Richter schicken Paketbomben-Bastler hinter Gitter

Region  Das Amtsgericht Heilbronn verurteilt einen 26-Jährigen zu einer Gefängnisstrafe. Der Angeklagte wollte mit einer Paketbombe 400 Euro Schulden bei einem Kumpel eintreiben. Das Päckchen explodierte in Händen des Opfers.

Von Helmut Buchholz

Richter schicken Paketbomben-Bastler hinter Gitter

Gefährliche Körperverletzung und "Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion": Die Richter ließen im Falle eines 26-jährigen Angeklagten keine Milde walten. Foto: Berger

Ein 26-Jähriger aus einer Kraichgaukommune hat zu drastischen Maßnahmen gegriffen, um 400 Euro Schulden bei einem Kumpel einzutreiben: Er hat eine Paketbombe gebastelt, die auch tatsächlich in den Händen des Schuldners explodierte. Das Heilbronner Amtsgericht hat den Mann am Donnerstag wegen "Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion" und gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Der Angeklagte legte vor Gericht ein vollständiges Geständnis ab. Seine Rechtsanwältin Sophie Bechdolf-Reif erklärte für ihn, dass der 26-Jährige seinem Kumpel lediglich einen gehörigen Schrecken einjagen und eine Abreibung verpassen wollte. Verletzungen habe er zwar billigend in Kauf genommen. Aber dass die "Riesendummheit" solche Konsequenzen nach sich ziehe, damit habe er nicht gerechnet. Der Angeklagte habe selbst mal "aus Spaß" eine Paketbombe von einem anderen Kumpel erhalten. Dieser habe ihm auch geholfen, die Paketbombe für den Schuldner zu bauen. Die Identität des Komplizen wollte der 26-Jährige aber nicht preisgeben.

Die Paketbombe bestand aus zwei Polenböllern, inklusive Zündmechanismus

Die Paketbombe bestand aus zwei sogenannten Polenböllern, inklusive einem Zündmechanismus. Von außen habe das Paket wie ein ganz normales Päckchen ausgesehen. Laut Anklagesschrift habe es der Angeklagte dann zur Weihnachtszeit 2017 im Eingangsbereich des Heilbronner Mehrfamilienhauses deponiert, wo der Schuldner wohnte. Dort blieb es erstmal einige Tage im Bereich der Briefkastenanlage liegen. Erst als ein Postbote den Empfänger im Haus auf die Sendung aufmerksam machte, holte das Opfer das Paket zu sich in die Wohnung.

Beim Öffnen sei es dann mit einem lauten Knall explodiert, sagte der Schuldner als Zeuge vor Gericht aus. Zwar erlitt das Opfer "nur" ein Knalltrauma und eine Verletzung an der Hand. Doch die Paketbombe sei geeignet gewesen, erheblichere Verletzungen zu verursachen, sagte Staatsanwalt Hans-Georg Eckert in seinem Plädoyer. Die Tat sei keine Lappalie, sondern ein Verbrechen. Er forderte exakt die Strafe, welche die Richter dann verhängten.

Verteidigerin Bechdolf-Reif hatte noch mit Engelszungen um eine "bewährungsfähige" Strafe gebeten. Ihr Mandant sei reumütig. Doch es nützte auch nichts, dass der 26-Jährige sich noch im Gerichtssaal mit einem Handschlag beim Opfer entschuldigte, 500 Euro Schmerzensgeld übergab und auf die 400 Euro Schulden verzichtete. Die Richter folgten in ihrem Urteil voll und ganz dem Staatsanwalt. Straferschwerend war vor allem, dass der Angeklagte zur Tatzeit wegen gewerbsmäßiger Hehlerei unter Bewährung stand.

Richter Reißer: "Man darf keine Selbstjustiz üben."

Die Straftat sei "massiv", sagte Richter Michael Reißer. Sie sei besonders heimtückisch. "Zu Weihnachten erwartet man Pakete." Andere seien gefährdet gewesen, als das Paket im Eingangsbereich stand. Zudem habe der 26-Jährige den Schuldner vor der Bomben-Aktion bedroht, kündigte ihm per Handy-Nachricht an, die Nase zu brechen. Es handele sich nicht um eine Spontantat, sondern um eine "äußerst durchdachte" Aktion. Man dürfe keine Selbstjustiz üben, wenn man Schulden eintreibe. Reißer: "Es hätte schlimm ausgehen können." Als Bewährungsbrecher könne man nicht mehr auf Milde hoffen.

 


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