Richtig anfeuern: Feinstaub aus dem Kamin

Region  Am Wochenende waren die Feinstaubwerte in Heilbronn so niedrig wie lange nicht. In der Kälte wird eine neue Feinstaubquelle zum Thema. Den Holzofen im Wohnzimmer muss man nicht gleich stilllegen. Ein Schornsteinfeger gibt im dritten Teil unseres wöchentlichen Feinstaub-Briefings Tipps.

Von Lisa Reiff

Die Onlineredaktion der Heilbronner Stimme misst seit Anfang November die Feinstaub-Belastung in Heilbronn. Dafür haben wir 15 selbstgebaute Messgeräte in der Innenstadt, in Wohngebieten und an stark befahrenen Straßen aufgestellt. Bis zum Frühjahr 2018 berichten wir jeden Montag auf Stimme.de über unsere Messungen. Alle Werte unserer Messgeräte können Sie unter feinstaub.stimme.de einsehen.

Mehr zum Projekt: Wie viel Feinstaub belastet die Luft in Heilbronn?


Das war in der vergangenen Woche auffällig:

Dass der erste Schnee in der Region nicht für bessere Luft gesorgt hat, haben wir letzte Woche mit dem Deutschen Wetterdienst geklärt. Die Feinstaubwerte über das winterliche Wochenende müssen aus einem anderen Grund so niedrig gewesen sein. Messfehler bei allen unseren selbstgebauten Geräte? Nein, unsere Messwerte decken sich mit denen der Landesanstalt für Umwelt (LUBW). 

Schornsteinfeger beraten Ofenbesitzer
Mit Holz zu heizen will gelernt sein. Schornsteinfeger kontrollieren Feuerstätten und geben Tipps. Foto: dpa  

In der Kälte wird eine andere Feinstaubquelle zum Thema, die wir in nächster Zeit betrachten: Holzöfen tragen neben Wetter und Straßenverkehr auch zu erhöhten Feinstaubwerten bei. Daher messen wir auch in Wohngebieten. Nach Angaben des Umweltbundesamtes stammen gut 16.000 Tonnen Feinstaub von rund 220.000 Tonnen der deutschlandweiten Emissionen von Kleinfeuerungsanlagen.

In Baden-Württemberg gelangen 20 Prozent der Feinstaubemissionen über Kamine in die Luft. In Heilbronn waren das im Jahr 2014 laut LUBW acht Tonnen Feinstaub. Dieser Anteil stammt aus Haushalten, die mit Gas, Öl, Kohle oder Holz heizen. Nach Angaben der LUBW gehen mehr als 90 Prozent dieses Feinstaub-Anteils auf Holzöfen zurück.  

Wetterexperte Jörg Kachelmann sagt: „Besonders hoch ist die Feinstaubbelastung auch in den vornehmen Vorstädten, wo die Großkopferten wohnen und mit offenen Holzkaminen heizen. Wenn Sie dort Feinstaub messen, werden die Werte vor allem am Wochenende hochgehen – dann, wenn gar nicht viel Verkehr unterwegs ist.“ 

Damit das Heizen mit Holz eine umweltfreundliche Alternative bleibt, muss man ein paar Dinge beachten. Foto: dpa
Damit das Heizen mit Holz eine umweltfreundliche Alternative bleibt, muss man ein paar Dinge beachten. Foto: dpa  

Der Heilbronner Schornsteinfegermeister Uwe Wütherich formuliert die Beobachtung ganz einfach: "Oben raus kommt, was man unten reinwirft." Sein Kehrbezirk umfasst auch Böckingen und Frankenbach. Dort erklärt er den Ofenbesitzern, wie sie das Holz richtig verfeuern.

Das bedeutet: Bis zu einem Jahr lang trocken lagern, nur unbehandeltes Holz verbrennen – und vor allem keinen Müll. Auch auf diese Idee kämen manche. Weit verbreiteter Irrtum sei, die aufgeschichteten Holzscheite im Ofen unten anzuzünden. „Man soll das Holz oben anzünden", sagt Schornsteinfeger Wütherich.

Für seinen Kehrbezirk rechnet Wütherich mit 1500 sogenannter „Komfortkamine“. Das sei etwa Hälfte der Haushalte, für die er zuständig ist. Auf dem Land hätten viel mehr Leute einen Holzofen, der für Gemütlichkeit im Wohnzimmer sorgt.


Das gibt es Neues

Die Weihnachtspost ist ein bisschen früher in der Redaktion angekommen. Bis Weihnachten möchten wir noch weitere Messgeräte im Stadtgebiet verteilen. Nachdem sich regelmäßig Leser bei uns melden, die auch Feinstaub messen wollen, haben wir fünf neue Sensoren bestellt.

Aus Sontheim und Klingenberg haben wir noch keine Anfrage bekommen. Diese blinden Flecken auf der Feinstaub-Karte und die Neckarsulmer Straße Richtung B27 möchten wir noch abdecken. Leser, die an diesen Standorten wohnen, können sich per Mail an feinstaub@stimme.de melden.

Einigen Lesern aus dem Landkreis mussten wir leider absagen, weil wir mit der begrenzten Anzahl unserer Messgeräte zunächst verschiedene Standorte direkt im Stadtgebiet abdecken möchten. Die Sensoren weit im Stimme-Gebiet zu verstreuen, ist nach unserer Einschätzung nicht zielführend. Das soll aber niemanden davon abhalten, ein eigenes Feinstaub-Messgerät zu bauen. Auf luftdaten.info gibt es eine Anleitung.