Schwarz-Gruppe plant IT-Zentrale für 3000 Mitarbeiter

Bad Friedrichshall  Einen Projektcampus, in dem zukunftsträchtige IT-Anwendungen für den Handel der Zukunft entwickelt werden sollen, plant die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe in Bad Friedrichshall.

Von Manfred Stockburger

Platz für 3000 IT-Mitarbeiter
Acht Hektar Fläche hat die Schwarz-Gruppe südlich von Kochendorf bereits erworben. Nächstes Jahr sollen die Erschließungsarbeiten beginnen.  

Am Dienstagabend hat die Schwarz-Gruppe im Gemeinderat von Bad Friedrichshall ihre Pläne für den neuen IT-Projektcampus vorgestellt, der südlich des Teilorts Kochendorf entstehen soll. Acht Hektar Gelände umfasst der erste Bauabschnitt auf dem Gebiet Obere Fundel. Bürofläche für mindestens 3000 Mitarbeiter soll dort entstehen. Die Erschließungsarbeiten sollen 2019 beginnen, heißt es. Fertig soll der Campus bis Mitte des kommenden Jahrzehnts sein.

Bei den 3000 Arbeitsplätzen handelt es sich nicht in erster Linie um neue Stellen, vielmehr sollen die momentan auf zahlreiche Standorte in der Region verteilten IT-Fachkräfte auf einem großen Campus zusammengefasst werden.

"Durch die zunehmende Digitalisierung in allen Unternehmensbereichen werden die technologischen Anforderungen immer komplexer", erklärt Christian Müller, der als Bereichsvorstand der Schwarz Zentrale Dienste KG (SZD) die IT der Schwarz-Gruppe verantwortet, die unternehmerische Logik. "Auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel gilt es, unsere IT-Fachleute in kompetenten Teams zusammenzubringen und eine schnellere und effizientere Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe zu ermöglichen." Bisher gibt es große IT-Standorte in Weinsberg, Neckarsulm und Heilbronn.

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Innovative Lösungen

Auf dem Campus sollen künftig Computerspezialisten in bestens ausgestatteten Räumlichkeiten mit Fachleuten anderer Fachrichtungen aus dem In- und Ausland zusammenarbeiten, um "wegweisende, innovative Lösungen" für den Handel zu entwickeln. Als Beispiel nennt er Kassen, an denen die Kunden ihre Ware selbst scannen und dann bezahlen − in einigen Kaufland-Märkten gibt es diese bereits. Künftig werden Kunden ihre Waren möglicherweise mit dem Handy bereits während des Einkaufs scannen müssen. Außerdem werden sich seine Mitarbeiter intensiv mit Fragen der IT-Sicherheit befassen, ebenso mit computergestützten Systemen, die das Tagesgeschäft erleichtern sollen. Als weiteres Stichwort nennt Müller künstliche Intelligenz.

Das Wachstum der Unternehmensgruppe auf inzwischen fast 100 Milliarden Euro Umsatz − das aktuelle Geschäftsjahr geht heute zu Ende − hat die Größe und Infrastruktur der gewachsenen Verwaltungsstandorte in Neckarsulm und Heilbronn überrollt. Nach der Lidl-Deutschland-Zentrale, die in Bad Wimpfen auf etwa vier Hektar Grundfläche aus dem Boden gestampft wird, ist der IT-Projektcampus bei Kochendorf der zweite große Schritt heraus aus dem bestehenden Netz an Verwaltungsgebäuden. Diese attestiert SZD-Geschäftsführer Josef Klug einen "Modernisierungs- und Weiterentwicklungsbedarf". "Wir fühlen uns dem Raum Heilbronn / Neckarsulm verpflichtet", begründet er die Suche nach Standorten in der Region. Ein Ziel sei, die Mietstandorte abzulösen.

Verkehrssituation an der B27

Platz für 3000 IT-Mitarbeiter

Für Kochendorf habe gesprochen, dass das Areal groß genug ist, um spätere Erweiterungen möglich zu machen − IT gilt schließlich als zentraler Erfolgsfaktor für den Handel in der Zukunft. Gleichzeitig liege der Standort nah genug an Neckarsulm. Als Pluspunkt nennt Klug auch die Verkehrssituation an der B27: Das Areal kann direkt an die Bundesstraße angebunden werden. "Dadurch entsteht kein zusätzlicher Verkehr durch eine Ortschaft." Zwei neue Kreisverkehre (siehe Karte) sollen gebaut werden.

Wie die 3000 Arbeitsplätze einmal auf der Oberen Fundel verteilt werden sollen, steht im Detail noch nicht fest. Die Schwarz-Gruppe möchte mehrere Architekten beauftragen und dann den besten Entwurf auswählen. Zu den Vorgaben wird laut Klug gehören, dass sich die Gebäude möglichst campusartig in das bestehende Gelände einfügen sollen. Städtebau, Architektur und Funktionalität zählt er im Gespräch mit der Stimme als Kriterien auf.

Klar wird aus dem gestern vorgestellten Planentwurf, dass südlich der bestehenden Kreisstraße nach Amorbach eine neue Straße samt Lärmschutzwall gebaut werden soll, über die der IT-Campus erschlossen wird. Zwischen den beiden Straßen ist ein Wohngebiet vorgesehen und an der südöstlichen Ecke der Oberen Fundel ein kleines Gewerbegebiet, das nicht für die Schwarz-Gruppe reserviert ist. Die hat sich jedoch eine Option auf weitere acht Hektar Fläche in dem Areal gesichert, das als Sondergebiet ausgewiesen werden soll.

 


 

"Dazugelernt"
Ein Kommentar von Manfred Stockburger

Dazugelernt

Möchte man ein Gefühl für die Größe bekommen, was die Schwarz-Gruppe in Bad Friedrichshall plant, dann bietet sich der Blick zu Bosch in Abstatt an. Dort hatte der erste Bauabschnitt mit 2700 Mitarbeitern eine ähnliche Dimension − allerdings auf einer größeren Fläche. Größenwahnsinnig ist die Schwarz-Gruppe aber nicht geworden: So wie Bosch an der Zukunft der Mobilität arbeitet, wollen Lidl und Kaufland auf dem neuen Campus die Digitalisierung im Handel vorantreiben.

Das Projekt macht deutlich, dass die Schwarz-Gruppe dazugelernt hat. Erstens wird der Platz nicht schon bald wieder zu eng, so wie es etwa in der Neckarsulmer Stiftsbergstraße der Fall ist. Für ein weiteres Parkhaus ließ die Schwarz-Gruppe dort gerade eine nur zwölf Jahre alte Produktionsstätte abreißen. Als die Zentrale in den Nullerjahren geplant wurde, konnten sich die Macher in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen, wie rasant das Unternehmen wachsen würde.

Zweitens: Im Gegensatz zu Bad Wimpfen ist die Planung mit dem neuen Baugebiet zwischen den bestehenden Wohnhäusern und der nächsten Großbaustelle so gestaltet, dass deutlich weniger Konfliktpotenzial vorhanden ist. Und schließlich müssen sich die Mitarbeiter anders als in Bad Wimpfen nicht mühevoll durch eine Ortsdurchfahrt quälen, um zu ihren Schreibtischen zu kommen. Und die Stadtbahnhaltestelle Kochendorf ist zu Fuß in zehn Minuten erreichbar.

Jetzt müssen dem Händler nur noch die Kunden gewogen bleiben.