fahren mehrmals durch einen Kreisel. Jedes Mal, wenn Heiler ein Fahrzeug vorbeifahren hört, hebt er die Hand. "Wenn man mit einem Schuhbkarren fährt, hört man nicht viel weniger", merkt der Bezirksgruppenleiter an.

Zeigen, dass diese Autos eine Gefahr darstellen

Das E-Auto mit Warnsignal hört er jedes Mal ungefähr fünf Meter früher als das ohne. Für ihn ein eindeutiges Indiz dafür, dass viele Menschen auf Avas angewiesen sein werden. "Wir stehen jetzt da und konzentrieren uns, das ist im Normalfall anders", sagt Heiler weiter.

Letztendlich kam die Gruppe zu dem Schluss, dass ein Warnsignal in allen Hybrid- und Elektro-Autos jetzt schon verpflichtend sein sollte. Für Harald Frech ist die Aktion definitiv gelungen: "Um das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, war das ein weiterer Schritt". Angelika Moser, Vorsitzende des DBSV in Baden-Württemberg, betont, dass die Fahrzeuge eine Gefahr darstellten. Für sie besteht Handlungsbedarf. Jetzt und nicht erst 2021.


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