Schnelles Internet? Nicht auf dem Land

Heilbronn  Die Heilbronner IHK kritisiert langsame Geschwindigkeiten abseits der regionalen Zentren und spricht von Marktversagen.

Von Manfred Stockburger

Schnelles Internet? Nicht auf dem Land

Glaubt man dem Stuttgarter Innenministerium, dann liegt das Land Baden-Württemberg bei der Breitbandversorgung im Spitzenfeld der Flächenländer. 78 Prozent der Haushalte hätten Anschlüsse mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde, 67 Prozent sogar mehr als als 100 Megabit. Die Heilbronner IHK lässt dies aber nicht gelten. Gerade im ländlichen Raum seien viele Unternehmen abgehängt. Heilbronn-Franken sei als Flächenregion "massiv davon betroffen".

Hohes Stadt-Land-Gefälle

Auf Basis des offiziellen Breitbandatlas hat die IHK deswegen eine Karte erstellt, die die Lage in der Region darstellt. Dabei wird das große Stadt-Land-Gefälle deutlich: Im nördlichen Landkreis Heilbronn und auch in Teilen des Hohenlohekreises hätten weniger als die Hälfte der Haushalte einen Zugang mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde. Zu den Schlusslichtern zählen Neudenau, Massenbachhausen, Jagsthausen Gundelsheim, Cleebronn, sowie Zweiflingen und Kupferzell. Im Kreis Schwäbisch Hall und in Main-Tauber ist die Lage noch schlechter. Einzig in Erlenbach und in Siegelbach steht die Ampel auf grün. Dort haben praktisch alle Haushalte mindestens 50 Megabit in ihrer Internetleitung.

"Unsere Forderung lautet aber, dass jedes Unternehmen mindestens einen Anschluss mit einem Gigabit benötigt", sagt Peter Schweiker von der IHK Heilbronn-Franken - also 1000 Megabit pro Sekunde. "Sonst können sie ihre digitalen Geschäftsmodelle gar nicht fahren."

Die Märkte sind liberalisiert

Auch auf Landesebene gießen die Industrie- und Handelskammern Wasser in den Online-Wein des Innenministeriums. BWIHK-Vize Christian Erbe bezeichnet die zahlen des Innenministeriums als "indiskutabel" und verlangt höhere Investitionen.

Peter Schweiker ist sich bewusst, dass der Ausbau durch die Privatisierung der Telekommunikationsbranche erschwert ist. "Die Schwierigkeit ist, dass wir es mit liberalisierten Märkten zu tun haben", sagt er. Angesichts der Unterversorgung des ländlichen Raums spricht er aber von "Marktversagen". Deshalb müsse der Staat im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften eingreifen, sofern es das Beihilferecht der EU zulässt.

"Aufbruch ins Gigabit-Zeitalter ist Lichtjahre entfernt"

Kritisch sieht Schweiker auch, dass das die Förderkulisse des Landes auf die Landkreise ausgerichtet sei. "Viele Unternehmen haben Standorte in mehreren Landkreisen", sagt der IHK-Geschäftsführer. "Die Planung ist eine Fahrt im Nebel." Die Kammer hätte es deswegen besser gefunden, wenn der Regionalverband die Zuständigkeit bekommen hätte. "Ich habe aber nicht den Eindruck, dass der auf diesem Feld noch aktiv ist."

Auch der Heilbronner FDP-Landtagsabgeordnete Nico Weinmann ist angesichts der der Unterversorgung mit breitbandfähigen Internetverbindungen in Teilen des Landkreises "etwas erschreckt". Mancherorts sei noch nicht einmal eine 16-Megabit-Leitung verfügbar. "Der versprochene Aufbruch ins Gigabit-Zeitalter sieht von dort noch Lichtjahre entfernt aus."


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