Regionales Bündnis will den Wandel der Arbeitswelt gestalten

Neckarsulm  Die Region soll eine wirtschaftliche Top-Adresse bleiben, das ist das Ziel des Bündnisses für Transformation. Nun haben die Koordinatoren vorgestellt, wie sie den Umbruch in der Metall- und Elektroindustrie bewältigen wollen.

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Die Autobranche, die für die Region so wichtig ist (im Bild die Produktion des A8 bei Audi in Neckarsulm), ist besonders stark vom Veränderungsprozess betroffen. Letztlich werden sich aber alle Branchen gewaltig verändern.

Fotos: Archiv, Schönknecht/stock.adobe.com

Das regionale Bündnis für Transformation nimmt seine Arbeit auf. Gestern stellten die Koordinatoren Steffen Hertwig und Rudolf Luz die zentralen Handlungsfelder vor, die sie künftig beackern wollen. Der Neckarsulmer Oberbürgermeister Hertwig war Ende Januar vom Verein Pro Region zum Koordinator des Bündnisses ernannt worden, der Gewerkschafter Luz, zweiter Vorsitzender von Pro Region, steht ihm als Stellvertreter zur Seite. Erklärtes Ziel des Bündnisses ist es, den gewaltigen Veränderungsprozess in der Metall- und Elektroindustrie in der Region Heilbronn-Franken zu begleiten und zu gestalten.

Wirtschaftlich top bleiben

"Wirtschaftlich ist die Region eine Top-Adresse in Deutschland - und das wollen wir bleiben", sagte Hertwig. Die Veränderungen, die mit der Digitalisierung aller Branchen und dem Umbruch in der Autoindustrie verbunden sind, seien die "wohl umfassendsten seit der Erfindung der Dampfmaschine, und sie kommen mit rasender Geschwindigkeit und hoher Dynamik". So steht es im Arbeitspapier, das Hertwig und Luz verfasst haben und das in der nächsten Sitzung des Leitungskreises am 13. März verabschiedet werden soll. In diesem Gremium sitzen Vertreter der Kommunen, der Kammern, der Tarifpartner, der Wirtschaftsförderer, der Arbeitsagenturen und von Pro Region.

Fördertöpfe anzapfen

Vier Bereiche haben die Bündniskoordinatoren für ihre Arbeit definiert. Zum einen geht es um den Zugang zu Fördermitteln, die Land, Bund und Europäische Union zur Verfügung stellen. Hertwig wies auf die Fülle an Förderprogrammen hin, die aber bei vielen Unternehmen gar nicht bekannt seien. Deshalb sollen die regionalen Wirtschaftsfördergesellschaften die Förderlandschaft im Blick behalten und Unternehmen und gegebenenfalls Kommunen bei der Antragstellung unterstützen.

Zweitens will das Bündnis Betriebe und Beschäftigte bei der Qualifizierung unterstützen. Die Arbeitsagenturen sind hier ein wichtiger Partner. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen seien häufig überfordert, wenn es darum geht, die Mitarbeiter fit für die Arbeitswelt der Zukunft zu machen. Obwohl es viele Weiterbildungsprogramme gebe, seien diese oft nicht bekannt, sagte Hertwig. Rudolf Luz wies darauf hin, dass die Unternehmen in diesem Bereich vieles selbst machen müssten. "Wir können nur Impulse setzen."

Kommunen als wichtige Partner

Drittens sollen die Kommunen in den Transformationsprozess eingebunden werden. "Die Bürgermeister sind oberste Wirtschaftsförderer ihrer Kommunen", stellte Hertwig die Bedeutung der Städte und Gemeinden heraus. Wichtig ist ihm, dass es sich um ein Bündnis für die gesamte Region handele, in dem Kirchturmdenken und Ehrenkäsigkeit nichts verloren hätten. Schließlich will das Bündnis mithelfen, Zukunftstechnologien in die Region zu holen. Hertwig nannte als Beispiel Wasserstoff und die Brennstoffzellentechnologie. Hilfreich sei die dynamische Entwicklung im Hochschulbereich. "Das geht in die richtige Richtung", sagte Hertwig.

Wie lang das Bündnis für Transformation bestehen wird, ist nicht festgelegt. "Wir wissen auch nicht, wie erfolgreich es sein wird", räumte Hertwig ein. Luz betonte, dass es schon ein Erfolg sei, alle relevanten Akteure ins Boot geholt zu haben. Ein vergleichbares Bündnis sei ihm in Deutschland nicht bekannt.

Entwicklungsprozess

Die Koordinatoren Steffen Hertwig und Rudolf Luz erkennen zwar an, dass der Transformationsprozess schon begonnen hat und daher Schnelligkeit geboten ist. Gleichwohl möchte das Bündnis strukturiert vorgehen und nicht in Aktionismus verfallen. "Wir sind in einem Entwicklungsprozess", betonte Luz. Ziel sei es, alle Beteiligten in diesem Prozess mitzunehmen und sie zu Akteuren zu machen. Nur gemeinsam könne man erfolgreich sein.


Kommentar: Mit Leben füllen

Die Ziele sind gesteckt, die Handlungsfelder definiert. Jetzt kommt es darauf an, das Bündnis für Transformation ins Laufen zu bringen und den Ankündigungen Taten folgen zu lassen. Es ist gut, dass mit Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig und dem Gewerkschafter und Pro-Regions-Vorstandsmitglied Rudolf Luz zwei Akteure an der Spitze des Bündnisses stehen, die in der Region gut vernetzt sind und über kommunalpolitische und wirtschaftliche Kompetenz verfügen.

Doch alleine können die beiden Koordinatoren gar nichts bewegen. Sie sind auf die Mithilfe der Partner angewiesen, von denen jeder in seinem Bereich mitarbeiten muss: die Arbeitgeber und Gewerkschaften in den Betrieben, die Arbeitsagenturen bei der Qualifizierung, die Wirtschaftsförderer beim Anzapfen der Fördertöpfe, die Kommunen als Ansprechpartner und Entscheider vor Ort, die Kammern und Pro Region als Unterstützer und Ratgeber im laufenden Veränderungsprozess.

Entscheidend für den Erfolg dieses breiten Bündnisses sind aber letztlich die Unternehmen und die Mitarbeiter selbst. Nur wenn sie bereit sind, neue Wege zu gehen und Veränderung nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreifen, lässt sich der unaufhaltsame Wandel positiv gestalten.

 


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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