VVS-Reform: Wer profitiert - und wer nicht

Region  Im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) greift kommenden Montag die große Tarifreform. Aus 52 Zonen werden fünf Ringe. Viele Fahrten würden günstiger, auch für Bus- und Bahnfahrer aus dem Raum Heilbronn. Das sind die konkreten Auswirkungen.

Von Alexander Hettich
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Im Tarifdschungel des Nahverkehrs ist mächtig Bewegung. Die Stadt Lauffen prüft, sich dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart anzuschließen. Solche Überlegungen gab es schon vor zwei Jahren, jetzt werden sie durch die anstehende VVS-Tarifreform aktueller denn je. Viele Tickets im Raum Stuttgart werden künftig günstiger. Pendler zwischen Lauffen und der Landeshauptstadt könnten profitieren. In Kirchheim am Neckar fürchtet man hingegen, dass künftig noch mehr Pendler aus dem südlichen Landkreis Heilbronn auf den raren Plätzen am Bahnhof parken und dort in den Zug steigen.

In diesem Listicle zeigen wir ein paar Beispiele aus der Praxis. Bahncard und ähnliche Rabatte sind nicht berücksichtigt. Grundlage ist, dass die gültigen Zonentarife nach der für April 2019 anvisierten Reform konstant blieben.

  1. Der Stuttgart-Tourist

    Gelegenheitsfahrer sind in der Regel am günstigsten unterwegs, wenn sie am Bahnhof ihr Fahrtziel in den Automaten tippen. Seit Dezember gilt im ganzen Land der sogenannte BW-Tarif. Er soll Fahrten über Verbundgrenzen attraktiver machen. Die Strecke von Heilbronn nach Stuttgart kostet jetzt nicht mehr 12,90 wie noch vor wenigen Monaten, sondern 9,90 Euro. Und: Die Fahrt vom Stuttgarter Hauptbahnhof zum Fernsehturm oder in die Wilhelma ist schon dabei. Die früher attraktive Stückelung von Verbundtickets bei Einzelfahrten hat dadurch meist ihren Sinn verloren. Ausnahmen gibt es (siehe Punkt 4).

  2. Der Berufspendler aus Heilbronn

    Wohnen in Böckingen, arbeiten im Stuttgarter Westen? Mit Bus und Bahn dauert das im Idealfall 75 Minuten für die einfache Strecke. Die Zeitkarte der DB Monatskarte  kostet 256,10 Euro im Monat, wenn sie als Jahresabo abgeschlossen wird. Hier schlägt die Stunde der Stückler: Wer Abos von HNV (Böckingen bis Kirchheim) und VVS (Kirchheim bis Stuttgart) bucht, zahlt in Summe nur 214,67 monatlich. Das wird so lange gelten, bis der BW-Tarif in einer zweiten Stufe auch für Zeitkarten angeboten wird. 

  3. Der Berufspendler aus Lauffen

    Wer von Lauffen zum Stuttgarter Hauptbahnhof muss, tut dies im Moment wohl mit einem DB-Abo für 191,40 Euro im Monat. Die Neckarstadt liegt außerhalb des VVS-Gebiets. Wäre Lauffen im VVS, was diskutiert wird, würde das entsprechende Verbundabo für die Strecke 139,17 Euro kosten.

  4. Der Urlauber

    Von Weinsberg zum Stuttgarter Flughafen: Da sind Hin- und Rückfahrt am selben Tag eher unwahrscheinlich, das Metropoltagesticket (21 Euro für den ganzen Tag, aber erst ab 9 Uhr) ist also keine Alternative. Mit HNV bis Kirchheim und weiter mit VVS-Handyticket kostet der Zug zum Flug von Montag an zusammen 11,35 Euro. Das ist einer der Fälle, bei denen die Stückelei günstiger ist als der neue BW-Tarif (hier 12,50 Euro). 

  5. Ins Blühende Barock oder zum Job nach Ludwigsburg

    Für Fahrten aus dem Raum Heilbronn nach Ludwigsburg ändert sich durch die VVS-Reform nichts. Gleiches gilt für Pendler nach Ludwigsburg. Dorthin sind es von der VVS-Grenze in Kirchheim vier Zonen. Das ist auch nach der Reform so. 

  6. Innerhalb Stuttgarts unterwegs

    Wer schon in der Landeshauptstadt ist und mal eben zum Musicaltheater nach Möhringen möchte, spart durch die Reform. Weil die beiden Innenstadtzonen zusammengelegt werden, kostet diese Strecke 2,50 statt 2,90 Euro (oder 2,37 statt 2,75 Euro, wenn per Handy gekauft).

  7. Der Unvollendete: BW-Tarif

    Er hat nichts mit den verbundinternen Preisstrukturen von HNV und VVS zu tun, sondern wurde im Dezember im ganzen Land eingeführt. Fahrten über Verbundgrenzen wurden günstiger. Kernelement ist die sogenannte Anschlussmobilität, die Fahrgäste von der City-Option der Deutschen Bahn kennen. In der Zone des Zielbahnhofs ist das Anschlussticket für Bus oder Straßenbahn inklusive. Das gilt auch für die Fahrt vom Startort zum Bahnhof, wenn diese in derselben Zone liegen. Für Zeitkarten wie Pendler-Abos gilt der BW-Tarif allerdings noch nicht.

    Fotos: dpa und Alexander Hettich

     

     

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