Rückschlag für die Zabergäubahn

Region  Erste Ergebnisse der Kosten-Nutzen-Rechnung fallen negativ aus. Das sagte der Heilbronner Landrat Detlef Piepenburg im Stimme-Interview. Er will weiter verhandeln, um dem Projekt doch noch eine Chance zu geben. Und er sieht immer noch Probleme mit der Stadtbahn.

Von Reto Bosch
Rückschlag für Zabergäubahn

1964 ist der erste Schienenbus der neuen Zabergäubahn auf Normalgleisen in Brackenheim eingefahren.

Foto: Archiv/Eisenmenger

Mit Spannung erwarten viele Bürger das Ergebnis der Standardisierten Bewertung zur Zabergäubahn. Sie entscheidet darüber, ob es Fördergeld geben könnte. Von dem angepeilten volkswirtschaftlichen Nutzen ist das Projekt noch weit entfernt, sagt Landrat Detlef Piepenburg im Interview mit der Heilbronner Stimme. Er hofft, das doch Blatt noch wenden zu können.

 

Herr Piepenburg, Sie haben mit dem jetzigen Kreistag den letzten Etat vor der Kommunalwahl verabschiedet. Wie groß ist die Wehmut?

Detlef Piepenburg: Das Gremium hat sehr konstruktiv zusammengearbeitet. In fünf Jahren lernt man sich schon näher kennen. Viele Kreisräte waren über mehrere Sitzungsperioden dabei.

 

Bekannte Namen wie Harry Brunnet, Dieter Böhringer oder Bruno Spohrer verlassen das Gremium. Was heißt das für den neuen Kreistag?

Piepenburg: Wir werden eine neue Zusammensetzung des Kreistages erleben. Es geht gewiss auch Erfahrung verloren. Ich bin aber sicher, dass das neue Gremium nach der Wahl zusammenwachsen wird.

 

Die Erfahrung dieser Kommunalpolitiker hätte vermutlich auch bei den anstehenden Großprojekten geholfen. Wie weit ist die Standardisierte Bewertung für die Zabergäubahn? Schon im Sommer sollte das Ergebnis vorliegen.

Piepenburg: Die ersten Ergebnisse waren nicht gut genug, um eine Förderung zu bekommen.

 

Das heißt, der errechnete volkswirtschaftliche Nutzen ist zu gering?

Piepenburg: Ja, so waren die ersten Ergebnisse. Jetzt gilt es, gemeinsam mit den Zuschussgebern bei Land und Bund die Stellschrauben zu identifizieren, um doch noch in den machbaren Bereich zu kommen. So könnte sich die Situation verändern, wenn man weniger Züge einsetzt. Allerdings verringern sich dann nicht nur die Kosten, sondern auch der Nutzen. Auch über den Ausbaustandard der Strecke, die ja immer noch der DB gehört, wird zu reden sein.

 

Sehen Sie noch eine Chance?

Piepenburg: Ja, die weiteren Berechnungen brauchen aber Zeit. Ich hoffe, dass wir im Frühjahr ein endgültiges Ergebnis haben. Sollte die Kosten-Nutzen-Relation von 1,0 verfehlt werden, gibt es keine Fördermittel, und die Zabergäubahn könnte als Zugstrecke entwidmet werden. Das will ich - wenn es möglich ist - verhindern.

 

Wie weit ist die Zabergäubahn denn von dem mindestens notwendigen Wert 1,0 entfernt?

Piepenburg: Sagen wir so: Die vorläufigen Ergebnisse liegen nicht so dicht an der 1,0, dass man getrost sagen könnte: Wir haben es demnächst auf der Reihe. Da klafft schon eine deutliche Lücke. Klar ist jedenfalls: Ohne Förderung kann das Projekt nicht gestemmt werden.

 

Wir haben schon oft über die Zugausfälle und Verspätungen der Stadtbahn, vor allem der S4, gesprochen. Verbessert hat sich nichts. Warum?

Piepenburg: Ich habe manchmal sogar den Eindruck, dass es schlechter geworden ist. Das größte Problem ist wohl nach wie vor der Fachkräftemangel.

 

Die AVG bildet doch verstärkt aus.

Piepenburg: Ja, am Ende eines Ausbildungskurses stehen aber nach Aussage der AVG nicht alle Teilnehmer zur Verfügung, manche bestehen die Prüfungen nicht. Das ist inzwischen auch im Busverkehr zum Problem geworden. Wir haben ein großes Interesse daran, dass sich die Situation so schnell wie möglich verbessert.

 

Viele Einflussmöglichkeiten haben Sie aber nicht. Vertragspartner mit der AVG ist das Land.

Piepenburg: Das stimmt. Ich habe aber dem Verkehrsminister einen Brief geschrieben: Wenn es nicht bald besser wird, muss für die Fahrgäste ein ergänzender Busverkehr auf der gleichen Verbindung eingerichtet werden - natürlich auf Kosten des Landes, das ja auch die Vertragsstrafen der AVG erhält. Jetzt warte ich auf Antwort.

 

Welche Priorität hat für Sie der zweigleisige Ausbau der S4?

Piepenburg: Das ist sehr wichtig. Auf dieser Strecke sind viele Pendler unterwegs. Um einen vernünftigen Fahrplan anbieten zu können, muss die Zweigleisigkeit her. Das fordern wir seit Jahren. Land, AVG und DB müssen klären, wie die Infrastruktur ausgebaut wird.

 

Das Kreisberufsschulzentrum ist in die Jahre gekommen, der Handlungsbedarf wächst. Sie selbst sind bis 2021 gewählt. Werden die Arbeiten dann schon begonnen haben?

Piepenburg: Auf jeden Fall. Eine kleine Planungsrate ist im kommenden Jahr vorgesehen. Wir reden bei diesem Projekt möglicherweise über einen dreistelligen Millionenbetrag. Da müssen wir verantwortungsvolle Entscheidungen treffen, das beinhaltet auch den richtigen Zeitpunkt. So groß ist der Handlungsdruck ja nicht, dass wir sofort agieren müssen. Zu prüfen ist, ob wir sanieren oder neu bauen. Entscheidend wird auch sein, wie wir am besten an Fördermittel gelangen. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen wird eine der ersten Aufgaben des neuen Kreistags sein.

 

Wir haben über viele Aufgaben und Projekte gesprochen. Ihre derzeitige Amtszeit endet 2021. Wie geht es dann weiter?

Piepenburg: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Es besteht die Möglichkeit, dass ich noch einmal antrete. Ich werde das zu gegebener Zeitpunkt entscheiden. Die Arbeit bereitet mir viel Freude, wir haben im Landratsamt einen guten Teamgeist. Die Aufgaben des Landrats sind zeit- und kraftraubend, keine Frage, aber die Arbeit macht mir nach wie vor viel Freude. Wir haben sehr gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 


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