Untersteller: GKN II weiter anfällig für Schäden

Neckarwestheim/Stuttgart  Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) erklärt in der Antwort auf eine SPD-Anfrage, dass er weitere Schäden beim Kernkraftwerk Neckarwestheim nicht ausschließe. Bei der jüngsten Revision wurden an 191 Heizrohren Risse festgestellt.

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GKN II wird bis spätestens Ende 2022 endgültig die Stromproduktion einstellen. Foto: Archiv/Veigel

 

Nach den jüngsten Sicherheitsüberprüfungen des Gemeinschaftskernkraftwerks Neckarwestheim (GKN) II hält es das Stuttgarter Umweltministerium für möglich, dass es auch bis zur Stilllegung 2022 noch zu Schäden in dem Reaktor kommen kann.

Umweltminister Untersteller
Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) schließt nicht aus, dass es auch in Zukunft zu Schäden beim Kernkraftwerk in Neckarwestheim kommt. Foto: dpa

In der Antwort auf eine SPD-Landtagsanfrage, die der Heilbronner Stimme vorliegt, schreibt Umweltminister Franz Untersteller (Grüne), es könne „nicht ausgeschlossen werden, dass noch Restverunreinigungen in Konzentrationen vorliegen, aufgrund derer erneut gleichartige Schäden wie in den Revisionen der Jahre 2017 bis 2019 an den Heizrohren auftreten“. Bei einer Revision in diesem Jahr wurden an insgesamt 191 Heizrohren Risse festgestellt. Schon 2018 gab es an zahlreichen Stellen solche Korrosionsschäden.

Mehr als 16 Heizrohre

Das GKN besitzt vier sogenannte Dampferzeuger. Diese haben zusammen mehr als 16 000 Heizrohre, in denen unter hohem Druck radioaktives Reaktorwasser fließt. Ein Leck könnte hier zu einem ernsthaften Störfall führen. Obwohl „Maßnahmen zur Spülung und Reinigung der Dampferzeuger und der daraus resultierenden Reduzierung der Gehalte an korrosionsfördernden Verunreinigungen in den Dampferzeugern“ durchgeführt worden seien, so Untersteller, seien weitere Schäden auch in Zukunft möglich.

SPD warnt vor Korrosionsschäden

SPD-Umweltexpertin Gabi Rolland warnt davor, diese Vorfälle auf die leichte Schulter zu nehmen. „Das Beispiel Neckarwestheim zeigt, dass der Zahn der Zeit durch Korrosion sehr stark die Systeme und Rohrleitungen in einem Atomkraftwerk angreift und schwächt. Und das ist alles andere als beruhigend. Niemand ist in der Lage, zu garantieren, dass nicht erneut Schäden an den Heizrohren auftreten können, so wie das in den vergangenen drei Jahren regelmäßig der Fall war“, erklärt sie gegenüber unserer Zeitung. Zu vermuten sei eher, dass auch bei zukünftigen Revisionen weitere Risse festgestellt würden, die dann repariert werden müssten und zu einer vorübergehenden Stilllegung und damit einer Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit der Kühlsysteme führen würden.

Untersteller hält Sicherheit bis zum Laufzeitende gegeben

In der Antwort auf die Anfrage weist Untersteller nochmals auf die Wichtigkeit der Heizrohre hin. Die seien als „Barriere zur Aktivitätsrückhaltung sicherheitstechnisch bedeutsam“. Trotzdem könne man laut dem Grünen-Politiker davon auszugehen, dass mit dem heutigen Kenntnisstand ein sicherer Betrieb der Dampferzeuger „bis zum gesetzlichen Laufzeitende im Jahr 2022 möglich ist“. Da das Umweltministerium nur für sicherheitstechnische Fragen zuständig sei, könne er nicht beantworten, ob es wirtschaftlich sinnvoll sei, das GKN II noch bis 2022 zu betreiben.


Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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