Unilever verkauft alte Knorr-Verwaltung in Heilbronn

Heilbronn  Unilever hat die Großverbrauchersparte Foodsolutions von Heilbronn nach Hamburg verlagert. Jetzt sucht der Konsumgüterkonzern Käufer für den Verwaltungstrakt der einstigen Knorr-Zentrale in der Heilbronner Südstadt.

Von Manfred Stockburger
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Unilever verkauft alte Knorr-Verwaltung

Der markante Rundbau und die beiden Bürotrakte von Unilever in Heilbronn stehen zum Verkauf. Produktion und Logistik sollen zumindest vorerst an dem Traditionsstandort im Heilbronner Süden bleiben.

Foto: Andreas Veigel

Unilever macht zurzeit mehr mit Umzügen Schlagzeilen als mit Knorr-Suppen: Seit dieser Woche hat die Großverbrauchersparte Foodsolutions ihren Sitz nicht mehr in Heilbronn, sondern in Hamburg. Die neuen Büros in der dortigen Deutschlandzentrale des Konsumgüterkonzerns waren frei geworden, als das Unternehmen seine Margarinesparte verkaufte.

Nächster Tiefschlag

Für den Knorr-Heimatstandort Heilbronn war diese Nachricht vergangenes Jahr ein weiterer Tiefschlag, nachdem der Konzern bereits den Umzug der Entwickler nach Holland beschlossen hatte. Kaum sind die Heilbronner - nur ein kleiner Teil der 80 Betroffenen gingen tatsächlich mit - in die Nobeladresse in Hamburg eingezogen, kommt der nächste Umzug ins Spiel: Mitte 2020 kehrt Unilever dem 2009 bezogenen Haus mit Elbblick den Rücken, weil es durch zahlreiche Umstrukturierungen und Verkäufe von Geschäftsfeldern zu groß geworden ist.

Laut "Hamburger Abendblatt" ist die Belegschaft der Zentrale im Lauf des letzten Jahrzehnts von 1150 auf 700 geschrumpft. Die verbliebenen Mitarbeiter - einschließlich der Zuzügler aus Heilbronn - ziehen also in die Neue Burg um, ein spektakuläres Neubauprojekt mitten in der Hamburger Altstadt. Aus der Nachbarschaft der Elbphilharmonie wechselt die Verwaltung nun neben die alte Nikolaikirche, deren Ruine als Mahnmal an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg erinnert.

In Heilbronn stehen Gebäudeteile leer

Unilever verkauft alte Knorr-Verwaltung

Das derzeitige Unilever-Haus in Hamburg gehört direkt an der Elbe zu den besten Adressen in der Hansestadt. Bald rücken wieder die Umzugswagen an.

Foto: ChristianSchd (CC BY-SA)

Auch in Heilbronn beschäftigt der Konsumgüterkonzern einen Immobilienmakler: Der Verwaltungstrakt der einstigen Knorr-Zentrale soll verkauft werden - sowohl für den älteren Flügel entlang der Sontheimer Straße als auch für den jüngeren Bau in der Knorrstraße sucht das Unternehmen neue Eigentümer, wie Unilever-Sprecher Konstantin Bark der Heilbronner Stimme sagte. Der Konzern hatte die Knorr-Immobilien im Jahr 2000 zusammen mit dem Unternehmen erworben, ein Teil steht seitdem leer. Die Produktionshallen und das Hochregallager sollen allerdings nicht verkauft werden.

Bei der Belegschaft stößt diese Nachricht auf ein gemischtes Echo, wie Betriebsrats-Vize Frank Meckes sagt. Die Abstufung der alten Hauptverwaltung zum bloßen Werk wird durch den geplanten Verkauf zwar zementiert, gleichzeitig sinken dadurch aber die Fixkosten des Standorts, was die betriebswirtschaftliche Lage der Knorr-Fabrik verbessert. "Wir träumen davon, dass ein Teil des Verkaufserlöses wieder in Heilbronn investiert wird", sagt Frank Meckes am Rande der Jahreshauptversammlung der regionalen Gewerkschaft NGG. "Das wäre eine Stärkung für den Standort."

Der Neubau für die Entwickler in Wageningen wird allerdings nicht so schnell fertig wie gedacht. Eigentlich sollte die Verlagerung zur Jahresmitte angeschlossen sein - im Juni folgt deswegen die nächste große Kündigungswelle, weil nur ein Bruchteil der Forschungsköche mit nach Holland geht. Jetzt werde sich der Umzug verzögern, sagt der Betriebsrat. Mitarbeiter, die noch keine neue Stelle gefunden haben, könnten davon profitieren. Meckes beklagt einen "Stillstand bei den Innovationen", sei die Entscheidung zur Verlagerung der Abteilung getroffen wurde.

Xing freut sich

Ein Profiteur der Immobiliengeschäfte und Verlagerungen in der Unilever-Welt ist das Karriereportal Xing. Einerseits, weil sich dort zahlreiche ehemalige Knorr-Beschäftigte nach neuen Aufgaben umschauen. Und andererseits, weil die Xing SE die bisherige Unilever-Hauptverwaltung übernehmen wird. Das 2003 gegründete Unternehmen ist inzwischen auf mehr als 1000 Beschäftigte gewachsen. Sie werden künftig vom Schreibtisch aus den Blick auf die Elbe genießen.

 

 

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