So sollen die Verkehrsprobleme gelöst werden

Region  Eins steht fest: Solange zu viele Pendler allein im Auto zur Arbeit fahren, werden die Verkehrsprobleme rund um das Kreuz A6/B27 nicht weniger. Mit dem Mobilitätspakt bringen Städte und Unternehmen in der Region gemeinsam mit dem Land nun Lösungen ins Rollen.

Von Christian Gleichauf

Der Ausgang war ungewiss, als sich die Städte Neckarsulm und Heilbronn, der Landkreis und das Land unter Mithilfe der Unternehmen Audi und Schwarz-Gruppe vor anderthalb Jahren daran gemacht haben, Lösungen für die Verkehrsprobleme rund um das Kreuz A6/B27 zu suchen. Inzwischen zeigt sich: Es könnte ein vorbildliches, vernetztes Gemeinschaftsprojekt werden.

Über eine Mitfahr-App sollen Pendler zusammenfinden

Viele Ansätze kommen jetzt ins Rollen

Die Mitfahr-App von SAP wird von Audi und der Schwarz-Gruppe genutzt. Weitere Firmen sollen dem Beispiel folgen.

Nach den Ankündigungen zum Auftakt gibt es nun einen weiteren Erfolg. So machen die Audi AG und die Schwarz-Gruppe beim Thema Mitfahr-App gemeinsame Sache. Beide setzen jetzt auf die von SAP entwickelte und auch von Privatpersonen nutzbare Software Two-Go. Mit ihr sollen Pendler zusammenfinden, flexibel und über Unternehmensgrenzen hinweg. Weitere Firmen und Behörden sollen sich anschließen, damit durch Fahrgemeinschaften der Verkehr weiter reduziert wird.

Auch Heilbronn und Neckarsulm wollen sich an der Mitfahr-App beteiligen. Für solche und andere Ideen rund um den Mobilitätspakt richten die zwei Städte sogar eine Koordinierungsstelle ein. Teilweise gefördert vom Land, soll je ein Mitarbeiter in jeder Stadt für mindestens vier Jahre Ansprechpartner, Kümmerer und Moderator für Kommunen und Unternehmen sein.

Nur durch Zusammenarbeit lassen sich Verkehrsströme lenken

"Verkehrsprobleme und die damit verbundenen ökologischen und ökonomischen Auswirkungen machen nicht vor Stadt- und Werkstoren halt", sagt dazu der Heilbronner OB Harry Mergel. Sein Neckarsulmer Amtskollege Steffen Hertwig ergänzt: "Wenn jeder weiterhin mit dem eigenen Auto allein zur Arbeit fährt, werden wir die Verkehrsprobleme nicht in den Griff bekommen." Allen Beteiligten scheint klar zu sein: Kein Minister, kein Bürgermeister und kein Manager kann die Verkehrsströme allein lenken.

Zentraler Bestandteil des Mobilitätspakts ist neben den baulichen Maßnahmen das betriebliche Mobilitätsmanagement, das üblicherweise aus vielen Puzzleteilen besteht. Wie viele die neue Mitfahr-App bereits nutzen, lässt sich nicht sagen, erklärt Schwarz-Sprecherin Gertrud Bott. "Denn wer sich einmal gefunden hat über die App, nutzt sie anschließend oft nicht mehr."

Jobtickets für Bus und Bahn - oder aufs Rad umsteigen

Viele Ansätze kommen jetzt ins Rollen

Am Aquatoll stehen Fahrräder und Shuttle-Bus für Mitarbeiter der Schwarz-Gruppe bereit.

Daneben gibt es die Jobtickets, mit denen Mitarbeiter vergünstigt mit Bus und Bahn unterwegs sind. Rund 1350 Audianer nutzen solche und ähnliche Tickets, bei der Schwarz-Gruppe nehmen 530 Mitarbeiter das Angebot wahr. Sie dürfen außerdem auf finanzielle Unterstützung ihres Arbeitgebers zählen, wenn sie ein Fahrrad kaufen. Auch gibt es bei Lidl und Kaufland einen Pool an Firmenfahrzeugen und die Möglichkeit, das Auto am Aquatoll abzustellen und dann aufs Fahrrad um- oder in einen Shuttle-Bus einzusteigen, um an einen der Standorte in Neckarsulm zu kommen. Um solche Ansätze noch zu optimieren, haben die zwei Unternehmen auch ein Verkehrsleitbild entwickelt. Individualverkehr der Mitarbeiter, Kunden und Besucher sowie der Zulieferer soll künftig besser gelenkt werden.

Möglichst viele sollen mitmachen

Der Mobilitätspakt ist kein fertiges Vertragswerk, sondern eine Initiative, an der beständig gearbeitet wird. Es gibt regelmäßig Treffen in Stuttgart mit Verkehrsminister Winfried Hermann, der das Projekt seit anderthalb Jahren unterstützt. In Heilbronn haben sich zuletzt auf Initiative der zwei Oberbürgermeister Mergel und Hertwig Vertreter des Mobilitätspakts mit zahlreichen Unternehmen und den Bürgermeistern Timo Frey aus Bad Friedrichshall und Claus Brechter aus Bad Wimpfen zu einem Arbeitsaustausch getroffen. Es geht darum, möglichst viele ins Boot zu holen.

Im Sommer sollen die von Audi und Schwarz in Auftrag gegebenen Gutachten vorgestellt werden: Großräumige Verkehrsuntersuchungen, eine Analyse der Streckenbelastungen unter verschiedenen Vorzeichen und eine Untersuchung der besonders belasteten Knotenpunkte an der Neckartalstraße und in Neckarsulm.

 

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