Robert-Mayer-Preisträger fordert Umkehr im Energiesystem

Heilbronn  Ein Fachjournalist wird in der Heilbronner Experimenta für seinen Blick auf Defizite der Energiewende prämiert. Er regt an, Strom nach der CO2-Belastung zu verteilen. Seinen Preis findet er "cool", den Namensgeber Robert Mayer musste er erst einmal googeln.

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Robert-Mayer-Preisträger fordert Umkehr im Energiesystem

Robert-Mayer-Preisträger Gregor Honsel (Mitte) in der Experimenta, umrahmt von VDI-Vertreter Harald Bradke (links) und OB Harry Mergel. Mit 3000 Euro ist der Preis des Vereins Deutscher Ingenieure dotiert.

Foto: Ralf Seidel

Mitten in die aktuelle Debatte um die Klimakrise und die notwendigen Weichenstellungen in der Bundespolitik setzt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in der Heilbronner Experimenta ein Zeichen: Gemeinsam mit Oberbürgermeister Harry Mergel zeichnete der Verband am Dienstagabend mit Gregor Honsel einen Fachjournalisten mit dem Robert-Mayer-Preis 2019 aus, der sich kritisch mit der Praxis der Energiewende in Deutschland auseinandergesetzt hat.

Honsel habe in seiner Arbeit mit dem Titel "Und jetzt?" verdeutlicht, welche Möglichkeiten es gebe, mit einer C02-Bepreisung im Energiesystem die Energiewende zum Erfolg zu führen, lobte Prof. Harald Bradke, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt. Er habe komplexe technische Probleme in eine leicht verständliche Sprache übersetzt und aufgezeigt, was notwendig sei, um Stolpersteine im System zu überwinden. Ohne die Bevölkerung "kriegen wir die Energiewende nicht hin", betonte Bradke.

Eine Idee: Im neuem System soll Ökostrom Braunkohlestrom "aus dem Netz drängen"

Der Hannoveraner Honsel (50), Redakteur bei der Fachzeitschrift "Technology Review", setzte sich kritisch mit dem Energiesystem auseinander. In vielen Bereichen würden technische Zukunftskonzepte entwickelt, die mit regenerativer Energie funktionieren sollen. Nur: "Ohne Effizienzgedanken ist Ökostrom-Verbrauch wenig sinnvoll", man könne nicht unbegrenzt Ökostrom erzeugen. "Jede Kilowattstunde kann nur ein Mal verbraucht werden", Ökostrom sei "ein knappes Gut". Ideal wäre, das Energiesystem neu zu designen und jede Kilowattstunde nach der C02-Belastung zu verteilen.

Dann könne man beispielsweise Ökostrom nehmen, "um Braunkohlestrom aus dem Netz zu drängen". Honsels Fazit: Verkehr, Wärmemarkt und Rohstoffindustrie müssen auf Strom aus Sonne und Wind umgestellt werden. Doch die Energiepolitik stehe sich selbst im Weg. Außerhalb des Stromnetzes mache sich erneuerbare Energie noch sehr rar.

OB Mergel empfiehlt Politikern in Bund und Land die Lektüre von Honsels Analyse

Für OB Harry Mergel war es eine besondere Ehre, den Robert-Mayer-Preis zu verleihen, der auf den Heilbronner Arzt und Naturwissenschaftler zurückgeht. Mit seinem Erhaltungssatz der Energie beschrieb Mayer einen wichtigen physikalischen Leitsatz, für den ihm erst spät im Leben Anerkennung zuteil wurde. Das Thema sei "so aktuell wie nie", Robert Mayers Leitsatz sei in vielen Klimaschutzkonzepten enthalten. Doch leider sei die euphorisch begonnene Energiewende "ins Stocken geraten", bemängelte Mergel. Da sei es wichtig, dass Fakten einmal verständlich auf den Tisch kommen. Honsels Beitrag könne er Entscheidern in Bund und Land "nur wärmstens empfehlen", sagte der Oberbürgermeister.

Preisträger Honsel trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Den mit 3000 Euro dotierten Preis nannte er eine "coole" Auszeichnung. So ein positives Feedback bekomme man sonst im Redaktionsalltag kaum. Honsel war erstmals in Heilbronn. Sein Wissen über Robert Mayer hat er nun erweitert. Offen räumte er ein: "Den Namen musste ich erst einmal googeln."


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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