Tourismusziele wollen mit dem A6-Boulevard ihre Bekanntheit steigern

Heilbronn  Experimenta, Klima-Arena, Salzbergwerk und Badewelt verbrüdern sich: Attraktive Tourismusziele von Hockenheim bis Heilbronn wollen mit dem A6-Boulevard künftig noch mehr Besucher anlocken. Der Name hat derzeit aber ein Imageproblem.

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Schulterschluss der Schwergewichte

Weihen die Werbesäule ein (v. li.): Timo Künzel (Rappsodie), Stephan Roth (Badewelt), Tina Gutberlet (Hockenheimring) , Alfred Ehrhard (Klima-Arena), Svenja Krauskopf (Salzbergwerk), Bärbel Renner (Experimenta), Daniel Roscheinsky (Bikini-Art-Museum), Thomas Aurich (Neckarmeile), Helmut Fischer (Tripsdrill).

Foto: Ekkehart Nupnau

Sie buhlen alle um die Gunst von Besuchern in der Region, sind irgendwo auch Konkurrenten. Doch jetzt haben neun attraktive Tourismusziele zwischen Hockenheim und Heilbronn Grenzen überwunden und sich in einem neuen Verbund zusammengetan: "A6-Boulevard" heißt die Werbegemeinschaft, in der jeder an seinem Standort auch für die anderen Werbung machen will, um die Region zu stärken. Motto: Gemeinsam können wir mehr erreichen.

In der Heilbronner Experimenta stellten die neun Teilnehmer - vom Hockenheimring über Klima-Arena und Badewelt Sinsheim, Rappsodie und Bikini-Art-Museum Bad Rappenau, Experimenta, Salzbergwerk Bad Friedrichshall und Gastro-Neckarmeile Heilbronn - gestern die Grundzüge des Verbunds vor.

Mehr Besucher als die Museumsinsel in Berlin

"Neun Besuchermagnete auf 50 Kilometern" - so lautet der Slogan, der auf einer mehr als zwei Meter hohen Werbesäule prangt. Man habe zusammen im Jahr bisher über vier Millionen Besucher - eine Million mehr als die Berliner Museumsinsel, verdeutlichte Daniel Roscheinsky die Schlagkraft. Der Geschäftsführer der Firma 24-Autobahn-Raststätten und des Bikini-Art-Museums war Ideengeber der neuen Marketing-Union. Besucher wüssten zu wenig, wie viele "Mega-Attraktionen" es auf kurzer Distanz in der Region gebe, verdeutlichte er. Man müsse den Gästen einen Mehrfachbesuch schmackhaft machen - "dann bleiben sie auch zwei Tage statt nur einem. Und die ganze Region profitiert."

Mit dem Titel A6-Boulevard habe man einen unverbrauchten Namen gefunden, der Weltoffenheit, Abwechslung und zentrale Lage verspreche. Das derzeit negative Image der A6 durch viele Staus und Unfälle wird sich nach Ansicht der Partner durch den Ausbau der Autobahn auch wieder verbessern.

Experimenta sieht große Chance, überregionale Bekanntheit zu steigern

Die große Werbesäule mit dem Schriftzug A6-Boulevard, Werbeflyern und Textinfos zu allen Standorten im Verbund soll jeder bei sich an zentraler Stelle aufstellen. Als "eine große Chance, die überregionale Bekanntheit zu steigern", stuft Bärbel Renner (Experimenta) die neue Gemeinschaft ein. So etwas Besonderes auf einer kurzen Strecke "hat man nicht überall", ist auch Svenja Krauskopf (Salzbergwerk) angetan.

Auf Handschlag geeinigt: Einen Werbe-Etat gibt es bisher nicht

Badewelt-Geschäftsführer Stephan Roth hat in einer anderen Zusammenarbeit erlebt, "dass so etwas funktioniert und man sich nicht kannibalisiert, sondern ergänzt". Kooperationen "funktionieren gut", sagt auch Helmut Fischer (Tripsdrill). Man könne damit das Einzugsgebiet erweitern. Für Thomas Aurich (Neckarmeile Heilbronn) ist der Zusammenschluss ein nötiges touristisches Cluster. "Damit schaffen wir Übernachtungen." Gerade im Jahr nach der Bundesgartenschau helfe diese Kooperation.

Einen Werbe-Etat gibt es bisher nicht. Die Kosten für Werbesäulen, Prospekte und Flyer werden auf alle Partner umgelegt. Die Zusammenarbeit sei "auf Handschlag passiert", deshalb sei es auch so schnell gegangen, betont Alexander Roscheinsky, Senior-Geschäftsführer der Firma 24-Autobahn-Raststätten.

Für weitere Partner ist die Gemeinschaft offen

Schulterschluss der Schwergewichte

Was auffällt: Weitere A6-Anrainer wie die TSG Hoffenheim, das Technik-Museum Sinsheim oder das Deutsche Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm fehlen im Verbund. Alle Genannten seien eingeladen gewesen "und hätten auch kommen können", sagt Alexander Roscheinsky. Man sei offen. "Wir sind natürlich interessiert, so stark wie möglich zu werden."

Eine thematische Abgrenzung in der neuen Runde sieht Alfred Ehrhard (Klima-Arena) nicht als notwendig an. Wenn die Experimenta das Thema Klimawandel beleuchte, sei das kein Problem. "Die Botschaft ist doch das Wichtigste." Und wenn das Thema dort beleuchtet werde, "bin ich sicher, dass Besucher auch zu uns kommen".


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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