Touristin rüffelt strenge Ordnungssheriffs in Heilbronn

Heilbronn  Eine Münchnerin kritisiert ein ihrer Ansicht nach schroffes Verhalten und eine sofortige Anzeige, weil ihr Hund am Neckar nicht angeleint war. Das Ordnungsamt erklärt das Vorgehen und verweist auf viele Anzeigen von Bügern, weil Hunde verbotenerweise frei herumlaufen.

Von Carsten Friese

Touristin rüffelt strenge Ordnungssheriffs in Buga-Stadt

Wo muss ein Hund in Heilbronn an die Leine? Es gibt viele Vorgaben für Hundebesitzer. Eine Touristin versteht nicht, warum sie angezeigt wurde.

Foto : Mario Berger

Die Wortwahl im Brief ist direkt und kritisch, eine Heilbronn-Besucherin stellt den Ordnungssheriffs der Stadt zu Zeiten der Bundesgartenschau nach einem Erlebnis am Neckar kein gutes Zeugnis aus. "Liebe Stadt Heilbronn, so sollte man seine Gäste nicht behandeln", schreibt die Münchnerin Gabi R. in einer Mail an die Stimme.

Sie ist sauer, weil sie ihren Labrador am Neckarufer nahe der Rosenbergbrücke ohne Leine laufen ließ und plötzlich von zwei Uniformierten relativ barsch angesprochen worden sei. "Nichtsahnend" habe sie eine Anzeige kassiert, da in München Hunde "fast überall frei laufen dürfen, an der Isar sowieso".

Heftiger Vorwurf: Die Stadt habe "abkassiert", findet die Touristin

Die Frau schildert, wie zwei Polizeibehördenmitarbeiter in Uniform auf Segways sie mit ihrem Hund gefilmt und dann "Nehmen Sie ihren Hund an die Leine" gerufen hätten. Sie habe diesen zu sich gerufen, ihn angeleint, doch dann hätten die Ordnungshüter ihren Ausweis verlangt. Es sei "weit und breit kein Mensch und keine Ente" gewesen, versichert sie. Was sie verbrochen habe und dass sie ja nicht wissen könne, dass man Hunde hier anleinen muss, habe sie geäußert.

Auf ihre Frage, ob man es bei einer Heilbronn-Besucherin, die kaum alle städtischen Verordnungen vorher lese, zur Zeit der Buga mit einer Ermahnung belassen könne, habe sie keine Antwort erhalten. Und auf die Frage, was sie "der Spaß kostet", hätten die Uniformierten nur gesagt, sie würde alles schriftlich bekommen. "Wie kann sich die Stadt Heilbronn so was erlauben und die Gäste so abkassieren?", fragt Gabi R.. Eine Belehrung oder die Übergabe eines Merkblatts zur Anleinpflicht "hätte doch auch gereicht". Kein nettes Wort habe sie jedoch bei der Begegnung mit den Männern in Uniform gehört.

Die Stadt verteidigt die Anzeige: Die Hundebesitzerin habe sich nicht einsichtig gezeigt

Ein überzogenes Vorgehen? Auf Nachfrage beim Ordnungsamt erklärt Leiterin Dorothea Grigore, dass Bürger sich oft über nicht angeleinte Hunde beschwerten. Im Jahr 2018 habe es 54 Anzeigen gegeben, in diesen Jahr bereits 33. Eine Ahndung von Verstößen "wird allgemein erwartet". Vor allem Eltern kleinerer Kinder machten sich bei großen Hunden Sorgen. Die Ordnungsdienstmitarbeiter seien "explizit auf den Umgang mit Konflitksituationen geschult und für ein freundliches, hilfsbereites Auftreten im Buga-Jahr "nochmals sensibilisiert" worden.

Man könne situationsbedingt im Einzelfall eine mündliche Verwarnung aussprechen, wenn es sich zum Beispiel um kleine Hunde von Kindern handele oder um Hundehalter, die sich einsichtig zeigen, betont Grigore. "Dies war bei der zugrundeliegenden Kontrolle nicht der Fall." Und: Man könne zur Zeit der Buga auch nicht zulassen, dass ein rechtsfreier Raum "eingeräumt werden kann". Zumal die Polizeiverordnung der Stadt München "ähnliche Verpflichtungen zum Anleinen für Hunde" wie die Regelungen der Stadt Heilbronn habe (siehe Hintergrund). An der Isar aber, belegen Presseberichte, gibt es keine allgemeine Leinenpflicht.

In Heilbronn kostet ein Verstoß gegen die Anleinpflicht in der Regel 50 Euro Verwarngeld.

Anleinpflicht

Die Heilbronner Polizeiverordnung zur Anleinpflicht orientiert sich an der Musterverordnung des Städtetages Baden-Württemberg. Dort ist geregelt: Im Innenbereich (§ 30-34 Baugesetzbuch) sind Hunde sicher an der Leine zu führen: 1. auf öffentlichen Straßen, 2. in öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen, 3. auf Märkten, 4. an Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, 5. bei öffentlichen Menschenansammlungen, Volksfesten und sonstigen Veranstaltungen mit Menschenansammlungen sowie 6. in besonders ausgeschilderten Bereichen. Von der Leinenpflicht sind Blindenführ- und Behindertenbegleithunde ausgenommen.

 

 


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