S-Bahn-Sitze: Verdreckt oder abgenutzt?

Sinsheim  Ein Bahn-Pendler aus Sinsheim beschwert sich über verdreckt wirkende Sitze in Zügen. Die Deutsche Bahn spricht von Abnutzungserscheinungen - und der Verkehrsverbund meldet in Kürze höhere Preise.

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Bahnpendler Mark Wiesenbach ist genervt. Dutzende Sitze in den Zügen sind verschmutzt. "Das ist eine Zumutung. Es sieht aus, als hätte jemand mit Schlamm verdreckte Fahrräder auf den Sitzen abgestellt." Der Sinsheimer geht mit eingeschalteter Handy-Kamera durch die Abteile und filmt willkürlich. Nahezu jeder zweite Sitz wirkt dreckig. Kurios: Die Sitze weisen immer dasselbe Muster auf. "Ich fahre schon lange Bahn. Das ist mir noch nirgends so aufgefallen wie in diesen Zügen", sagt der 32-jährige Mediendesigner.

Verdreckte S-Bahn-Sitze
Diese Flecken hat ein Pendler mit dem Handy in einer S-Bahn fotografiert. Fotos: Mark Wiesenbach

Wiesenbach vermutet, dass Vandalen am Werk gewesen waren. "Das ist kein Staub und es ist auch nicht verkrustet. Ich kann mir das nicht erklären." Einladend wirkten die Sitze nicht gerade. Vor rund einem Jahr seien ihm die fleckigen Polster zum ersten Mal aufgefallen.

Was den Sinsheimer stutzig macht: Es handelt sich immer um dieselben beiden Züge. Die S5 von Sinsheim nach Heidelberg, die um 5.12 Uhr abfährt. Und der Zug um 16.35 Uhr, der von Mannheim nach Sinsheim fährt. Er fordert die Sitze auszutauschen.

Die Deutsche Bahn löst auf

Die beiden Zugverbindungen fallen in den Verantwortungsbereich der Deutschen Bahn. Dort kann man sich die Flecken zunächst nicht erklären. Eine Woche nach Anfrage dann die Auflösung. Es handle sich nicht um Verschmutzungen, sondern um Abnutzungserscheinungen, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn in Stuttgart. Die Wagen seien seit 2001 im Einsatz und sollen ab kommendem Juni durch neue Mireo-Fahrzeuge von Siemens ausgetauscht werden. "Trotzdem werden die Fahrzeuge gewartet, gereinigt und bei Bedarf ausgetauscht."

Darauf legt der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) sein Augenmerk. Es bestehe aber keine direkte Vertragsbeziehung. "Das macht das Land Baden-Württemberg", sagt VRN-Sprecher Axel Thiemann. Der Nahverkehr Baden-Württemberg bestelle die Verkehrsleitungen. Erhalte der VRN Kenntnis über Missstände, fordere man beim Verkehrsunternehmen - in diesem Fall die Deutsche Band - Lösungen. "Wenn wir darüber informiert werden, können wir darauf hinwirken und Strafzahlungen veranlassen." Beschwerden zur Qualität der Sitze seien bislang aber nicht eingegangen.

Preiserhöhung in den kommenden Monaten

Wiesenbach erklärt, dass er sich bereits im April dieses Jahres bei der Deutschen Bahn beschwert habe. Es würde zwar nicht schön aussehen, sei aber nicht schlimm, habe er als Antwort erhalten. Die Bahn wollte sich dazu nicht äußern. Was Wiesenbach aufregt: In den kommenden Monaten soll der Fahrpreis angehoben werden. Der VRN bestätigt die Information, will aber noch nicht sagen, um wie viel. Wiesenbach ist verärgert. "Das ist eine Riesensauerei."

 

Jürgen Kümmerle

Jürgen Kümmerle

Reporter

Jürgen Kümmerle ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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