Unbekannte schikanieren Schäfer

Löwenstein  Immer wieder passiert es, dass die Herde von Lukas Körner ausbüxt. Unbekannte lassen die Tiere, die in Löwenstein weiden, einfach frei. Meist treiben sie nachts ihr Unwesen.

Von Heike Kinkopf

Unbekannte schikanieren Schäfer

250 Muttertiere und knapp 70 Lämmer hütet Lukas Körner in Löwenstein unter anderem beim Bleichsee. Foto: Heike Kinkopf

 

Lukas Körner hütet Schafe von Kindesbeinen an. Das Hobby aus Jugendzeiten macht er zum Beruf. Die Tiere des 21-Jährigen beweiden rund 40 Hektar in Löwenstein. Das scheint nicht jedem zu gefallen. Unbekannte lassen die eingezäunte Herde immer wieder frei. Der oder die Täter treiben meistens nachts ihr Unwesen. Die Polizei ermittelt.

Einige Autofahrer erinnern sich. Sie standen in den vergangenen Wochen und Monaten bei Löwenstein zuweilen im Stau. Schafe waren ausgebüxt und mussten eingefangen werden. Was von Autofahrern Geduld erfordert, ist für Lukas Körner Nervenanspannung pur. Dem gelernten Forstwirt gehören die Tiere. Er treibt die Herde wieder zusammen, wenn Unbekannte den Weidezaun niedertrampeln, aufrollen oder aufschneiden. "Es belastet mich. Ganz klar", sagt er. "Wenn ich sie den ganzen Tag gehütet und gefüttert habe, heimfahre und nicht weiß, ob sie die Nacht drin bleiben."

Polizei kann wenig tun

Die Polizei kennt die Probleme. Sie weiß von zwölf Fällen seit April. "Schafe auf der Straße" steht zum Beispiel im Einsatzbericht. "Bislang ist kein Schaden entstanden", sagt Polizeisprecher Frank Belz. Unfälle haben die frei laufenden Tiere noch keine verursacht. Einmal suchten sie den örtlichen Friedhof heim und zerstörten Gräber.

"Offensichtlich sind die Schafe jemandem ein Dorn im Auge", meint Belz. Die Polizei könne jedoch nicht nachts die Herde bewachen. An diesem Freitag erstattet Körner Anzeige wegen Sachbeschädigung. Der durchgeschnittene Weidezaun ist nun Fall Nummer 13. Zum Ärger und zur zusätzlichen Arbeit kommt die Sorge, dass die Tiere für andere gefährlich werden könnten. "Schafe auf der B39. Wenn da ein Motorradfahrer zu Tode kommt", sagt Vater Matthias Körner und schüttelt den Kopf. "Das muss aufhören."

Niemanden verdächtigen

Wildkameras sind den Körners zufolge installiert, die Zäune führten Strom. Der Vater legt sich ab und zu auf die Lauer, der Sohn übernachtet eine Woche lang draußen bei den Tieren. Bisher schreckt es den oder die Unbekannten nicht. "Ich will niemanden verdächtigen", sagt Lukas Körner. Weder mit anderen Schäfern noch mit Menschen im privaten Umfeld gebe es Streit. "Ich bin mit Schafen aufgewachsen", erzählt er. Der Onkel sei Schäfer in Ilsfeld. Ein Jahr lang habe er in einer Schäferei gearbeitet, bevor er im Mai 2017 die Herde übernahm.

Die Bedeutung von Schafweiden skizziert Bettina Kluding. "Es geht um die Offenhaltung unserer Kulturlandschaft, sonst wächst sie zu", sagt die Geschäftsführerin des Landschaftserhaltungsverbands im Kreis Heilbronn. Die Artenvielfalt auf Wiesen und Weiden sei in Wäldern nicht anzutreffen. Viele Flächen ließen sich maschinell offenhalten, Schafe böten aber nicht nur ein "idyllisches Bild". Sie transportierten Samen von Fläche zu Fläche und tragen so zum Erhalt vieler Arten bei. Außerdem stamme das Fleisch der geschlachteten Tiere nicht aus der Massentierhaltung und werde regional produziert.

Artenvielfalt schützen

"Wir haben hier Kräuter, die gibt es woanders nicht mehr", sagt Lukas Körner. Er lässt sich nicht entmutigen. "Ich mache auf jeden Fall weiter." Er plant das Angebot "Ein Tag mit dem Schäfer", bei dem Interessierte ihm bei der Arbeit über die Schulter schauen. "Ich möchte, dass es den Menschen bewusst wird, dass es uns Schäfer gibt, die auch im Jahr 2018 unterwegs sind."

Landschaft pflegen

Damit unwirtschaftliche Flächen nicht verwildern, schließt der Landschaftserhaltungsverband (LER) Verträge mit Land- und Forstwirten, Schäfern, Maschinenringen, Naturschutzverbänden und Privatpersonen über die Pflege ab. Im Landkreis Heilbronn gibt es rund 20 Vertragspartner, die zusammen etwa 155 Hektar beweiden, sagt Geschäftsführerin Bettina Kluding. Darunter befinden sich viele Koppelschäfer, mit wenigen Tieren.