Richter gewähren brutalem Räuber Strafrabatt

Heilbronn  Das Landgericht Heilbronn verurteilt einen 30-Jährigen zu elfeinhalb Jahren Haft. Er hatte mit drei Komplizen ein Rentner-Ehepaar in dessen Wohnung in Neckargartach brutal überfallen. Der Fall ist schon ein zweites Mal vor Gericht.

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Richter gewähren brutalem Räuber Strafrabatt

Eingangsbereich des Landgerichts Heilbronn in der Wilhelmstraße. Foto: Berger

Das Landgericht Heilbronn hat am Freitag einen 30-Jährigen wegen erpresserischen Menschenraubs zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Georgier hatte im November 2017 mit drei Komplizen ein Rentner-Ehepaar äußerst brutal in dessen Neckargartacher Wohnung überfallen und in Todesangst versetzt. Bis heute sind die Opfer schwer traumatisiert.

Zuerst wollten die Richter den Räuber 13 Jahre hinter Gitter schicken

Der Fall musste von der 14. Großen Strafkammer ein zweites Mal verhandelt werden, weil die Revision gegen das erste Urteil einer anderen Kammer des Landgerichts Erfolg hatte. Der Bundesgerichtshof hob das erste Urteil aus dem August 2018 wegen eines Formfehlers auf. Damals hatten die Richter den Angeklagten noch für 13 Jahre hinter Gitter schicken wollen.

Den Strafrabatt von eineinhalb Jahren rechtfertige der Vorsitzende der 14. Großen Strafkammer am Landgericht, Martin Liebisch, mit der sehr langen Verfahrensdauer, die aus der erfolgreichen Revision resultiere. Der 30-Jährige habe dadurch lange in Untersuchungshaft gesessen, er sei nicht vorbestraft.

Räuber versetzten ihre Opfer in Todesangst

Den Überfall nannte Richter Liebisch ein "alptraumhaftes Geschehen". Das Rentner-Ehepaar sei wehr- und arglos im Bett gelegen, als die Täter mit brachialer Gewalt die Terrassentür zum Schlafzimmer mit einem derart lauten Knall aufwuchteten, dass der 75-Jährige zuerst dachte, ein Flugzeug stürzt ab. Der Angeklagte habe sich sofort auf den Senior im Bett gestürzt und mit einem Schraubenzieher so zugestochen, dass "Blut bis an die Wand spritzte", wie der Rentner als Zeuge vor Gericht ausgesagt hatte.

Ein anderer Täter ging auf die Ehefrau los, packte sie am Hals und würgte sie. Die Räuber versetzten ihre Opfer in Todesangst. Sie drohten mit einer Handgeste, ihnen die Kehle durchzuschneiden, falls sie nicht Wertgegenstände und Bargeld herausrückten. Selbst einer 90-Jährigen, die im Rollstuhl sitzt und im Obergeschoss des Hauses lebte, drohten sie, den Finger abzuschneiden, falls sie nicht den Ehering freiwillig hergibt.

Der Angeklagte schwieg bis zum Schluss

Das Rentner-Ehepaar musste erneut von seinen Qualen als Zeugen vor Gericht berichten. Das Paar hatte wenig Verständnis dafür, dass der Fall wegen eines Formfehlers noch mal von vorne beginnen musste. "Ich hätte Ihnen die Aussage gerne erspart", sagte Richter Liebisch. Doch der Angeklagte schwieg bis zum Schluss zu den Vorwürfen. Seine Verteidigerin hatte Freispruch beantragt. Die Richter hatten jedoch keine Zweifel an der Täterschaft aufgrund zahlreicher Indizien, unter anderem einer DNA-Spur vom Angeklagten, die auf dem Schlafanzug des 75-Jährigen gefunden wurde.

Der Georgier ist Mitglied einer Bande aus Landsleuten, die ihren Rückzugsort in Chemnitz haben soll und in ganz Deutschland ähnlich brutale Raubüberfälle verübt.


Helmut Buchholz

Helmut Buchholz

Autor

Helmut Buchholz arbeitet seit 1999 bei der Heilbronner Stimme. Er kümmert sich im Stadtkreisressort um die Themen Gericht, Polizei und Soziales. Er leitet außerdem das Thementeam Migration.

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