Tierrettung Unterland fliegt nach Australien

Region  Der Neckarsulmer Jan Franke, Vereinsvorsitzender der Tierrettung Unterland, will australische Tierrettungsdienste vor Ort unterstützen, deren Engagement wegen der anhaltenden Buschbrände gefragt ist. Es kamen bereits 20.000 Euro an Spenden für den Einsatz zusammen.

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Tierrettung Unterland fliegt nach Australien

Jan Franke (28) aus Neckarsulm ist Vorsitzender des Verein "Tierrettung Unterland", hier neben einem Einsatzfahrzeug.

Foto: Adrian Hoffmann

Jan Franke von der Tierrettung Unterland wird in wenigen Tagen nach Australien fliegen, um dort Koalas und Kängurus, aber auch Nutz- und Haustiere vor den Buschbränden zu retten. Zusammen mit Verantwortlichen anderer Organisationen kam dem 28-jährigen Vorsitzenden des Vereins diese Idee. Der Ablauf ihres Einsatzes werde sich erst vor Ort ergeben, sagt Franke.

Nach Angaben von Michael Sehr von der Berufstierrettung Rhein-Neckar gingen für die Australien-Hilfsaktion bislang Spenden in Höhe von 20.000 Euro von mehr als 700 Personen ein. Es handle sich um Kleinspenden von privaten Tierschützern. Die Frage, ob es keine Option sei, das Geld direkt an australische Organisationen weiterzuleiten anstatt dorthin zu fliegen, verneint er. "Das Personal dort ist erschöpft", sagt Sehr und verweist auf die Herausforderungen australischer Tierrettungsorganisationen. "Es wird Fachpersonal gesucht."

Die Tierrettung Odenwald Hohenlohe e. V. will Tierärzten vor Ort mit Spenden helfen, schreibt sie auf Facebook: 

Fokus liegt nicht nur auf Koalas und Kängurus

Zudem sei ihm die Feststellung wichtig, dass sie sich vor allem auch um Nutz- und Haustiere kümmern möchten, "die teilweise mit schweren Verbrennungen auf den Weiden stehen". Es gehe nicht nur um Koalas und Kängurus, wie alle Welt meine. Er möchte ganz konkret kleine Farmer vor Ort unterstützen, die mit der Situation momentan nicht zurechtkommen und keine Millionenspenden erhalten wie viele Tierschutzverbände. Der Einsatz in Australien erfolge komplett ehrenamtlich, erklärt Michael Sehr weiter.

Bislang haben die Helfer aus Deutschland vor allem Erfahrung mit Tierrettung bei Hochwasser. Das Szenario Buschbrand ist neu für sie. "Es geht uns auch darum, zu lernen und bei Waldbränden in Griechenland und Spanien schneller reagieren zu können", sagt Michael Sehr. "Wir lernen mit jedem Auslandseinsatz dazu", sagt Jan Franke von der Tierrettung Unterland.

Tierrettungsdienst aus Deutschland will Spenden in Form von Ausrüstung zurücklassen

Es sei geplant, den größten Teil der Ausrüstung wie Fanggeräte und Tiermedizin in Australien zu besorgen, so Franke weiter. Es sei noch unklar, ob das Team von Sydney oder Melbourne aus starte. Sie arbeiteten mit australischen Organisationen zusammen, führt Franke aus. Sie seien zum Beispiel mit der Wildtier-Rettung Wires im Gespräch. Die in Australien erworbene Ausrüstung wolle man im Anschluss an den Einsatz als Spende dort belassen. Zunächst sei vorgesehen, dass sie zu viert anreisen. Eventuell greife man auf Verstärkung zurück.

Bei den Buschbränden in Australien sind nach Meldungen von dort bereits mehrere Hundert Millionen Tiere verendet. Auf Facebook erfährt die Berufstierrettung Rhein-Neckar viel Zuspruch. Die anderen beteiligten Organisationen sind neben den Tierrettungen Rhein-Neckar und Unterland die Dogman Tierhilfe und Tiernotruf.de "Ich denke, die Helfer vor Ort können jede Unterstützung gebrauchen, das ist ja auch eine psychische Stütze", schreibt eine Frau aus Weinheim. Vereinzelt gibt es Kritik an den Kosten für die Flugreise.


Kommentar von Adrian Hoffmann: "Lasst sie doch"

Die Reaktionen auf die geplante Reise nach Australien von deutschen Tierrettern sind zwiegespalten. Die Feuerwehrleute vor Ort bräuchten nicht auch noch Menschen im Busch, die beim Retten von Tieren verloren gehen - so zum Beispiel die Haltung einer ausgewanderten Deutschen, die im Katastrophengebiet lebt. Eine direkte Spende an Organisationen vor Ort wäre nützlicher als eine Verschwendung der Gelder durch Kosten für Flüge und Unterbringung. Da mag möglicherweise etwas dran sein. Dennoch ist es überzogen, das Vorhaben der Helfer aus Deutschland als wirkungslos abzutun.

Michael Sehr von der Berufstierrettung Rhein-Neckar verweist auf die langjährige Erfahrung, die sie als Tierretter haben. Sicherlich würden sie vor Ort mit Einheimischen zusammenarbeiten, daher werde sich vieles ergeben. Man kann ganz grundsätzlich die Frage stellen, ob es in unseren Zeiten einen übertriebenen Tierschutz gibt und ob Menschen nicht auch für andere wichtige Themen ihr Geld spenden möchten.

Fakt ist: Die Initiatoren der Hilfsaktion haben ausdrücklich für dieses Projekt um finanzielle Unterstützung geworben - und etliche Privatleute sind dieser Bitte nachgekommen. Die Spender dürfen also auch die Erwartung haben, dass genau das gemacht wird, wofür gesammelt wurde: Dass deutsche Helfer die australischen Kräfte vor Ort unterstützen. Nichts anderes geschieht nun. Lasst sie doch.

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adrian.hoffmann@stimme.de

 


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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