Schlechte Augen durchs Smartphone?

Heilbronn  Das menschliche Sehvermögen ist für Helligkeit und Tageslicht gemacht. Wer sein Handy dauernd nutzt, beansprucht sein Gehirn mehr. Vor allem junge Menschen sollten das Smartphone öfter mal weglegen.

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dpa-Story - Was sind die Zukunftsthemen 2017
Sollten wir das Smartphone unseren Augen zuliebe öfter mal ausschalten? Foto: dpa

Wir überprüfen vermeintliche Gesundheitstipps und allgemeine Weisheiten und gehen der Frage nach: Ist das wirklich medizinisches Wissen oder nur ein Mythos? In dieser Folge: "Schaden Smartphones und andere Geräte den Augen?"

Das Sehen entwickelte sich vor Urzeiten. Das menschliche Auge ist laut Prof. Lutz Hesse, Klinikdirektor für Augenheilkunde am SLK-Klinikum Gesundbrunnen, auf Tageslicht spezialisiert. Andere Augen, wie beispielsweise die der Katze, funktionieren dagegen optimal in der Dämmerung.

Wird das Handy in der Hand gehalten und werden auf dem Smartphone-Display hohe Kontraste angeboten, kann das menschliche Auge stundenlang ein scharfes Abbild liefern. Interessant laut Augenarzt Hesse dabei: Es ermüdet zuerst das Hirn, weniger das Auge, sofern eine korrekte Brille getragen wird, wenn dies erforderlich ist - zum Beispiel bei Alterssichtigkeit, Übersichtigkeit oder Hornhautverkrümmung.

Schlechte Augen durchs Smartphone?
Prof. Lutz Hesse, Klinikdirektor für Augenheilkunde am SLK-Klinikum Gesundbrunnen. Foto: SLK

Strahlung des Displays ist zu gering

"Keinesfalls schädigt die Strahlung eines Displays, also Licht, die Netzhaut, egal ob es sich dabei um blaues, rotes, gelbes, grünes oder weißes Licht handelt. Dazu ist die Strahlungsintensität viel zu gering, verglichen mit dem natürlichen Licht der Sonne am wolkenfreien Himmel", erklärt Prof. Hesse.

Die menschlichen Augen seien für Licht gemacht, wie Fische für das Wasser. Bis heute ist sei es nicht gelungen, Netzhauterkrankungen auf einen "normalen" Lichteinfall zurückzuführen. Ausnahmen sind Unfälle mit hoher Energie, beispielsweise beim Blick in einen Laser.

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Junge Menschen müssen aufpassen

Immer wieder wird das Smartphone im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen kritisch gesehen, was die Entwicklung von Heranwachsenden angeht. Dies ist bei der Augenheilkunde ähnlich: Denn kritisch wird das ständige Nutzen des Handys auch von Augenärzten beim "wachsenden Auge" bewertet, also bei jungen Menschen. "Bis zum 25. Lebensjahr kann durch stundenlange Naharbeit ein Längenwachstum des Auges begünstigt werden. Betroffene Menschen werden dann zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr kurzsichtig oder eine bestehende Kurzsichtigkeit wird schlimmer", betont Hesse.

Spätfolgen der Kurzsichtigkeit könnten im weiteren Verlauf des Lebens das Sehen drastisch, bis hin zu Blindheit, mindern. Der Chefarzt der SLK-Augenklinik weiter: "Nach heutigem Wissenstand gibt es eine einfache Prophylaxe: Eine Stunde bei Tageslicht im Freien verbringen - natürlich ohne Handy, Tablet oder Buch. Ein einfacher Vorschlag, aber für Eltern mit pubertierenden Kindern schwer umzusetzen...!"


Christian Klose

Christian Klose

Stv. Chefredakteur, Regionalleiter

Christian Klose ist stellvertretender Chefredakteur der Stimme und verantwortlich für die regionalen Inhalte. Ihm liegen relevante Premium-Themen auch für die digitalen Kanäle sehr am Herzen.

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