So haben die Wähler im Stadtkreis entschieden

Heilbronn  Der Frust ist bei den Heilbronner Christdemokraten und der SPD nach dem Europawahlabend groß. Beide Parteien verlieren deutlich an Stimmen. Die Wahlbeteiligung liegt im Stadtkreis Heilbronn bei 55,5 Prozent.

Von Joachim Friedl
Email

In Heilbronn hat die Europawahl einen großen Gewinner und zwei Verlierer: Die Grünen steigerten ihr Ergebnis um 10,6 Prozentpunkte und erreichten beachtliche 20,6 Prozent. Urgrüne Themen wie Umwelt- und Naturschutz, Mobilität und gesellschaftlicher Zusammenhalt kamen bei den Menschen an. Bei den vergangenen Europawahlen verharrten sie stets bei rund zehn Prozent. Mit ihren 20,5 Prozent kommen die Grünen dem Bundesergebnis von 21 Prozent sehr nahe, bleiben allerdings 3,4 Prozent unter dem Ergebnis von Baden-Württemberg.

 

Europawahl im Stadtkreis Heilbronn

26,7

20,6

16,4

13,0

7,9

3,9

Wahlbeteiligung:

55,5 %

(2014: 42,5 %)

35,2

10,0

30,4

8,5

5,1

4,0

2014

2019

CDU

Grüne

SPD

AfD

FDP

Linke

+10,6

Gewinne und Verluste

+4,5

+2,8

-0,1

-14,0

-8,5

HSt-Grafik, Quelle: Stadt Heilbronn

Stimmenanteil in Prozent

Europawahl im Stadtkreis Heilbronn

Wahlbeteiligung: 55,5 % (2014: 42,5 %)

26,7

20,6

16,4

13,0

7,9

3,9

35,2

10,0

30,4

8,5

5,1

4,0

2014

2019

CDU

Grüne

SPD

AfD

FDP

Linke

+10,6

-8,5

+4,5

+2,8

Gewinne

und Verluste

-0,1

-14,0

HSt-Grafik, Quelle: Stadt Heilbronn

Stimmenanteil in Prozent

Historisch schlechtes Ergebnis für die SPD

Nichts zu feiern haben in Heilbronn die Sozialdemokraten. Mit minus 14 Prozentpunkten verliert die SPD zweistellig und kommt auf nur noch 16,4 Prozent. Ein historisch schlechtes Ergebnis. Nur 6926 Heilbronner wollten der SPD ihr Kreuzchen schenken. 2014 standen noch 30,5 Prozent zu Buche.

CDU bleibt stärkste politische Kraft

Nicht zufrieden sein kann auch die CDU. Die Christdemokraten bleiben zwar in Heilbronn mit 26,7 Prozent stärkste politische Kraft, müssen aber einen Stimmenverlust von 8,5 Prozentpunkten hinnehmen. Das wird dem Anspruch der Partei, die 2004 noch 44,1 Prozent der Wähler erreichte, nicht gerecht. Von den 42.196 gültigen Stimmen gingen nur 11.260 an die CDU.

AfD legt um 4,5 Prozentpunkte zu

Die rechtspopulistische und europakritische AfD kommt auf 13 Prozent und verbessert ihr Europawahlergebnis von 2014, als sie erstmals antrat, um 4,5 Prozentpunkte. Ein Wahlergebnis, das sicherlich nicht ganz den Erwartungen entspricht. AfD-Hochburgen sind die Stadtteile Frankenbach (16,1 Prozent), Neckargartach (15,7 Prozent) und Böckingen (15,3 Prozent). Nur in Horkheim blieb die AfD mit 9,7 Prozent knapp unter der Zehn-Prozent-Marke.

Liberale im Aufwind, Linke stagniert

Die FDP, die 2014 mit 5,1 Prozent eine politische Ohrfeige erhalten hatte, verbesserte sich um 2,8 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent. Kein berauschendes Ergebnis. Mehr versprochen hatte sich auch die Linke, die einen Verlust von 0,1 Punkte hinnehmen muss. Die Freien Wähler kommen auf 2,4 Prozent (+ 1,3 Prozent), Die Partei bringt es auf 2,2 Prozent.

77.185 Heilbronner waren wahlberechtigt, rund 55 Prozent stimmten ab

Erfreulich ist die Wahlbeteiligung mit 55,5 Prozent. Das entspricht einem Plus von 13 Prozentpunkten. Nur 1994 hatte es eine ähnlich hohe Beteiligung gegeben. Wahlberechtigt waren 77.185 Heilbronner und EU-Bürger. Die Zahl der gültigen Stimmen beläuft sich auf 42.196 Stimmen.

OB Mergel von Grünen-Ergebnis nicht überrascht

"Die Heilbronner haben sich, wie die Wahlbeteiligung zeigt, mit großer Mehrheit zu Europa bekannt", nahm Harry Mergel aus einem denkwürdigen Wahlabend mit. Das gute Abschneiden der Grünen kam für den Heilbronner Oberbürgermeister nicht überraschend: "Die Grünen treffen mit ihren Themen den Nerv der Menschen." Mit Blick auf die Kommunalwahl, die am Montag ausgezählt wird, geht Mergel davon aus, "dass wir auch mit den absehbaren Verschiebungen weiter vernünftige Politik für Heilbronn machen können."

 

Kommentar hinzufügen