Steinkauzküken werden in Eppingen beringt und gewogen

Region  Seit 20 Jahren beringt Jochen Fischer zwischen Lauffen und Eppingen Steinkauzküken. Er will feststellen, wo sich die Eulenart ansiedelt und wie hoch ihre Überlebensrate ist. Noch vor wenigen Jahren waren die kleinen Tiere fast ausgestorben.

Von Kirsi-Fee Rexin

Ringe für Steinkauzkücken

Jochen Fischer holt aus der Niströhre auf dem Birnbaum vier Steinkauzküken. Die Tiere werden meist im Alter von zwei bis drei Wochen beringt.

Fotos: Ekkehart Nupnau

Vorsichtig greift Jochen Fischer in die linke Öffnung der 80 Zentimeter langen Röhre. Die gegenüberliegende Seite hat er zuvor mit einem Schaumstoffball verschlossen. Sein Arm steckt in einem langen Handschuh, denn die Vögel haben in diesem Teil der Niströhre meist ihre Toilette. Behutsam holt er Tier für Tier heraus und setzt es in den Stoffbeutel. Anschließend klettert er langsam die an den Birnbaum gelehnte Leiter wieder herunter.

Am Boden öffnet er die Tasche: Mit großen gelben Augen blicken beinahe erwartungsvoll vier Steinkauzküken heraus. Seit 20 Jahren beringt Jochen Fischer die kleine Eulenart, um zu erfahren, wo sie sich ansiedelt und wie hoch ihre Überlebensrate ist. Sein Hobby ist eine wichtige Arbeit für den Artenschutz, denn noch vor wenigen Jahren waren die Steinkäuze beinahe ausgestorben.

Lebensraum gerodet

"Die Bestände der Streuobstwiesen nehmen seit Jahren stetig ab", erklärt Jochen Fischer. Und das hat einen Grund: In den 50er Jahren wurde festgestellt, dass Hoch- und Halbstämme - also Bäume mit langen Stämmen - schwer zu bewirtschaften sind. Bei Niederstämmen kommt man an Apfel und Co. einfacher heran. "Bis 1974 wurden für die Rodung alter Baume Prämien bezahlt", erinnert sich der Betriebswirt. Steinkäuze, die naturgemäß keine Nester bauen, sondern sich in alte Baumhöhlen einrichten, haben so ihren Lebensraum verloren. Mittlerweile zahlt die Landesregierung keine Prämien mehr für das Roden, sondern nur noch für den fachgerechten Schnitt.

Ringe für Steinkauzkücken

Dieser Steinkauz ist vier Wochen alt und hat ein akzeptables Gewicht.

Foto: Rexin

"Horst Furrington, der sich seit 1960 mit der Vogelwelt im Landkreis Heilbronn beschäftigte, begann, Nisthilfen zu bauen." Die Röhren wurden auf Ästen angebracht, um für Steinkäuze wieder neuen Lebensraum zu schaffen. "Die Population ist in den vergangenen 30 Jahren zwar angestiegen. Wenn man aber die letzten 100 Jahre betrachtet, geht der Trend trotzdem nach unten", weiß Fischer. Im Stadtkreis und im Landkreis Heilbronn arbeitet die Arbeitsgemeinschaft Steinkauzschutz mit dem Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell zusammen. Aktuell gibt es drei aktive Beringer, die 150 Nisthilfen und circa 50 Brutpaare betreuen. Einer von ihnen ist Jochen Fischer, der sich um das Gebiet von Lauffen bis Eppingen kümmert.

Seit 2017 zieht in Eppingen-Mühlbach ein Steinkauzweibchen regelmäßig ihren Nachwuchs in einer von Fischers Niströhren auf. Gerade setzt Fischer die Eulenbabys mit dem braun-weiß-gefleckten Gefieder in einen Eimer mit Sägespänen, damit sie nicht davonlaufen - fliegen können sie noch nicht. Eines legt er Grundstückseigentümer Peter Bälz in die Hand. Ganz ruhig bleibt die Eule liegen, guckt aufmerksam, die weißen Überaugenstreifen wirken wie Augenbrauen. "In Rückenlage können sie besser entspannen", weiß Fischer und holt einen silbernen Ring mit Zahlencode hervor. Damit bekommt das Eulenküken seine Identifikationsnummer.

Ringe für Steinkauzkücken

"Alle Daten, die ich nun notiere - Alter, Gewicht und Größe - werden in der Datenbank der Vogelwarte Radolfzell hinterlegt und sind durch den Code online abrufbar", erklärt der 48-Jährige. Vorsichtig legt Fischer den Ring um das linke Bein der Eule. Mit einer Zange drückt er ihn auf die passende Größe zusammen. "Der Ring darf nicht abdrücken und keine Kanten haben. Zu locker darf er auch nicht sein, sonst rutscht er der Eule über das Gelenk." Der Ring passt.

Gewichtsermittlung auf der Küchenwaage

Dann geht es für das Tier zum Wiegen. Dafür kommt es in einem Pflanzenübertopf auf die Küchenwaage. 118 Gramm notiert Fischer in seiner Liste. "Ist okay, könnte aber auch ein bisschen mehr sein", findet er. "An der Länge der zweiten Handschwingenfeder lässt sich das exakte Alter bestimmen. Das hat man einst erforscht", informiert Fischer und hält den Flügel der Eule an ein Lineal. 43 Millimeter. "Dieses Exemplar ist genau 24 Tage alt."

Alte Baumbestände mit Höhlen erhalten

Wichtiger als weitere Nisthilfen anzubringen, sei für die Entwicklung der Population, alte Baumbestände mit ihren Höhlen auf Streuobstwiesen zu erhalten, betont Fischer auf dem Weg zur nächsten Station. Einige Meter weiter misst und wiegt der Vogelkundler zwei weitere Steinkäuze. Obwohl nur eine Woche älter, sind die Tiere schon deutlich größer und schwerer. Eulentypisch bewegen sie ihren Kopf hoch und runter. "Kein Wunder, in der Niströhre war ein ganzes Mäusedepot. Die haben ordentlich was zum Knabbern", schmunzelt Fischer.

Nach dem Einverständnis der Grundstückseigentümer bringt Jochen Fischer die Niströhren im Herbst auf den Ästen an. Regelmäßig im Jahr kommt er vorbei, um sie zu kontrollieren und zu reinigen. Ende Februar bis Mitte April kommt nach Einbruch der Dämmerung eine besondere Pfeife zum Einsatz. Dabei wird der Revierruf des Steinkauzmännchens imitiert, das dann darauf reagiert. "Die Kartiermethode nennt sich Verhören und dient dazu, besetzte Reviere festzustellen", erklärt er. Jochen Fischer betreut derzeit 24 Brutpaare in Nisthilfen und vier in Naturhöhlen.

 


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