So lief der Gift-Unfall ab: Mit Gabelstapler Fass gerammt

Ilsfeld  Nach dem massiven Fischsterben in der Schozach stehen zwei Mitarbeiter der Spedition Kühne und Nagel im Visier der Staatsanwaltschaft. Sie sollen einen Gabelstaplerunfall auf dem Firmengelände in Ilsfeld verschwiegen haben.

Von Alexander Klug
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Erneut sorgte die Chemikalie auf dem Gelände der Spedition Kühne und Nagel in Ilsfeld am Dienstagabend für einen Einsatz von Feuerwehr und Polizei. Regen hatte bislang unbemerkte Reste auf dem Hof aufgeschäumt, eine Spezialfirma beseitigte sie.

Am Mittwoch vermelden Staatsanwaltschaft und Polizei Heilbronn, wie es zur Umwelt-Katastrophe vergangene Woche gekommen ist: Demnach ist ein Gabelstaplerfahrer mit einem Zinken seines Staplers gegen einen 1000 Liter fassenden Flüssigkeitscontainer gestoßen. Der Inhalt lief aus und gelangte vom Hof der Firma über eine Entwässerungsrinne in einen Schacht, über diesen vom Gelände und ins Bachbett.

 

 

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln nun gegen den 31 Jahre alten Gabelstaplerfahrer und einen Kollegen, weil sie den Vorfall weder Firmenleitung noch Umweltbehörden gemeldet haben. Im Raum steht der Straftatbestand der Gewässerverunreinigung. Denn am Donnerstag verendeten im durch die Chemikalie vergifteten Flusswasser Tausende Fische und Wasservögel. Tierkadaver wurden in Gruppenbach, Schozach und Neckar gefunden - Feuerwehren und Bauhöfe waren im Einsatz.

Warum kamen keine Havarieschieber zum Einsatz

Bereits am Donnerstag hatte sich ein erster Verdacht ergeben, dass die Flüssigkeit aus dem Areal der Firma kam, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Interne Recherchen und Befragungen der Firmenverantwortlichen hätten schließlich zu den beiden Mitarbeitern geführt. Ob noch weitere Personen für den Schadensfall verantwortlich sind, werde derzeit geprüft. Eine Verpflichtung, den Behälter mit der hochkonzentrierten Flüssigkeit als Gefahrgutcontainer zu kennzeichnen, bestand laut Staatsanwaltschaft nicht.

So direkt dürfe eine Flüssigkeit nicht vom Firmengelände ins Bachbett fließen, sagt Thomas Stutz. Er leitet den Fachbereich Bauen und Planen im Ilsfelder Rathaus. Es gebe Vorschriften, die so etwas verhindern sollen - etwa dürfe der Boden einer Lagerhalle nicht wasserdurchlässig sein. "Und vor allem muss es sogenannte Havarieschieber geben", sagt der Fachbereichsleiter. Dabei handele es sich um eine Art Ventil, das in so einer Situation geschlossen werden muss, um ein unkontrolliertes Austreten von Flüssigkeit zu verhindern.

"Ob das nicht geschehen ist, weil die Mitarbeiter nichts von den Schiebern wussten, ist jetzt zu klären. Wie auch der genauen Verlauf der Rohre unter der Spedition." Die Gesetzeslage sieht so aus: Die Landesbauordnung schreibt keine Pflicht zur Abnahme eines genehmigungspflichtigen Gebäudes vor - sie kann erfolgen, muss aber nicht.

 

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Bei der Flüssigkeit handelt es sich um ein Produkt namens "Azelis LF 54", einen Stoff auf Alkoholbasis, der Grundstoff für Reinigungsmittel ist. Die Chemikalie könnte die Kiemenatmung der Fische blockiert und sie dadurch getötet haben.

Bis wann sich das Gewässer regeneriert, ist unklar. Während das Landratsamt Messungen veröffentlicht, die darauf hindeuten, dass die Kleinstlebewesen die Belastung überraschend gut überstanden haben, befürchten Umweltverbände, dass es Jahre dauern kann, bis der Fischbestand sich erholt hat. Sie fordern zudem mehr Kontrollen von Unternehmen sowie einen Gewässerentwicklungsplan.

 

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