Taugt die Heilbronner Inselspitze als Standort für einen Wein-Ausschank?

Heilbronn  Neue Idee für die Heilbronner Inselspitze: Wie auf der Mainbrücke in Würzburg könnte unterhalb der Friedrich-Ebert-Brücke Wein ausgeschenkt werden.

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Taugt Heilbronner Inselspitze als Wein-Ausschank?

Heilbronn könnte sich in Fragen der Inselspitze von Würzburg inspirieren lassen. Dort schenken Wirte auf der Alten Mainbrücke Wein aus. Gläser darf man gegen Pfand mitnehmen.

Foto: Hildenbrand © LWG

Als die deutschen Weinhoheiten im Frühjahr der ältesten Weinstadt Württembergs einen Besuch abstatteten, sprudelten die weintouristischen Ideen nur so. Oberbürgermeister Harry Mergel und Heilbronn-Marketing-Chef Steffen Schoch wurde dabei klar, dass ihnen andere Weinstädte mindestens eine Nasenspitze voraus sind.

So berichtete Klara Zehnder aus Franken, wie auf der Würzburger Mainbrücke fast täglich Weindorf-Stimmung herrscht. Benachbarte Wirte bieten dort "Wine to go" an. Wie bei einem Weinfest holt man sich sein Gläschen, dreht seine Runden, verweilt inmitten einer bunten Schar Gleichgesinnter, lauscht der Straßenmusik, genießt die Aussicht.

Die Idee vom Main an den Neckar übertragen

Mergel und Schoch waren von der unkomplizierten Idee so angetan, dass die HMG diesen Sommer an der Neckarmeile prompt etwas Ähnliches anleierte. In manchen Lokalen darf man sich sein Weinglas seitdem tatsächlich mitnehmen - mit durchwachsenem Erfolg, der Wein scheint dort im allgemeinen Gastro-Getümmel unterzugehen.

Taugt Heilbronner Inselspitze als Wein-Ausschank?

Neben Thomas Schüttes "One Man House" zeigt derzeit Bernhard Lattner in der Galerie der Inselspitze Architektur-Fotos. Wie es 2020 hier weitergeht, ist offen. Die Ideen-Sammlung läuft.

Foto: Dennis Mugler

Doch nun hätten der OB und die HMG die Chance, die "gute Idee" vom Main passgenau an den Neckar zu übertragen: auf die Inselspitze unterhalb der Friedrich-Ebert-Brücke. Die Stadt sucht für die ehemalige Galerie Rieker, die derzeit für eine Fotoausstellung und davor für eine Buga-Stadt-Schau genutzt wurde, neue Nutzer.

Stadtverwaltung ist offen für Ideen, die passen

"Wir sind aufgeschlossen für alles, was passt", sagte Oberbürgermeister Harry Mergel im September auf Stimme-Anfrage. Innerhalb der Stadtverwaltung sei die Ideensammlung angelaufen. Mergel spricht vorsichtig von einem "multifunktionalen Ort der Begegnung und Kommunikation", der sich für Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Vorträge, Diskussionen oder Workshops eigne.

Zwischenzeitlich legten Studenten der Hochschule Heilbronn das Konzept für ein Lokal vor, wobei sie sich bewusst sind, dass dazu größere bauliche Eingriffe notwendig wären, weil der Raum nicht isoliert ist und nicht beheizt werden kann. Schon früher waren Gastro-Ideen daran gescheitert.

An der Neckarbühne will eine Brauerei bauen

Ohne größere Investitionen ließe sich im Atelier und auf dem Vorplatz indes Wein ausschenken, meinen inzwischen immer mehr Beobachter. Die Idee dürfte vielleicht sogar den Wengertern in die Karten spielen, die den Schwung vom Wein-Villa-Stand auf der Buga in die City mitnehmen wollen.

Bisher haben sie dafür die Neckarbühne als Standort ins Auge gefasst, wo aber Dinkelacker Schwaben-Bräu mittelfristig einen Weinpavillon bauen will, für den die Stadt bereits einen Bebauungsplan in die Wege geleitet hat.

Jungwinzer brauchen wohl neuen Standort

"Die Inselspitze wäre auch eine tolle Ausweich-Location für die Wein.Im.Puls-Jungwinzer", meint der benachbarte Wirt Köksal Kilic. Denn die Neckarbühne dürfte für die "Weinsommer"-Abende über kurz oder lang nicht mehr zur Verfügung stehen, eben wegen des geplanten Weinpavillons.

Derweil wollen die Wein-Villa-Wengerter Mitte November über eine feste Ausschankstelle am Fluss diskutieren. Sprecher Karl Seiter favorisiert bisher die Neckarbühne. Gute Argumente sprechen aber dafür, bei der Standortwahl auch die Inselspitze in Betracht zu ziehen, meinen andere: Sie liege mitten in der Stadt und direkt am "Hotspot" Neckarmeile.

Die zur Buga angeschaffte Ausschank-Technik plus Gartenmöbel könnten weiterverwendet werden, die sowieso nur angemieteten Losberger-Container bräuchte man nicht. Und: Auf Heizung und Isolierung könnte unter der Brücke locker verzichtet werden: Auf der Würzburger Mainbrücke tummeln sich selbst im Winter oft hunderte Weinfreunde.

 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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