Straftäter sollen schneller ins Gefängnis zurück

Weinsberg  Die Polizei suchte mit großem Aufgebot nach einem Gewalttäter, der in der psychiatrischen Klinik am Weissenhof in Weinsberg nicht war, wo er sein sollte. Er sollte in eine besser gesicherte Station verlegt werden - weil er seine Therapie abgebrochen hatte. Dagegen wehren sich die Kliniken.

Von Alexander Klug

Der Maßregelvollzug in Weinsberg. Foto: Berger

Die Zentren für Psychiatrie (ZfP) mit ihren Forensischen Kliniken kritisieren die derzeitige Handhabung. "Psychisch Kranke zu versorgen, auch wenn sie straffällig geworden sind, ist unsere Kernaufgabe", sagt Dr. Udo Frank, Chefarzt und Leiter des Zentralbereichs Maßregelvollzug am ZfP Südwürttemberg.

Überbelegung, immer mehr Übergriffe

Doch verzeichneten die forensischen Kliniken im Land seit 15 Monaten eine massive Überbelegung, Übergriffe auf Patienten und Beschäftigte nähmen zu. "Uns werden in hohem Maß Straftäter zugewiesen, die nicht abhängig oder psychisch krank sind", erläutert der Psychiater. Sie nutzten sämtliche Rechtsmittel, um ihren Gefängnisaufenthalt zu vermeiden. Mit Beendigung der Behandlung müssten sie unverzüglich in den Justizvollzug zurückverlegt werden.

Der Chefarzt der Weinsberger Klinik, Matthias Michel, sieht laut der Mitteilung nicht ein, weshalb Krankenhäuser die Aufgabe des Freiheitsentzugs von straffällig gewordenen Personen mit voller Schuldfähigkeit zugewiesen wird. Er fordert eine Reform des entsprechenden Paragrafen des Strafgesetzbuchs.


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