Verkehrsministerium zerschlägt Hoffnungen auf ICE für Heilbronn

Heilbronn  Eine Anfrage von Michael Link (FDP) bringt enttäuschende Erkenntnisse: Kein Halt, kein Ausbau der Frankenbahn, keine Perspektive.

Von Christian Gleichauf
ICE für Heilbronn? Verkehrsministerium zerschlägt die Hoffnungen
Ein Intercity wird kommen, allerdings nach Heilbronn frühestens 2028. Inzwischen muss aber auch diese Perspektive mit einem Fragezeichen versehen werden. Foto: dpa

Die Serie von Negativbotschaften in Sachen Fernverkehrsanschluss für Heilbronn reißt nicht ab. Auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Michael Link hat das Bundesverkehrsministerium folgende Punkte klargestellt: Es wird keinen ICE-Halt im nächsten Jahr geben. Mittelfristig gibt es keine Chance für einen Fernverkehrsanschluss in Heilbronn. Und sowohl Bahn als auch Bund haben keine Pläne, die Frankenbahn durchgängig zweispurig auszubauen.

So schnell wie möglich heißt: Ohne Halt in Heilbronn

Vor allem über die Begründung der Antworten ist Link empört. So heißt es in Bezug auf die ICE-Verbindung, die im nächsten Jahr über Heilbronn geführt wird: "Im Sinne einer schnellstmöglichen Verbindung zwischen den beiden Metropolen Berlin und Stuttgart können neben Würzburg keine weiteren Zwischenhalte realisiert werden."

Was die kurz- und mittelfristigen Perspektiven angeht, sieht das Ministerium ebenfalls keine Handlungsoption: "Ein nicht vertakteter Zug" würde die "Kapazitäts- und Pünktlichkeitssituation auf den Bahnstrecken in Baden-Württemberg beeinträchtigen". Von Umleitungen über Heilbronn wären "mehr Reisende negativ betroffen als Nutzer in Heilbronn davon profitieren würden", schreibt der Parlametarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU).

Die Absage ist für Link ein Schlag ins Gesicht

So würden Fahrgäste gegeneinander ausgespielt, anstatt durch ein gutes Angebot mehr Menschen auf die Schiene zu locken, ärgert sich Link. Dass die Bundesregierung mehr als eine halbe Million Menschen nicht an das Fernverkehrsnetz anbinden will, „dürfen wir uns als Region nicht gefallen lassen“, gibt sich der Politiker kämpferisch. Zwar sei klar, dass Heilbronn keine Hochgeschwindigkeitsstrecke bekommen wird. „Doch dass die Bundesregierung auch umsteigefreien Fernverbindungen de facto eine Absage erteilt, ist ein Schlag ins Gesicht einer der dynamischsten Regionen Deutschlands.“

Weiterhin ist die Eingleisigkeit zwischen Züttlingen und Möckmühl eines der vielen Probleme auf der Frankenbahn. Die Weigerung von Bund und Bahn, diesen Abschnitt ausbauen zu wollen, passe zur sonstigen Haltung gegenüber der Region, findet Link. „Wer so ambitionslos vorgeht wie unser Verkehrsministerium, der bringt keinen Verkehr von der Straße und leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz.“

Weitere Anfragen warten auf Antwort

Zuletzt hatte der FDP-Landtagsabgeordnete Nico Weinmann eine kleine Anfrage zu dem Thema an die Landesregierung gestellt. Die Antwort steht noch aus. Ebenso hat Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel einen Brief an Bahn-Vorstand Ronald Pofalla geschickt. Angesichts der Aussagen aus Berlin sind die Chancen wohl gesunken, dass dort anderslautende Antworten zu bekommen sind. „Trotzdem müssen wir weiter kämpfen und nach außen geschlossen auftreten“, sagt Weinmann.

Und zum Schluss noch ein Fragezeichen

Vorerst bleibt die Aussicht auf einen Intercity-Anschluss ab 2028. Allerdings verweist Ferlemann in seiner Stellungnahme darauf, dass dann ein Modell wie auf der Gäubahn vorgesehen sei. Das würde bedeuten, dass das Land einen Teil der Kosten übernimmt. Gegenüber unserer Zeitung hatte das Verkehrsministerium in Stuttgart diese Option zuletzt abgelehnt.


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