Vermieter-Frust: Schimmel, Lügen, Sabotage

Region  Sind Mieter mit schuld an der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt? Ein Wohnungsvermittler berichtet über extreme Negativerlebnisse. Er kann die Aussagen über böse Vermieter nicht mehr hören.

Von Carsten Friese
Vermieter-Frust: Schimmel, Lügen, Sabotage

Extreme Schimmelbildung in einem Bad: Dass ein Mieter hier weder den Schaden gemeldet noch etwas unternommen hat, verärgerte Friedhelm Wagner extrem. Fotos: privat

Die angespannte Situation für Wohnungssuchende auf dem Markt und steil ansteigende Immobilienpreise werden zum drängenden Problem. Aussagen über geldgierige, böse Vermieter kann Friedhelm Wagner dabei nicht mehr hören. "Es wird viel vom vermeintlich schwachen Mieter berichtet", sagt der Vertriebsleiter bei der Immobilienfirma Josef Christof in Heilbronn. Die andere Seite der Medaille sei aber auch oft, dass Mieter "keinen Respekt mehr vor dem Eigentum anderer" hätten und teilweise hohe Schäden hinterließen. "Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert", sagt Wagner.

Für Kunden mit Immobilienbesitz vermittelt seine Firma Kauf- und Mietobjekte an Interessenten weiter. "70 Prozent der Mieter", sagt Wagner, "bereiten Probleme." Das fange banal beim Verweigern der Kehrwoche an, obwohl die Pflicht im Vertrag stehe. Spitze Äußerungen, es hänge ja kein Kehrwochenschild im Haus, hat er schon als Ausrede gehört.

Mieter legt gefälschtes Schreiben vor

Vermieter-Frust: Schimmel, Lügen, Sabotage

Ein stark verdreckter Herd mit Ofen kurz vor der Wohnungsübergabe.

Folgenreiche Fälle kann der Immobilienfachmann eine ganze Reihe aufzählen. Ein Mieter mit Familie habe nach sechs Monaten keine Miete mehr gezahlt und am Anfang geäußert, da müsse ein Fehler bei der Bank des Vermieters vorliegen. Es lag keiner vor. Als der Mieter auch Bargeldzahlung verweigerte, riss dem Vermieter der Geduldsfaden.

"Mit einer Axt" sei er zum Haus gegangen, habe gedroht, dass er die Eingangstür seines Eigentums jetzt einschlage, wenn der säumige Mieter nicht verschwinde. In einer Stunde sei die Familie draußen gewesen, so Wagner.

Danach habe er erfahren, dass der Mann auch an der früheren Adresse keine Miete gezahlt habe, also "ein Mietnomade war". Bei der Schufa-Auskunft habe der Mann ein gefälschtes Schreiben vorgelegt. Seitdem bittet Wagner darum, dass er die Auskunft über Zahlungsfähigkeit mit schriftlichem Einverständnis des Interessenten selbst einholen kann − sonst werde eben nicht vermietet.

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Auf den Kosten bleibt der Vermieter sitzen

In einem anderen Fall wollte eine Hausbesitzerin Tochter und Enkeltochter zu sich ins Haus holen, kündigte eine Wohnung wegen Eigenbedarfs. Vor Gericht wies der Richter nach Wagners Angaben die Klage ab − weil der Name der Enkeltochter im Klagetext vergessen worden sei. Die verzweifelte Frau überschrieb das Haus ihrem Sohn. Als der erfuhr, dass der Mieter wohl durch mangelhaftes Lüften Schimmel in der Wohnung hatte, forderte er eine Besichtigung.

"In jedem Zimmer war Schimmel", so Wagner. Es sei ein Schaden von 15.000 Euro gewesen, eine Sanierung aus Gesundheitsgründen notwendig geworden. Am Ende war er "heilfroh, dass der Mieter ohne Prozess draußen war" − auf den Kosten blieb der Vermieter indes sitzen.

Müllhalde im Keller

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Ein zugemüllter Keller mit vielerlei Abfall. Hier zog es Ratten an, sagt Wagner.

In einem Mehrfamilienhaus in Heilbronn war ein Vermieter entsetzt, als er sah, dass seine Mieter im Keller eine Müllhalde angehäuft hatten. Allen möglichen Abfall, auch Essensreste, hätten sie dort in Säcken kreuz und quer gelagert statt zu entsorgen, berichtet Wagner. Große Ratten sah er im Keller.

8000 Euro kostete die Entsorgung mit einem Containerdienst. Die Kaltmieten hätten zwischen 260 und 400 Euro für Ein- bis Dreizimmerwohnungen gelegen. "Das ist doch nicht die Leute über den Tisch gezogen. Dennoch wird man schlecht behandelt." Am Ende habe der Vermieter das Haus frustriert verkauft. Von einem Mieter ist Wagner auch schon bedroht worden. Eines Tages habe er bemerkt, dass jemand Schrauben in die Reifen seines Autos gedreht hatte. Ein Sabotageakt. "Zum Glück hat die Elektronik den Druckverlust angezeigt", blickt Wagner zurück.

Das Bild des bösen Vermieters ist ihm zu einseitig. Man werde von Mietern oft menschlich enttäuscht. Eine freiwillige Mieterselbstauskunft mit Angaben zu Arbeitgeber, Einkommen und vorheriger Wohnanschrift hält er für unerlässlich. Er kümmert sich im Job inzwischen nur noch um Immobilienverkäufe. "Das Leben ist so viel schöner."

Haus & Grund bestätigt negative Entwicklung

Auch Klaus Pfizenmayer, Vorsitzender des Haus- und Grundeigentümervereins Heilbronn und Umgebung, bestätigt einen negativen Trend im Verhalten von Mietern. Vor allem zum Ende der Mietzeit „gibt es bei einem Gutteil der Mietverhältnisse Probleme bei der Übergabe der Wohnung“, teilt Pfizenmayer auf Anfrage mit. Das habe in den letzten Jahren zugenommen.

Der Haus & Grund-Chef nennt vermüllte, dreckige Wohnungen, zurückgelassenes Mobiliar, sanierungsbedürftige Bäder. Gerade in Bädern „erleben wir schlimme Dinge“, man bekomme diese mit Schimmel versport zurück. Bei modernen Kunststofffenstern ohne Luftaustausch nach außen müsse man gut lüften, das erwarte man von Mietern. Oft sei danach eine Sanierung notwendig.

Das Pflicht- und Anstandsgefühl in der Gesellschaft, eine Wohnung in einem zumutbaren Zustand zurückzugeben, habe deutlich abgenommen. Wenn man da verbrannte Erde hinterlasse, „empfinden das viele als nicht so schlimm“. Vermieter könnten Abzüge bei der Kaution machen. Aber darauf müsse man „rechtlich richtig vorbereitet sein“, mahnt Pfizenmayer. 

 

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