Umweltverbände fordern nach Schozach-Giftunfall Konsequenzen

Ilsfeld  Nach dem Verenden zahlreicher Fische und Wasservögel in der Schozach fordern Naturschützer eine bessere Kontrolle der Abwassersysteme von Firmen. Außerdem bezweifeln sie die angegebene Menge an Giftstoffen.

Von Alexander Klug
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Die Reinigungsarbeiten nach dem massiven Fischsterben durch Chemikalien in der Schozach am Donnerstag laufen. Nun fordert der Regionalverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), dass die Behörden Betriebe, die mit wassergefährdenden Stoffen umgehen, besser überprüfen und überwachen. Außerdem müsse ein Gewässerentwicklungsplan erstellt werden, mahnt Regionalgeschäftsführer Gottfried May-Stürmer an. Der Plan solle insbesondere die vorhandenen Mängel und die Wasserqualität dokumentieren sowie Risiken aufzeigen.

Die Alkoholarten, die das Fischsterben verursacht haben, könnten laut May-Stürmer langfristig schädliche Wirkungen auf Gewässer-Ökosysteme haben. Die Chemikalien sind laut dem mit der Untersuchung betreuten Ingenieur an der Kanalisation vorbei in den Bach geflossen. „Betriebe, die mit wassergefährdenden Stoffen umgehen, müssen ausreichend große Auffangvorrichtungen haben, so dass diese auch bei Unfällen nicht in Gewässer gelangen können“, stellt Gottfried May-Stürmer klar. „Ein Rohr oder Graben, die an der Kläranlage vorbei in Gewässer führen, ist schlichtweg kriminell“.

Kritik kommt auch vom NABU

Nach dem BUND legt auch der Sprecher des Naturschutzbund-Kreisverbands Heilbronn (NABU), Alfred Monninger, nach. Denn aus seiner Sicht seien noch einige Fragen unbeantwortet: So sei nach wie vor unklar, wer zu welchem Zeitpunkt von dem Vorfall wusste. Der NABU zweifelt zudem die angegebene Menge an Giftstoffen an und stellt die Frage, welche Verunreinigungen in der Vergangenheit diesen Weg vom Betriebsgelände in den Bach gegangen sind. Politik und Genehmigungsbehörden seien gefragt, einen weiteren „Supergau“ in den Gewässern der Region zu verhindern. „Die Behörden müssen so mit Personal ausgestattet werden, dass sie den ihnen gestellten Kontrollaufgaben im Umweltbereich  nachkommen können“, fordert Alfred Monninger.

Kanäle werden mit Hochdruck gespült

Vier Tage nach der Umwelt-Katastrophe durch Giftstoffe, die vom Gelände der Spedition Kühne und Nagel in Gruppenbach und Schozach geflossen sind, sind Behörden und ein Unternehmen mit der Beseitigung der Schäden beschäftigt. Am Samstag untersuchten und spülten Mitarbeiter der Kanalreinigungsfirma Lebküchner aus Leingarten abschnittsweise die Rohre zwischen Spedition und Bach. Auch Landratsamts-Mitarbeiter waren vor Ort, um die Situation und die Arbeiten zu beobachten. Am Dienstag habe es laut Angaben von Spedition und Landratsamt einen Vorfall gegeben, bei dem verschiedene Alkohole ausgelaufen sind. Am Donnerstag war es in der Folge auf dem Schozach-Abschnitt zwischen Ilsfeld und Heilbronn zu einem massiven Fischsterben gekommen.

Ganz unkompliziert ist die Reinigung der Kanäle unter Spedition und Straßen nicht. "Es gibt einen Plan, aber wir untersuchen trotzdem, welchen Weg das Wasser genau nimmt", sagt Frank Hütter vom Sachgebiet Gewässer- und Bodenschutz im Heilbronner Landratsamt. Die Sofortmaßnahmen auf und unter dem Firmengelände seien für den Moment abgeschlossen, jetzt stehe noch das Stück bis zur Schozach auf dem Plan. "Und ab Montag schauen wir dann, was baulich getan werden muss."

Hütter erinnert die Szenerie an die Ereignisse an der Jagst im August 2015. Auch dort floss verunreinigtes Wasser in den Fluss, Tausende Fische starben - und auch damals war Frank Hütter mit der technischen Leitung seitens des Landratsamts betraut. "Nur handelt es sich bei der Jagst um einen größeren Fluss, weswegen die Dimensionen noch größer waren."

Durch jeden Kanalabschnitt wird Wasser gepumpt

Zusammen mit sechs Kollegen ist Heribert Winandy für das Kanalreinigungsunternehmen Lebküchner nach Ilsfeld gekommen. Aus einem von zwei großen Fahrzeugen pumpen sie Wasser durch jeden Kanalabschnitt, um das Wasser ein paar Meter weiter über einen anderen Schacht wieder abzupumpen. 200 Liter Wasser schießen pro Minute durch die Rohre, mit 80 bis 100 Bar Druck - zum Vergleich: Die Trinkwasserversorgung in einem Wohnhaus funktioniert mit sechs bis acht Bar. "Noch darf auf diesem Weg nichts in den Gruppenbach fließen", sagt Winandy. Am Ende des Tages soll aber ein Zustand erreicht sein, dass der reguläre Abfluss wieder möglich ist.

Dass zwischen dem Vorfall am Dienstag und dem Fischsterben durch die Giftstoffe einige Zeit lag, erscheint Frank Jung plausibel. "Die Chemikalien sind nicht einfach in den Fluss durchgelaufen, es musste Regen dazukommen", erläutert der beim Unternehmen I-motion angestellte Tiefbauingenieur. Die Firma untersucht im Auftrag der Gemeinde die Umstände des Unglücks. Für ihn ist klar, dass neben dem Auslaufen der Stoffe bauliche Fehler im Rohrsystem der Spedition zur Verunreinigung des Gewässers geführt haben. Ob es einen sogenannten Havarieplan gab oder ob ein bestehender Plan nicht angewendet wurde, könne er nicht sagen.

Wenn Gifte in die Kläranlage gelangen, können sie schwere Schäden verursachen

Dass Chemikalien auf direktem Weg in einen nahen Fluss abfließen, sei ein untragbarer Zustand - doch auch, wenn Gifte in die Kläranlage gelangten, könnten sie schwere Schäden verursachen, führt Frank Jung aus. "Wenn die Bakterien, die in den Klärbecken das Abwasser säubern, sterben, fließt das Abwasser ungeklärt in den Fluss." Messungen hätten bisher aber keine Auffälligkeiten ergeben. "Wir warten aber noch auf ausführliche Ergebnisse von Wasserproben."

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