Reaktionen an der CDU-Basis gehen weit auseinander

Region  Zwischen Parteiaustritt und Aufbruchstimmung: Die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Vorsitzenden ist von Parteimitgliedern in der Region höchst unterschiedlich aufgenommen worden.

Von unserer Redaktion

Reaktionen an der CDU-Basis in der Region gehen weit auseinander

Die CDU hat eine neue Chefin. Nicht jedem an der Basis passt das.

Foto: dpa

Von bitterer Enttäuschung bis optimistischer Zuversicht ist die Stimmungslage bei der Unterländer CDU nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Parteivorsitzenden geprägt.

"Keine Perspektive": Ende einer Mitgliedschaft

Bernd Suberg zieht für sich persönlich die Reißleine: "Ich bin tief enttäuscht und werde aus der CDU austreten", erklärt der Beilsteiner Gemeinderat am Samstag. Kramp-Karrenbauer werde die CDU nicht aus ihrem Tief herausholen: "Ich sehe unter ihr keine Perspektive."

Merz, betont der Kriminalhauptkommissar mehrfach, habe die richtigen Fragen gestellt und die richtigen Antworten gegeben: "Er hätte die Menschen mitgenommen", zeigte sich Suberg, der seit 2011 CDU-Mitglied ist, überzeugt.

AKK werden eigene Akzente zugetraut

Friedrich Merz war für Ulrich Ruoff der Favorit. Der ehemalige Bürgermeister von Oedheim hofft jetzt, dass Kramp-Karrenbauer die Mitglieder mitnimmt: "Das ist das A und O bei der CDU." Das erwartet auch Albrecht Merkt: "Ich bin zuversichtlich, dass mit der neuen Vorsitzenden die Union wieder an die Tradition von Konrad Adenauer und Helmut Kohl anknüpft", betont der Heilbronner CDU-Stadtrat.

An Kramp-Karrenbauer schätzt Albrecht Merkt unter anderem "ihren Mut, Straftäter notfalls auch nach Syrien abzuschieben". Erwin Wagenbach traut der neuen Parteichefin zu, eigene Akzente zu setzen. "Wenn es etwas konservativer wird, bin ich zufrieden", sagt der Vorsitzende der Bad Rappenauer CDU.

Mehr Politik für den konservativen Flügel gewünscht

"Ich hätte es mir anders gewünscht", sagt Marianne Gailing. "Die Hoffnung nach einer konservativen Ausrichtung der CDU lag bei Merz", begründet die Obersulmerin, warum sie den Sauerländer vorgezogen hätte. Annegret Kramp-Karrenbauer werde wohl die bisher von Angela Merkel vertretene Politik der "linken Mitte" weiterführen, glaubt Gailing, die seit 19 Jahren CDU-Gemeinderätin ist. Die 60-Jährige wünscht sich, dass der konservative Flügel mit dem Mittelstand, der in der CDU seine Wurzeln habe, in der künftigen politischen Ausrichtung wieder stärker wahrgenommen wird.

Dass es mit der neuen Parteivorsitzenden eine Aufbruchstimmung in der CDU gibt, das bezweifelt Dieter Böhringer: "Wenn Kramp-Karrenbauer keine Merkel 2.0 sein will, dann darf es kein Weiter so geben", sagt der Pfaffenhofener Bürgermeister. Seine Erwartung an die Merkel-Nachfolgerin: "Sie muss die Stimmungen in der Partei zusammenführen."

"Chance vertan": Merz-Anhänger enttäuscht

Genau dieses "Weiter so" befürchtet Anton Varga. Der Eppinger CDU-Stadtrat hätte sich Merz als Vorsitzenden gewünscht, er sieht eine große Chance verpasst: "Da hat man einen kompetenten Mann aus der Wirtschaft, und dann wählt man ihn nicht."

 

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