Stetten kriegt den Rest der Abfälle

Schwaigern  Die Landkreis-Deponien stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Die bisherige Reserve auf dem Heuchelberg bei Stetten soll künftig genutzt werden. Sie soll eine Laufzeit von 60 Jahren haben.

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Stetten kriegt den Rest

Der Landkreis plant, die einstige Hausmülldeponie in Stetten zu erweitern. Im Gegensatz zu den anderen Landkreis-Deponien kann dort noch viel Material gelagert werden. Dazu sind aber noch viele Schritte nötig.

Foto: Mario Berger

Auf den Deponien im Landkreis Heilbronn werden die Kapazitäten knapp. Nachdem von elf Deponien mit Babstadt, Beilstein, Kirchardt, Löwenstein und Neudenau inzwischen fünf verfüllt sind und Brackenheim, Ellhofen, Jagsthausen, Neckarwestheim und Eberstadt nur noch geringe Restkapazitäten haben, blickt der Landkreis nun nach Stetten. Die dortige Einrichtung ist noch nicht ausgelastet.

"Bis in zehn Jahren sind voraussichtlich alle Deponien im Landkreis Heilbronn, mit Ausnahme von Stetten, vollständig verfüllt", erklärte Norbert Raatz, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs am Donnerstagabend im Rahmen einer Infoveranstaltung des Landkreises in der Stettener Mehrzweckhalle den rund 70 Besuchern.

Als großflächige Hausmülldeponie angelegt

Stettens Einrichtung ist 1976 als großflächige Hausmülldeponie in Betrieb gegangen. Aufgrund einer Gesetzesänderung darf dort seit dem 1. Juni 2005 kein Hausmüll mehr abgelagert werden. Zwei Millionen Kubikmeter Müll lagern dort. Sie bietet noch viel Platz und gilt im Fachjargon als planfestgestellte, aber noch nicht ausgebaute Deponiereserve. Dieser Teil soll künftig genutzt werden.

Die Anlage würde dann eine Gesamtfläche von 214.000 Quadratmetern haben, bei einer zusätzlichen Kapazität von knapp 3,6 Millionen Kubikmetern und einer Laufzeit von 60 Jahren. "Wir befinden uns im Vorstadium der Erweiterung", erklärte Raatz. Unabhängig von der Situation in Stetten suche der Landkreis einen oder mehrere weitere Deponie-Standorte.

Unterschiedliche Deponieklassen

Der Müll, der in Stetten gelagert werden darf, ist in Klassen unterteilt, die sich auf den jeweiligen Schadstoffgehalt beziehen. Unter die Deponieklasse 0 (DK 0) fallen unbelastete oder gering schadstoffhaltige Inertabfälle (mineralische Abfälle) wie Bodenaushub sowie mineralische, vorsortierte und separierte Bau- und Abbruchabfälle mit nur geringfügig anhaftenden nichtmineralischen Fremdbestandteilen.

Stetten ist eine planfestgestellte DK II-Deponie. Auf ihr dürfen daher mäßig belastete Abfälle wie Erdaushub und Bauschutt (DK I), aber auch belastete Abfälle wie Straßenaufbruch, Gießereisande und Dämmstoffe (DK II) gelagert werden. "Über die tatsächliche Nutzung ist aber noch nicht entschieden. Sie hängt auch von der Frage ab, ob die Kooperation mit der Stadt Heilbronn langfristig fortgesetzt werden kann", sagte Norbert Raatz. Heilbronn betreibt auf dem Wolfszipfel am Wartberg eine Deponie. Raatz: "Die politischen Gremien von Landkreis und Stadt Heilbronn verhandeln derzeit darüber."

Kooperation mit der Stadt Heilbronn

Die Kooperation läuft noch bis 2025. "Sie sollte aber für 50 Jahre verlängert werden, sonst können wir uns nicht sinnvoll entscheiden", so Raatz. Zwar soll auch Abbruchmaterial des Kernkraftwerks Neckarwestheim in Stetten abgelagert werden. Laut Landratsamt betrifft dies allerdings ausschließlich die Klassen DK I und DK II. Radioaktive Abfälle dürfen nicht auf der Deponie gelagert werden.

Die bevorstehenden Arbeiten werden komplex sein. Zunächst muss die Oberfläche des mit Hausmüll gefüllten Deponiebereichs abgedichtet werden. Hier geht es vor allem darum, Sickerwasser und Gasbildung zu minimieren. Für den Ausbau der Deponiereserve ist eine umfangreiche Fachplanung notwendig. Hier werden auch die arten- und naturschutzrechtlichen Themen behandelt, unter anderem wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt. Der Landkreis hat für diese Thematik bereits das Ingenieurbüro Roth und Partner sowie das international tätige Ingenieur- und Bauunternehmen CDM Smith beauftragt, das sich auf die Geschäftsfelder Wasser, Umwelt, Infrastruktur, Bauwerke, Energie und Geotechnik spezialisiert hat.

Eine der vielen Fragen in der anschließenden Diskussionsrunde bezog sich auf das zukünftige erhöhte Lkw-Verkehrsaufkommen. Der Landkreis gehe jährlich von bis zu 70.000 Tonnen Deponiemüll aus, dies seien rund 17 Lkw-Ladungen pro Tag, erklärte Raatz. Ein auf die neue Situation zugeschnittenes Verkehrskonzept gebe es nicht.

 


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Gemmingen. Darüber hinaus ist er zuständig für die Berufsschulen des Landkreises.

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