Regionales Bündnis will Arbeitsplätze und Industriestandort erhalten

Öhringen  Der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig ist Koordinator des Bündnisses für die Transformation in der Metall- und Elektroindustrie. Der Verein Pro Region sieht sich als Impulsgeber für gemeinschaftliches Handeln zum Wohle Heilbronn-Frankens.

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Die Läpple-Gruppe (im Bild der moderne Rohbau in Heilbronn) ist auch vom Strukturwandel in der Metall- und Elektroindustrie betroffen.

Foto: Jürgen Paul

Der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig soll die Bemühungen der Region koordinieren, den Transformationsprozess in der Metall- und Elektroindustrie (M & E) zu bewältigen. Das gab der Verein Pro Region bei einem Treffen am Montagabend in der Sparkasse Hohenlohekreis in Öhringen bekannt. Hertwig setzt bei dieser schwierigen Aufgabe auf gemeinsames Handeln. "Ich will alle Akteure zusammenbringen", sagte er am Montag der Heilbronner Stimme.

Pro Region hat sich das Thema angesichts der gravierenden Veränderungen in der Autobranche und im Maschinenbau schon länger auf die Fahnen geschrieben. Der Verein sieht sich vor allem als "Impulsgeber", will, wie der stellvertretende Vorstand Rudolf Luz betonte. Deshalb habe man in den zurückliegenden Wochen nach einer Person gesucht, die die Koordination der verschiedenen Initiativen und Hilfsangebote in die Hand nimmt und den Transformationsprozess moderiert. Und die Akteure - Kommunen, Bürgermeister, Landräte, Kammern, Tarifpartner, Arbeitsagenturen, Wirtschaftsförderer, Regionalverband und Unternehmen - auf gemeinsames Handeln zum Wohle der Region Heilbronn-Franken verpflichtet.

Audi-Stadt Neckarsulm am stärksten vom Wandel betroffen

Pro-Region-Mitgründer Frank Stroh sprach den Neckarsulmer Oberbürgermeister vor einigen Wochen an. "Ich habe sofort Ja gesagt", berichtete Hertwig nach der Veranstaltung. Er habe schon länger nach einem Ansatzpunkt gesucht, die verschiedenen regionalen Akteure zusammenzubringen, um gemeinsam die zentralen Zukunftsaufgaben anzugehen. Als Oberbürgermeister der Stadt Neckarsulm, die mit dem Schwergewicht Audi, Kolbenschmidt und weiteren Unternehmen aus der M & E-Branche am meisten vom industriellen Wandel betroffen sein wird, sei für ihn sofort klar gewesen, dass er sich dieser Aufgabe stellen werde, so Hertwig.

Rund eine Million Beschäftigte in Baden-Württemberg

Wie gravierend die Transformation sein wird, die nach Einschätzung von Rudolf Luz gerade erst beginnt, machten die Referenten in der Sparkasse in Öhringen deutlich. Saskia Drechsel von der Landestochter E-Mobil BW berichtete, dass in der baden-württembergischen Automobilbranche inklusive den Zulieferern aktuell 468.500 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Rechnet man den Maschinenbau hinzu, kommt man im Land auf etwa eine Million Arbeitsplätze, die vor der "umfassendsten Transformation der Wirtschaft seit Erfindung der Dampfmaschine" stehen, wie Pro-Region-Vorsitzender Jochen Kübler feststellte. Leider sei noch nicht in allen Unternehmen die Einsicht vorhanden, wie tiefgreifend diese Veränderungen sein werden, wurde mehrfach angemerkt.

Um diese Transformation so zu gestalten, dass die Menschen ihre Jobs behalten und die starke Industrie in der Region erhalten bleibt, bieten E-Mobil BW, die Arbeitsagenturen und die Agentur Q zahlreiche Unterstützungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Diese zu bündeln, in den Betrieben bekannt zu machen und dort rasch umzusetzen, sieht das Bündnis als seine zentrale Aufgabe an. Kommentar "Verantwortung"

Was Hertwig vor sich hat, ist eine "Mammutaufgabe"

Der Unterländer IG-Metall-Chef Michael Unser begrüßt, dass Steffen Hertwig die Rolle des Koordinators übernimmt - auch wegen dessen Nähe zu Audi und anderen wichtigen Firmen in Neckarsulm. Hertwig benötige jedoch die Unterstützung aller Beteiligten, um diese "Mammutaufgabe" zu stemmen, betonte Unser. Der regionale Südwestmetall-Chef Jörg Ernstberger wünscht sich, dass alle Akteure nun "gemeinsam an einem Strang und in eine Richtung ziehen".

Hertwig müsse in seiner neuen Rolle als Koordinator des Transformationsprozesses die gesamte Region und auch den Maschinenbau im Blick behalten, forderte Ernstberger. Wie auch Gewerkschafter Michael Unser zeigte sich der Arbeitgeber-Vertreter bereit, den Prozess aktiv in den Betrieben voranzutreiben und gemeinsam zu gestalten.


Kommentar: Verantwortung

Wer heute nicht vorsorgt, hat morgen das Nachsehen. Dieser Spruch beschreibt gut die Situation in der regionalen Metall- und Elektroindustrie. Die Automobilbranche und die Maschinen- und Anlagenbauer stehen vor gewaltigen Veränderungsprozessen. Die Stichworte Transformation zur E-Mobilität, Digitalisierung und Automatisierung sollen an dieser Stelle genügen.

Wer sich beim Verein Pro Region umhört, merkt schnell, dass viele Mittelständler die Dringlichkeit des Themas noch nicht verstanden haben. Die Beteiligung der Arbeitgeber an der Veranstaltung am Montag war bescheiden, während Vereinsgründer Reinhold Würth mit seinem Erscheinen deutlich gemacht hat, dass rasch etwas passieren muss.

Qualifizierung ist das Gebot der Stunde. Wer seine Mitarbeiter fit für die Zukunft machen will, muss jetzt damit beginnen. Angebote gibt es reichlich, nur sind sie oft nicht bekannt und werden daher nicht genutzt. Das soll Steffen Hertwig ändern. Er weiß, dass dies nur mit den regionalen Entscheidern geht, die sich nicht immer einig sind. Hertwig übernimmt Verantwortung in einer schwierigen Zeit. Er hat es verdient, dass Eigeninteressen und Kirchturmdenken zurückgestellt werden, um das große gemeinsame Ziel zu erreichen: eine zukunftsfähige, wirtschaftsstarke Region.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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