Rathausmitarbeiter wurden spät über Bombendrohung informiert

Heilbronn  Die Bombendrohung im Heilbronner Rathaus stellte sich als falscher Alarm heraus. Mitarbeiter der Verwaltung kritisieren, sie seien zu spät informiert worden. Warum? Eine Erklärung von Stadt und Polizei.

Von Jürgen Kümmerle
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Warum die Rathausmitarbeiter so spät über die Bombendrohung informiert wurden

Das Rathaus in Heilbronn ist Ziel einer anonymen Bombendrohung. Die Polizei verzichtet auf eine Evakuierung.

Foto: Archiv/Mugler

Auch das Rathaus in Heilbronn hat am Dienstagmorgen eine anonyme Bombendrohung erhalten. Die Polizei schätzte die Drohung aber nicht als Gefahr ein. "Da das Schreiben bundesweit bei vielen anderen Städten einging, der angebliche Ablageort nicht genannt war und das Schreiben als nicht ernsthaft eingestuft wurde, verzichteten die Einsatzkräfte auf die Räumung und auch auf eine Durchsuchung der Verwaltungsgebäude", schreibt das Polizeipräsidium Heilbronn in einer Mitteilung.

In mehreren deutschen Städten sind am Dienstag solche Drohungen eingegangen. Rathäuser in Augsburg, Göttingen, Kaiserslautern, Chemnitz, Neunkirchen im Saarland und Rendsburg in Schleswig-Holstein sind evakuiert worden.

So kam es zur Entscheidung, das Rathaus nicht zu evakuieren

Nach Angaben von Frank Belz, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Heilbronn, hat die hiesige Stadtverwaltung die E-Mail mit dem brisanten Inhalt an die Polizei weitergeleitet. "Nach Rücksprache mit unseren Führungskräften im Haus und beim Medien Landeskriminalamt in Stuttgart sind wir zu der Einschätzung gekommen, keine Maßnahmen zu treffen und nicht zu evakuieren." Die Verwaltung sei angewiesen worden, sämtliche Mitarbeiter über die eingegangene Bombendrohung zu informieren.

Rathausmitarbeiter zeigen sich enttäuscht. Sie seien zu spät informiert worden, kritisieren sie. Kurz vor 11 Uhr informiert die Polizei die Medien über die Drohung. Wenige Minuten später ist die Meldung im Rundfunk und auf Internet-Portalen verfügbar. Erst zweieinhalb Stunden später informiert das Rathaus seine Mitarbeiter. "Wir sind schon ein wenig erstaunt und fühlen uns da nicht so wohl. Das könnte auch mal eine ernste Bombendrohung sein", sagt eine Mitarbeiterin unserer Redaktion. Ihre Kollegin habe kurz zuvor noch ein Paket geöffnet. "Das finde ich heikel. Wir hätten uns eine Info gewünscht."

Deutschlandweit gab es mehr als 100 Fälle

Christian Britzke, Pressesprecher der Stadt Heilbronn, bestätigt auf Nachfrage, dass die Mitarbeiter um 13.31 Uhr per E-Mail informiert wurden. Die Nachricht an die Beschäftigten sei relativ spät rausgegangen, gibt er zu. "Aber es ist nicht so, dass man es nicht gemacht hätte."

Polizeisprecher Belz geht von einer willkürlichen Wahl der Orte aus, die eine Drohung erhalten haben. Heilbronn ist nach bisherigen Informationen die einzige Stadt in Baden-Württemberg. Zum Absender habe man keine Informationen. Seit Monaten gibt es eine deutschlandweite Serie von Drohschreiben mutmaßlicher Rechtsextremer an Politiker, Behörden oder Gerichte, teilt die Deutsche Presseagentur mit. Die Berliner Staatsanwaltschaft spricht inzwischen von deutschlandweit mehr als 100 Fällen. Ob die Fälle vom Dienstag damit in Zusammenhang stehen, ist zunächst offen.


Warum nicht evakuiert wurde - Ein Interview mit Polizeisprecher Frank Belz

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Frank Belz, Sprecher der Polizei Heilbronn. Foto: privat

In sieben Städten ist am Dienstagvormittag eine anonyme Bombendrohung in Rathäusern, Verwaltungsgebäuden und in einem Kindergarten eingegangen, darunter auch im Rathaus in Heilbronn. Die Polizei hat sich als einzige entschieden, nicht zu evakuieren. Frank Belz (47), Pressesprecher des Präsidiums Heilbronn, erklärt, warum.

 

Herr Belz, nur Heilbronn hat von einer Evakuierung abgesehen. Wieso?

Frank Belz: Wir haben die Drohmail, die in der Nacht im Rathaus eintraf, sorgfältig geprüft und bewertet. Aufgrund unterschiedlicher Parameter in der E-Mail sind wir mit dem Landeskriminalamt in Stuttgart zu der Entscheidung gekommen, nicht zu räumen. Die Art und Weise, wie die E-Mail einging, hat auch eine Rolle gespielt.

 

Können Sie das genauer erklären?

Belz: Die Drohung ging an mehreren Stellen im Bundesgebiet ein. Über die Art und Weise, wie wir solche Drohungen bewerten, können wir aus einsatztaktischen Gründen keine Angaben machen. Wir hatten Kräfte für eine Evakuierung bereitgestellt und hätten sie jederzeit schnell einsetzen können, wenn wir zu einer anderen Bewertung gekommen wären.

 

Wird bei Bombendrohungen an Schulen generell evakuiert?

Belz: Wir machen keine Unterschiede zwischen Behörde oder Schule. Es ist jedes Mal eine Einzelfallentscheidung. Wir bewerten die Situation zu dem Zeitpunkt, zu dem wir Kenntnis von der Drohung erhalten. Im aktuellen Fall haben erfahrene Führungskräfte die Lage bewertet.


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