Tag des Denkmals zwischen Tradition und Umbrüchen

Region  Er ist alles andere als angestaubt: Am Sonntag, 7. Septmeber, ist der 26. bundesweite Tag des offenen Denkmals. Er beleuchtet Umbrüche in der Geschichte des Bauens, auch in der Region.

Tag des Denkmals zwischen Tradition und Umbrüchen
Eine der wenigen erhaltenen historischen Ölmühlen in Baden-Württemberg steht in Dörzbach. Foto: Reichert

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus gegründet. Die stilbildende Hochschule für Gestaltung gilt als Paradebeispiel für die "Moderne". Doch der Begriff "modernus" wird bereits seit dem 5. Jahrhundert verwendet: immer, wenn sich das Selbstverständnis einer Gesellschaft verändert, wenn tradierte Vorstellungen, Techniken, Erklärungsmodelle und praktische Umsetzungen über den Haufen geworfen werden. In jedem Umbruch steckt daher etwas Neues, Revolutionäres, Fortschrittliches - etwas Modernes.

Drei historische Adressen in der Region öffnen ihre Tore

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz macht das vielzitierte Wort zum Motto des 26. Tags des offenen Denkmals und weitet damit die Perspektive. Unter dem Titel "Modern - Moderne - Umbrüche" öffnen am Sonntag, 8. September, bundesweit mehr als 7500 historische Gebäude, Parks oder archäologische Stätten ihre Türen und Tore. Davon allein 900 in Baden-Württemberg, drei Dutzend davon im Heilbronner Land, in Hohenlohe und im Kraichgau.

Tag des Denkmals zwischen Tradition und Umbrüchen

Auf Schloss Liebenstein bei Neckarwestheim findet am Sonntag auch ein Kunstmarkt statt. In seiner 800-jährigen Historie wurde das Ensemble mehrmals erweitert. Heute wird es als Hotel und Restaurant genutzt. Foto: Muth

Manche Kommunen sind mehrfach vertreten, Heilbronn nur mit der Kilianskirche. Angesichts der Konkurrenz im Umland und der Buga sowie einiger anderer Projekte, die ihn als Einzelkämpfer in Beschlag nähmen, lege er 2019 eine Pause ein, erklärt Denkmalschutzbeauftragter Dr. Joachim Hennze.

Größte Kulturveranstaltung Deutschlands

Der bundesweite Info- und Aktionstag, der mit einer zentralen Feier in Ulm eröffnet wird, habe sich in 25 Jahren "zur größten Kulturveranstaltung Deutschlands entwickelt", betont Stiftungsvorstand Dr. Steffen Skudelny. Dies sei auch der Begeisterung und dem Engagement der vielen Partner zu verdanken, die ihren Besuchern nicht nur den Blick schärfen und Fragen beantworten, sondern teils auch kleine Stärkungen anbieten: Denkmaleigentümern, Denkmalfachleuten, Vereinen, Kirchen, Kommunen und nicht zuletzt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Tag des Denkmals zwischen Tradition und Umbrüchen

In Neuenstadt öffnet sich unter anderem die Grablege des Herzoghauses Württemberg-Neuenstadt (1650-1781). Hier und andernorts sollte man sich anmelden. Foto: Seidel

Von der Antike übers Bauhaus bis heute

In nahezu jeder Epoche der Kunst-, Architektur- und Kulturgeschichte zeigen sich Umbrüche, die - in enger Verzahnung mit der Technik- und Wissenschaftsgeschichte - ein modernes Verständnis begründen, erklärt Skudelny. So werden etwa beim Übergang von der Romantik zur Gotik der massive Quaderbau mit Rundbogenfenstern vom feingliederigen Skelettbau mit Spitzbögen und Kreuzrippengewölbe abgelöst.

Die leichtere Konstruktion ermöglicht gleichzeitig höhere Bauten. Die anschließende Renaissance greift auf die Antike zurück. Gestaltungselemente wie Säulenordnung, Ornamentik, geometrische Formen und die Kuppel prägen die Bauten. Ein ähnliches Phänomen zeigt sich im 19. Jahrhundert. Die Weiterentwicklung von industriellem Stahl schafft neue technische Möglichkeiten. Nicht zuletzt die Bevölkerungsentwicklung, gesellschaftliche und politische Anforderungen oder der bloße Zeitgeist prägen das Bauen und Gestalten, von der Antike übers Bauhaus bis heute.

 

Zum ausführlichen Programm

Auf www.tag-des-offenen-denkmals.de kann man alle geöffneten Denkmale einer Region nachlesen, nach bestimmten Kategorien suchen und sich über einen Merkzettel persönliche Touren zusammenstellen.

 


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