Trotz Annäherungsverbots schlägt Mann auf Ex-Partnerin ein

Heilbronn  Auf Antrag der Heilbronner Staatsanwaltschaft ist Haftbefehl gegen einen 28-jährigen Mann erlassen worden. Trotz eines Annäherungsverbots fügte er seiner früheren Lebensgefährtin und Mutter seiner Kinder eine Platzwunde zu. Es war nicht das erste Mal.

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Obwohl der 28-jährige Vater ihrer Kinder bereits ein sogenanntes Annäherungsverbot auferlegt bekam und es einen gerichtlichen Beschluss dazu gibt, ist eine 39-jährige Frau und Mutter aus Heilbronn in den vergangenen Tagen und Wochen bedroht worden. "Ich habe den Polizisten gesagt: Wenn sie das nächste Mal kommen, ist eine Leiche dabei", sagt sie.

Am Samstag kam es zu einer Auseinandersetzung und der Mann, der polizeibekannt ist und in der Vergangenheit schon sehr häufig mit dem Gesetz in Konflikt kam, soll die Frau mehrmals mit einem Regenschirm auf den Kopf geschlagen haben. Dadurch soll sie eine Platzwunde erlitten haben. Erst vor zwei Wochen soll er der Frau frontal ins Gesicht geschlagen haben. Sie blutete stark und ihre Nase schwoll an, ein Attest des SLK-Klinikums liegt unserer Redaktion vor.

Der Mann saß bereits wegen Misshandlung seines Sohnes in Haft

Inzwischen ist das gerichtliche Annäherungsverbot überflüssig. Der 28-Jährige befindet sich nun in Untersuchungshaft. Das bestätigt die Heilbronner Staatsanwaltschaft. Der aktuelle Vorfall "erfüllt den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung", sagt Bettina Jörg, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Justizbehörden sehen eine Fluchtgefahr gegeben, weil der Beschuldigte unlängst einer Hauptverhandlung beim Heilbronner Amtsgericht unentschuldigt ferngeblieben ist. Staatsanwältin Bettina Jörg: "Da der Beschuldigte nach der neuen Tat mit eine erheblichen, möglicherweise nicht mehr bewährungsfähigen Freiheitsstrafe zu rechnen hat, besteht noch mehr die Befürchtung, dass er als türkischer Staatsangehöriger in die Türkei fliehen könnte."

Der Mann saß bereits in der Vergangenheit ein - unter anderem wegen Betrugs, Waffenbesitzes, Körperverletzungen und vor allem: Misshandlung von Schutzbefohlenen. Er hatte seinem eineinhalbjährigen Sohn mit Schlägen ins Gesicht schwere Verletzungen zugefügt. Das Kleinkind musste im Krankenhaus behandelt werden. Dem Vater wurden weitere Misshandlungen seiner Kinder vorgeworfen. Nachdem er wieder in Freiheit war, setzten er und die heute 39-Jährige ihre Beziehung zueinander fort. Sie bekamen weitere Kinder zusammen.

Staatsanwaltschaft kann erst repressiv reagieren

Die Staatsanwaltschaft habe nicht die Möglichkeit, präventiv tätig zu werden, sagt Bettina Jörg. "Sie kann erst repressiv mit Haft reagieren." Solange ein Beschuldigter nicht mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe rechnen müsse, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt wird, sei eine Fluchtgefahr schwer zu begründen.

Eine Wiederholungsgefahr als Haftgrund könne im Falle einer gefährlichen Körperverletzung erst angenommen werden, wenn der Beschuldigte wiederholt eine schwerwiegende Tat begehe - und die Gefahr bestehe, dass er weitere ähnliche Strafttaten begehe. "Bevor das Opfer durch das Inhaftieren des Täters geschützt werden kann, müssen präventiv Maßnahmen ergriffen werden", erklärt Bettina Jörg weiter. Diese lägen außerhalb der Zuständigkeit der Strafverfolgungsbehörden.

Und, wie Bettina Jörg ergänzt: "Das Opfer muss sich auch selbst vom Täter fernhalten, was gerade bei Gewalt in Beziehungen oft nicht der Fall ist." Die betroffene Mutter berichtet, sie habe einen Umzug in ein Frauenhaus ausgeschlossen. Sie wolle die Kinder nicht aus ihrem Umfeld herausreißen.


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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