Schulen aus der Region dabei: Lernfabriken 4.0 erhalten Fördergelder

Heilbronn  Das Land fördert Lernfabriken in Heilbronn, Neckarsulm, Öhringen und Künzelsau. Unter anderem richtet die Wilhelm-Maybach-Schule eine Lernfabrik 4.0 für rund 800.000 Euro ein.

Von Tanja Ochs

Realistische Produktionsprozesse im Unterricht
Die Schulleiter von Gustav-von-Schmoller- und Wilhelm-Maybach-Schule, Gabriele Tepaß und Dieter Thumm, holen Produktionsprozesse in den Unterricht. Foto: Tanja Ochs  

Mit fast fünf Millionen Euro fördert das Stuttgarter Wirtschaftsministerium 21 neue "Lernfabriken 4.0" an beruflichen Schulen im Land. Unter anderem fließen 300.000 Euro an die Wilhelm-Maybach-Schule (WMS) und die Gustav-von-Schmoller-Schule (GvSS), die als Kooperationspartner gemeinsam die "Industriekomponente in die Schule" bringen, wie Dieter Thumm, Schulleiter der WMS, betont.

Außerdem erhalten die Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm und die Andreas-Schneider-Schule Heilbronn 300.000 Euro, die Gewerbliche Schulen in Öhringen und Künzelsau bekommen knapp 345.000 Euro vom Land.

Zuerst kommt ein Baustein

Dieter Thumm freut sich auf "maximalen Praxisbezug". Ein Produktionsprozess soll in seiner Schule entwickelt werden, zunächst für Duplo-Bausteine. Später soll ein Maybach mit Mikroprozessor und LCD-Nummernschildern gefertigt werden, erklärt der Schulleiter. Dafür werden Grundlagenlabore eingerichtet und ein verkettetes Maschinensystem angeschafft. Vorhandene Geräte wie der 3D-Drucker werden integriert.

Die Labore sollen den Schülern helfen, komplexe Zusammenhänge von Industrie 4.0 zu verstehen. Der Begriff steht für umfassende Digitalisierung und Verzahnung von Produktion und moderner Informationstechnik. "Das Thema Digitalisierung ist überall", weiß Thumm. Auch die WMS habe es "nicht erst seit gestern auf der Agenda". Die Fördergelder ermöglichen eine schnellere Umsetzung geplanter Projekte. "Das hätte uns sonst vier bis fünf Jahre gekostet", sagt der Schulleiter.

Auch Betriebe profitieren

Neben dem Geld vom Land, finanziert die Stadt Heilbronn die Lernfabrik an der WMS mit 441.000 Euro, weitere 73.000 Euro haben 18 Unternehmen zugesagt. Auch die Betriebe sollen Erkenntnissen aus der Lernfabrik profitieren. Alle Schularten der WMS werden mit der Anlage arbeiten. Innerhalb der Schule soll ein interdisziplinärer Austausch stattfinden. "Wir sind alle in einem Boot", sagt Thumm stolz. So habe man sich auch an die Ausarbeitung des Antrags gemacht. "Wir haben uns dafür wirklich ins Zeug gelegt", sagt der Schulleiter. Mit Erfolg. Ministerialdirektor Michael Kleiner hat den Schulen im Beisein von Bürgermeisterin Agnes Christner den Förderbescheid des Stuttgarter Ministerium für Wirtschaft und Finanzen übergeben.

Jetzt fehlt nur noch ein großer Raum, in dem die Anlage aufgebaut werden kann. Auch der Prozess selbst ist dabei wichtig: "Die Anlage wollen wir selbst in Betrieb kriegen", erklärt Dieter Thumm.

Zunächst werden jedoch die Labore eingerichtet. Das Projekt werde sich kontinuierlich weiterentwickeln. Los geht es zunächst klein: mit einem Plastikbaustein. Der könnte nächstes Jahr im Mai zum ersten Mal hergestellt werden, wenn alles nach Plan läuft.

Daten werden verarbeitet

Die GvSS wird im Produktionsprozess gewonnene Daten verarbeiten. Schüler der GvSS werden die Schnittstellen programmieren. "Es ist das erste Mal, dass dabei eine Kooperation mit einer kaufmännischen Schule gibt", erklärt Dieter Thumm. "Das ist für uns ein Gewinn." Den sieht auch die Leiterin der GvSS, Gabriele Tepaß. Besonders interessant sei die Zusammenarbeit für das Berufskolleg Wirtschaftsinformatik, aber auch der neue Beruf Kaufmann E-Commerce, den die Schule als einer von zwei Standorten im Land ausbilden will, wird Ergebnisse der Lernfabrik nutzen.

Um das Projekt zu begleiten, soll noch ein Beirat gegründet werden, in dem neben den Schulen, auch Vertreter der Stadt, der Hochschule Heilbronn und aus der Wirtschaftsförderung sitzen sollen.