Stiftung sammelt seit zehn Jahren Geld für kranke Kinder

Heilbronn  Die Stiftung "Große Hilfe für kleine Helden" hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als sechs Millionen Euro in die Kinder- und Jugendmedizin investiert. 2009 hat Gründer Ralf Klenk die Aktion ins Leben gerufen. Das zehnjährige Bestehen ist für ihn Anlass für einen Blick nach vorn.

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Spenden für Kinder und Familien

Bei der Einweihung der Neonatologie am Gesundbrunnen konnten sich die Besucher von der Ausstattung ein eigenes Bild machen. Foto: Archiv/Mugler

Ohne die Stiftung "Große Hilfe für kleine Helden" könnte sich Professor Peter Ruef seine Arbeit nicht vorstellen. "Das wäre ein Katastrophe", sagt der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn, in der jedes Jahr 23.000 Patienten behandelt werden.

Seit zehn Jahren sammelt die Stiftung Geld, finanziert Therapien und Ausstattung, kümmert sich um kranke Kinder und deren Familien. Rund 6000 Spender im Jahr unterstützen die Aktion. "Darüber sind wir heilfroh", sagt Ruef. "Bestimmte Dinge wären sonst nicht möglich." Dabei denkt er unter anderem an Schlaflabor und Musiktherapie, an medizinische Geräte und Rückzugsräume für Familien. Kinderonkologie und Neonatologie hat die Stiftung mitfinanziert, aber auch im laufenden Betrieb springt sie ein, wenn Bedarf besteht.

Klenk kennt die Ausnahmesituation aus eigener Erfahrung

"Kinder benötigen eine ganzheitliche Betreuung", sagt Stiftungsgründer Ralf Klenk. Aus eigener Erfahrung weiß er, in welcher Ausnahmesituation Familien mit kranken Kindern leben. 2002 starb sein Sohn Markus an Krebs, eineinhalb Jahre habe er zuvor Klinikalltag miterlebt und dabei festgestellt, das Gelder nicht immer bedarfsgerecht verteilt, sondern oft krankheitsbezogen gesammelt und vergeben werden.

Mit einer Stiftung wollte der Gründer des IT-Unternehmens Bechtle dabei helfen, "es allen Familien und Kindern leichter zu machen". Sein Ziel war, bestehende Aktivitäten unter ein Dach zu bringen und mit der Unterstützung von Spendern "Dinge zu finanzieren, die notwendig sind, für die es aber keinen Kostenträger gibt".

 

 

Stiftung ist das Fundament für alles

Am 13. Oktober 2009 hat der Heilbronner Unternehmer die Stiftungsurkunde unterschrieben und damit das Fundament für die künftige Arbeit geschaffen. "Im Schulterschluss mit der Klinik können wir die Mittel zielgerichtet einsetzen", erklärt Ralf Klenk. Während die Stiftung bis heute die Spender betreut, Strategien entwickelt und für die Abstimmungen mit der Klinik verantwortlich ist, hat ein Verein parallel dazu die verschiedenen Aktivitäten wie Klink-Clowns oder Besuchsdienst koordiniert. Zwei bestehende Vereine und drei Elterninitiativen kamen 2009 unter dem Dach von "Große Hilfe für kleine Helden" zusammen, inzwischen gibt es 19 krankheitsübergreifende Angebote.

Im Frühjahr diesen Jahres hat sich der Verein aufgelöst. Angesichts der wachsenden Bedeutung sei die Struktur nicht mehr geeignet gewesen, um alle Aufgaben zu bewältigen, so Klenk, der betont: "Im Verein wurde hervorragende Arbeit geleistet." Die gehe weiter: "Ehrenamtliche sind nach wie vor unser Rückgrat." Allerdings übernimmt jetzt eine hauptamtliche Projektkoordinatorin, die ihr Büro in der Kinderklinik hat, das Tagesgeschäft.

Zwei Drittel fließen in die Ausstattung der Klinik

Spenden für Kinder und Familien

Ralf Klenk (links) hat die Stiftung vor zehn Jahren gegründet, um kranke Kinder und ihre Familien zu unterstützen. Klinikdirektor Peter Ruef ist froh über die finanzielle Hilfe.

Foto: Dennis Mugler

Ursprünglich wollte der Gründer den Schwerpunkt auf ergänzende Therapieangebote und Familienunterstützung legen, "vielleicht zehn Prozent sollten in die Klinik fließen", erzählt der 61-Jährige. Doch der Bedarf erforderte ein Umdenken: "Die Klinik kann nur den laufenden Betrieb finanzieren", hat Klenk festgestellt.

Von den mehr als sechs Millionen Euro, die "Große Hilfe für kleine Helden" in den vergangenen zehn Jahren investiert hat, sind deshalb rund zwei Drittel in die räumliche Verbesserung vor Ort, in Personal und Technik geflossen. Vom Ultraschallgerät bis zum Mukositi-Laser zur Behandlung offener Schleimhäute reichen die Anschaffungen. Vor dem Kauf medizinischer Geräte entscheidet ein Fachgremium, welche Ausstattung sinnvoll ist. "Das wird genau hinterfragt", erklärt Peter Ruef. "Es geht immer um die optimale Versorgung des Patienten." Erst wenn die Klink die Finanzierung ablehnt, werde ein Antrag an die Stiftung gestellt.

"Die mehrstufige Prüfung ist eine Garantie für unsere Spender", erklärt Klenk. Es gehe nicht um Zusatzgeräte, sondern um medizinische Notwendigkeiten. Aktuell werde der Kauf eines Neugeborenen-Phantoms diskutiert, an dem die Erstversorgung geübt werden kann. Die Kosten liegen im oberen fünfstelligen Bereich. Angesicht der rund 3000 Geburten im Jahr eine wichtige Investition, "um das Training im Team zu optimieren", so Ruef. Klenk wünscht sich in Heilbronn eine Versorgung "auf universitärem Niveau", nicht in Konkurrenz zu Zentren wie Tübingen, sondern in Kooperation. Deshalb unterstützt die Stiftung auch den fachlichen Austausch.

Mehr Spender als erwartet

Ralf Klenk hat vor zehn Jahren sein Unternehmerleben aufgegeben, um sich ganz der Stiftung zu widmen. "So was macht man nicht nebenbei", erzählt er. "Ich wollte etwas aufbauen, nicht nur Geld geben." In einer wirtschaftlich erfolgreichen Region sei es nicht zu tolerieren, wenn Geld für die Kinderklink fehlt. Die Unterstützung habe jedoch seine Erwartungen übertroffen: "In dem Umfang habe ich das nicht vorhergesehen." Viele Fördermitglieder und Firmen geben regelmäßig Geld, Schulklassen, Kinder und Erwachsene engagieren sich. "Ich bin froh und stolz, auf alles, was wir mit den Spendern und der Klinik erreichen konnten", betont Klenk.

Er sehe aber auch, wie viel man noch tun könne. Sein Blick geht in die Zukunft. Das Stiftungkapital, das aktuell bei rund drei Millionen Euro liegt, soll mittelfristig auf zehn Millionen Euro anwachsen, damit Projekte aus den Erträgen finanziert werden können. Ein neues Strategiepapier wird derzeit ausgearbeitet, um die Richtung bis 2030 festzulegen. Weiterhin geht es darum, nachhaltig und langfristig zu wirken - das war von Anfang an das Ziel von "Große Hilfe für kleine Helden".


Tanja Ochs

Tanja Ochs

Autorin

Tanja Ochs arbeitet seit 2000 bei der Heilbronner Stimme und hat lange als Lokalredakteurin für die Kraichgau Stimme geschrieben. Seit 2019 ist sie Teamleiterin im Bereich Familie, Kinder und Bildung. Außerdem kümmert sie sich als Vorsitzende des Vereins Menschen in Not um die Sozialaktion des Medienunternehmens.

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