Reaktionen auf das drohende Knorr-Aus

Heilbronn  Stimme-Leser und -User kritisieren die Pläne des Unilever-Konzerns heftig, das Heilbronner Werk möglicherweise zu schließen. Die Immobilien am Standort sind noch nicht verkauft.

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Knorr Unilever Heilbronn
Das Heilbronner Knorr-Werk steht auf der Kippe. Foto: Archiv/Berger

Betroffene und Beobachter machen im Internet ihrem Ärger Luft über die drohende Schließung des Heilbronner Knorr-Werks. Die Kommentarspalten bei Facebook sind voller kritischer Anmerkungen zu den Plänen des Unternehmens. Unilever-Produktionschef Marc Engel hatte bei einer Belegschaftsversammlung angekündigt, dass er für den Standort nur eine Chance sehe, wenn die Kostenstruktur des Standorts "radikal umgebaut" würde. Teilnehmer der Veranstaltung berichten, dass die Kosten um weitere 25 Prozent reduziert werden müssten, damit der Standort eine Chance hat.

"Knorr gehört zu Heilbronn, leider zählt heute nur noch Profit und Gewinn", heißt es in einem Kommentar bei Facebook. Ein anderer schreibt: "Wer etwas anderes von Unilever erwartet hatte, nach den ganzen Taten der vergangenen Jahre, der ist leider weltfremd." Die Mitarbeiter in der Produktion würden ausgenommen wie die Weihnachtsgänse und sollen noch mehr leisten für weniger, schreibt eine Leserin. "Und schlussendlich wird geschlossen", sagt sie voraus. Die Knorr-Ahnen würden sich im Grab umdrehen, schreiben mehrere Leser. Dem Management bescheinigt ein Heilbronner Wirtschafts-Kenner per Mail ein "mieses Verhalten".

Kritik am Unilever-Management

Viele Kommentatoren gehen mit dem Unilever-Management hart ins Gericht: "Ich könnt' kotzen bei so viel Arroganz und Überheblichkeit", schreibt eine Frau. Eine ehemalige Mitarbeiterin kennt "ganz liebe Menschen, die dort arbeiten. Ich hoffe so sehr auf ein Wunder." Eine andere ehemalige Mitarbeiterin bekundet, dass "die Aktionäre den Hals einfach nicht voll bekommen können".

Welche Rolle spielt der Streit mit Kaufland? Die Neckarsulmer haben schließlich nach Auseinandersetzungen über den Preis sämtliche Unilever-Produkte, und damit auch Knorr aus dem Sortiment genommen? "Ich bin speziell auf Knorr-Produkte aus, da meine Mutter Knorr-Suppen in den 50er Jahren in damaligen Vivo-Läden vorgeführt hat", schreibt eine Leserin. Wenn man die sinkende Nachfrage durch seine Preisstrategie selbst initiiere, dann "kann man die Produktion auslaufen lassen".

Betriebsversammlung mit Protest-Aktion geplant

Der im April angekündigte Verkauf der Knorr-Immobilien entlang der Sontheimer und der Knorrstraße ist derweil noch nicht erfolgt, wie ein Unilever-Sprecher auf Stimme-Anfrage bestätigte. Ein Immobilien-Insider hatte damals geäußert, dass diese nur mit einer Option auf den Rest des Geländes interessant würden.

Der Knorr-Betriebsrat plant für Donnerstag im Rahmen einer Betriebsversammlung eine Aktion, mit der der Protest gegen das drohende Aus auch vor die Werkstore getragen werden soll.

Die Knorr-Geschichte beginnt im Jahr 1838

 

Carl Heinrich Theodor Knorr gründete 1838 in der Heilbronner Kaiserstraße einen Gemischtwarenladen – dieser Termin gilt als Beginn der Geschichte, obwohl die Lebensmittelproduktion im industriellen Stil erst mehrere Jahrzehnte später hinzukam. 1889 brachten die Söhne des Gründers die berühmte Erbswurst auf den Markt, 1910 folgten die Suppenwürfel sowie ein rasantes weltweites Wachstum. Im Jahr 2000 wurde die Knorr-Mutter Bestfoods vom britisch-niederländischen Unilever-Konzern übernommen.

 

 

 


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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