Stadt der Zukunft: Aus Grau wird Grün

Heilbronn  Schaufenster Baukultur im Neckarbogen: Dort zeigen Landschaftsarchitekten Beispiele, wie aus nicht genutzter Infrastruktur Parks werden.

Von Bärbel Kistner
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Stadt der Zukunft: Aus Grau wird Grün

Ulrike Luz (links), Ulrike Böhm und Christoph Herzog eröffnen die Ausstellung im Schaufenster Baukultur im Gebäude J4 der Stadtausstellung.

Foto: Ekkehart Nupnau

Was tun mit den vorhandenen grauen Infrastrukturflächen in Städten? Abreißen? Oder lieber daraus wertvolle innerstädtische Grün- und Freizeitflächen machen? Die neue Ausstellung im Schaufenster Baukultur im Neckarbogen zeigt unter dem Titel "Grüne Infrastruktur - von Grau zu Grün" ausgezeichnete Bauwerke und Projekte.

High Line in New York

Eines der ältesten und zugleich prominentesten Beispiele ist die High Line in New York. Die zirka 2,3 Kilometer ehemalige Güterzugtrasse in Manhattan wurde seit 2006 zu einer Parkanlage umgebaut. Zunächst sollte die Trasse abgerissen werden, eine Anwohner-Initiative hat es verhindert. Das Projekt ist mittlerweile so erfolgreich und eine Touristenattraktion, dass es sogar zu einer Gentrifizierung geführt hat, berichtet Ulrike Böhm, Professorin für Freiraumplanung. Ihr Städtebau-Institut der Uni Stuttgart hat die Schau konzipiert.

Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten, der Bund Deutscher Architekten und die Architektenkammer Baden-Württemberg wollen im Schaufenster Baukultur aktuelle Architektur-Themen auf die Buga bringen. "Von Grau zu Grün" ist die zweite Ausstellung im Gebäude J4 der Stadtausstellung.

Neue Räume unter Brücken

Quartiere unter Brücken, ehemalige Gleisbrachen, Viadukte: Solche Orte bieten die Chance, neues Grün in die Städte zu bringen oder bislang durch Verkehr getrennte Räume zu verbinden und dadurch neue Aufenthaltsqualität zu schaffen. Häufig sind es Orte, an denen vorher Tristesse herrschte oder soziale Brennpunkte Probleme schufen. "Durch den Zuzug in die Städte geraten Freiräume unter Druck", sagt Ulrike Böhm. Durch neue Nutzungen ließe sich dem Trend entgegenwirken. Vertikale Freirräume könnten ein Beitrag sein, Flächenknappheit in Metropolen zu lösen.

Kaum Projekte in Deutschland

Die allermeisten Beispiele stammen aus großen internationalen Städten: Paris, Toronto, Sydney oder Kopenhagen. In Deutschland dagegen sei es schwierig gewesen, interessante Projekte einer gelungenen Um- und Weiternutzung von Verkehrsbauwerken zu finden, bedauert Ulrike Böhm. Der neue Steg zum Wohlgelegen passt zumindest in die Reihe, weil er zum einen den Raum unter der Brücke erlebbar macht und bislang getrennte Bereich fußläufig verbindet.

Für Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas hat in Zeiten der Klimaerwärmung grüne Infrastruktur eine zunehmende Bedeutung. Mit dem Neckarbogen wolle man ein gutes Quartier und guten Landschaftsraum schaffen: "Landschaftarchitekten sind die Zukunftsgestalter."


Führung und Vorträge

Die Schau dauert bis 6. August. An Sonntagen, 10 bis 16.30 Uhr, sind Landschaftsarchitekten, Architekten und Stadtplaner vor Ort. Am 23. Juni geht es um Stadtgrün in der Kommunalpolitik, am 30. Juni um kindgerechte Urbanität.

 


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