Traumhafte Aussicht bei neuer Mountainbike-Tour

Obersulm  Die nächste Trailstrecke des Heilbronner Mountainbike-Netzes ist fertig. Wer die Anstiege ins Eschenauer "Paradies" bezwingt, hat tolle Aussichten und einige Single-Trails vor sich.

Von Sabine Friedrich

Traumhafte Aussicht bei Paradies-Tour

Es gibt zwei anstrengende Anstiege, die Kirschenallee hinauf ins Eschenauer "Paradies" und nach Löwenstein. Wer diese geschafft hat, wird belohnt: mit einer traumhaften Aussicht ins Sulm- und Weinsberger Tal bis nach Heilbronn.

Genauso abwechslungsreich wie die Landschaft ist die Tour 3 des neuen Mountainbike-Netzes in der Region Heilbronn. Sie geht ein kleines Stück am Breitenauer See entlang, führt große Teile durch Wälder und passiert Weinberge. Die "Paradies-Tour" auf Obersulmer und Löwensteiner Gemarkung wird jetzt als vierte der sechs Routen eröffnet. Das Besondere: Das Evangelische Paul-Distelbarth-Gymnasium Obersulm hat die Patenschaft inne.

Schüler kontrollieren die Strecke regelmäßig

Und zwar im Rahmen des Nachhaltigkeitsprojekts in Klasse zehn. Schulpark, Apfelsaftproduktion oder Mountainbike-Tour: Lara Sembach hat sich für Letzteres entschieden. "Ich fahre jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Schule", begründet die 16-jährige Sülzbacherin ihre Wahl. "Ich finde es schön, in die Natur zu kommen und das mit sportlicher Aktivität zu verbinden", ist für Linus Leyser die Motivation.

Im Frühjahr 2017 haben die damaligen Zehntklässler die etwa 100 Schilder der vom Landratsamt Heilbronn und der Interessengemeinschaft Verantwortliches Biken konzipierten Tour an Bäume oder Pfosten geklebt. Die 13 aktuellen Zehntklässler sind für monatliche Kontrollfahrten eingeteilt.

"Sie sehen nach, ob alle Schilder noch vorhanden sind, ob Äste den Weg versperren und wie die Wegbeschaffenheit ist", beschreibt Lehrerin Johanna Walter, die mit ihrer Kollegin Johanna Wetzel das Projekt betreut, die Aufgaben.

Leichtere Strecke, aber bessere Aussicht

"Die Schüler lernen, mit der Natur verantwortungsbewusst umzugehen." Und sie erfahren, dass die Interessen von Spaziergängern, Waldbesitzern und Mountainbikern konkurrieren, fügt Wetzel hinzu. Remo Fuchs, Büroleiter des Kreisforstamts Heilbronn, ist "ganz happy", dass die Gymnasiasten sich engagieren. Denn im Sulmtal gebe es keine Mountainbike-Gruppe für die Patenschaft.

Ein Fahrrad und ein bisschen Kondition müssen die Schüler mitbringen. Wetzel stuft die Paradies-Tour vom Technischen her leichter ein als die Stadtwaldrunde Heilbronn und die Salzweg-Tour, die einen deutlich höheren Trailanteil hätten. Dafür punkte Tour 3, die als "mittelschwer" ausgezeichnet ist, mit der Aussicht. Fuchs empfiehlt Anfängern, den engen, steilen Anstieg zwischen Enzwiese und Friedrichshof auszulassen.

Mehrere Einstiege in die Strecke sind möglich

Traumhafte Aussicht bei Paradies-Tour

Ganz auf schmale Pfade querfeldein muss der Geländeradler nicht verzichten. Beim Friedrichshof kann er einen Single-Trail als Extraschleife von 3,5 Kilometern mit 150 Höhenmetern bewältigen. "Der ist recht schwierig", gibt Französisch- und Musiklehrerin Wetzel zu. Dazu müsse man ein gefedertes Rad unter dem Sattel haben. Und wenn ein Ast den Reifen in die Quere kommt, heißt es einfach: Gewicht verlagern.

"Man kann an verschiedenen Stellen einsteigen", sagt Wetzel. Ideale Ausgangspunkte mit Parktplätzen sind der Friedhof Weiler, der Friedrichshof oder die Löwensteiner Aussichtsplatte. "Es ist ein sehr verschlungener Pfad, und dann erscheint die Burg wie aus dem Nichts vor den Augen", beschreibt Wetzel den nächsten Abschnitt.

"Das ist ein Gewinn für die Region"

Die letzte Etappe bergab durch die Weinberge zum Breitenauer See ist der Lieblingsabschnitt von Nils Waldmann (16) aus Lehrensteinsfeld. Klassenkamerad Mahmoud Slim aus Öhringen schwärmt von der Strecke und der guten Luft.

Und dann sprechen die Jugendlichen vom Adrenalin-Kick beim Trail. Mahmoud liebt es, "off road" zu fahren. "Es ist zwar ein bisschen gefährlich, wenn man zu viel Gas gibt. Aber man kann seinen Frust raus lassen", meint er. "Es bringt die Leute dazu, rauszugehen. Das ist ein Gewinn für die Region", begrüßt Jesse Harenkampf aus Affaltrach das Trailnetz.

Bei Streckenkontrollen und Pflege will es das Distelbarth-Gymnasium nicht belassen. Im ?Sommer soll im Rahmen der Projektwoche eine Infotafel entworfen und aufgestellt werden. Damit sich jeder vorab einen visuellen Eindruck verschaffen kann, wollen die Zehner ein Video über die Strecke drehen.

 

Einweihung der neuen Strecke

Die Eröffnung der Strecke ist am Donnerstag, 26. April, um 15 Uhr am Paul-Distelbarth-Gymnasium in Affaltrach. Man kann anschließend mit Schülern Teile der Strecke abfahren. Am 13. Mai wird die "Hochoben-Tour" am Finsterroter See eröffnet. Infos zu den Touren unter: www.landkreis-heilbronn.de und www. outdooractive.com.

 

Kritik von Anwohnern an der Strecke hält sich in Grenzen

Einzelne Beschwerden, viel positive Resonanz

Der schönste Panoramapfad von Obersulm werde von Mountainbikern beherrscht, kritisierte ein Einwohner, der Spaziergänger und Wanderer von den Radlern gestört sieht. "Klagen haben wir immer wieder", sagt Remo Fuchs, Büroleiter des Kreisforstamtes Heilbronn, das mit der Interessengemeinschaft Verantwortliches Biken das Streckennetz konzipiert hat.

Da gebe es Waldbesitzer, die nicht wollten, dass durch ihr Eigentum gefahren werde, oder einzelne Jäger, die am liebsten überhaupt keine Leute im Wald haben wollten.

"Wir haben mehr Gegenwind erwartet"

Bislang seien nur wenige Rückmeldungen von Wanderern und Spaziergängern eingegangen, nachdem sie auf den Routen nun Wege mit Mountainbikern teilen müssen. "Wir haben mehr Gegenwind erwartet", sagt Fuchs und ist froh, dass dieser dem Projekt nicht entgegen bläst.

"Das Programm heißt ,gemeinsam Natur erleben". Unter diesem Titel können sich die meisten wiederfinden", meint er. "Man kommt gut aneinander vorbei, wenn man eine positive Einstellung hat und sich klar macht: ,Ich bin nicht der Einzige, der unterwegs ist, sondern es gibt auch noch andere Interessenten." Fuchs freut sich über die "durchweg positive" überregionale Resonanz auf das Mountainbike-Streckennetz.

 


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